Prozess in Krefeld

Mircos mutmaßlicher Mörder Olaf H. lässt Anwalt sprechen

Eine improvisierte Gedenkstätte erinnert vor dem Krefelder Landgericht an den kleinen Mirco. Im Saal ließ Olaf H. sein Geständnis vom Anwalt bestätigen.

Krefeld. Im Prozess um den Mord an dem kleinen Mirco aus Grefrath hat der Angeklagte Olaf H. die Tat gestanden. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien im wesentlichen richtig, sagte der Verteidiger von Olaf H. am Dienstag zum Auftakt des Verfahrens am Krefelder Landgericht. „Es wird ihn für viele Jahre ins Gefängnis bringen“. Rechtsanwalt Gerd Meister äußerte sich im Namen seines Mandanten, der zunächst nicht selbst aussagte. Olaf H. soll den zehnjährigen Jungen im September vergangenen Jahres sexuell missbraucht und ermordet haben.

„Es ist einfach schrecklich, das sieht mein Mandant genauso“, sagte der Verteidiger. Olaf H. werde sich aber nicht bei Mircos Eltern entschuldigen, denn: „Diese Tat ist unentschuldbar.“ Beim Eintreten in den bis auf den letzten Platz besetzten Gerichtssaal verbarg der angeklagte Familienvater sein Gesicht: Er trug eine Sonnenbrille, eine Baseballmütze und hielt einen Papierstapel vor sich. Auf der Straßenseite gegenüber dem Gericht war eine Gedenkstätte für den getöteten Zehnjährigen ausgebreitet mit Kerzen, Bildern und Blumen. „Du fehlst uns“ stand auf einem kleinen Zettel mit dem Foto Mircos.

Der Anwalt sagte, am Tag der Tat im September 2010 habe sein Mandant Mirco abgepasst, ihn ausgezogen und versucht, den Jungen sexuell zu missbrauchen - aber gemerkt, dass dies „nicht sein Ding“ sei. Dann habe er den Jungen mit einer Schnur erdrosselt, um die Tat zu verbergen. Er habe aber nicht mit einem Messer auf das tote Kind eingestochen, wie es in der Anklage steht. Der Angeklagte hatte schon am Tag seiner Festnahme Ende Januar bei der Polizei gestanden, den zehnjährigen Jungen getötet zu haben. Er führte die Ermittler zu Mircos Leiche.

Mirco war am 3. September 2010 abends auf dem Nachhauseweg von einer Skaterbahn in seinem Wohnort verschwunden. Um das Kind zu finden, hatte die Polizei eine der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik gestartet: 1000 Polizisten durchkämmten die Felder rund um Grefrath am Niederrhein. Die zeitweise 65 Mann starke Sonderkommisison der Kripo ließ Autos blitzen und Tornados der Bundeswehr aufsteigen. Der Müll von Parkplätzen wurde durchsucht, Handzettel verteilt und Plakate aufgehängt. Der damalige Soko-Leiter Ingo Thiel sagte vor Prozessbeginn im WDR-Rundfunk, dieser Fall sei das Emotionalste gewesen, das er erlebt habe.

Rasch hatten die Ermittler einen VW Passat als mögliches Täterauto ausgemacht. Ein Fahrzeug dieses Typs war der Dienstwagen von Olaf H., dem Mitarbeiter eines Bonner Telekommunikationsunternehmens. Bis zu seiner Festnahme wohnte Olaf H., der verheiratet ist und drei Kinder hat, unauffällig in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Mircos Wohnort. „Er hat ein Selbstbild, das durch diese bürgerliche Welt geprägt ist“, meinte sein Anwalt.

Mit der Vernehmung von 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, die Persönlichkeit des Angeklagten erhellen zu können. Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak hat 15 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Mircos Mutter steht ein schwerer Auftritt bevor: Auch sie soll als Zeugin gehört werden.