Liveticker zur Katastrophe in Japan

Hoffnungsschimmer: Leitung für Kühlsysteme fast fertig

Lesedauer: 21 Minuten
abendblatt.de

Foto: REUTERS

Die Rettungskräfte kämpfen weiterhin verzweifelt gegen die drohende Katastrophe an. Alle aktuellen Entwicklungen hier im Liveticker.

Tokio. Mittwoch, 16. März

20:58 Uhr: Der Chef der US-Atomsicherheitsbehörde NRC, Gregory Jaczkoie, sagte, dass sich in einem Abklingbecken des japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi sich kein Wasser mehr befindet. Über die Quelle der Information machte er keine Angaben. Die Radioaktivität vor Ort sei nach Ansicht von Experten extrem hoch, sagte Jaczko. Ohne Wasser können die Brennstäbe in dem Abklingbecken nicht mehr gekühlt werden.

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19.59 Uhr: Im Kampf gegen den Super-Gau keimt in Japan neue Hoffnung: Die Betreiberfirma des in eine schwere Krise geratenen Atomkraftwerks Fukushima 1 teilte mit, dass eine zur Wiederherstellung der Kühlsysteme benötigte Stromleitung fast fertig sei. Die Leitung solle „so schnell wie möglich“ in Betrieb genommen werden, sagte ein Sprecher des Kraftwerkbetreibers Tokyo Electric Power Co. (Tepco), Naoki Tsunoda.

19.50 Uhr: Die US-Atomsicherheitsbehörde NRC geht von einer gefährlichen Strahlen-Belastung am japanischen Krisenreaktor Fukushima aus. "Wir glauben, dass die Strahlung extrem hoch ist“, sagte NRC-Direktor Gregory Jaczko am Mittwoch in Washington. "Das könnte auch die Möglichkeit für Korrekturmaßnahmen beeinträchtigen.“ Seine Behörde gehe davon aus, dass gebrauchte Brennstäbe im Abklingbecken von Reaktor 4 freiliegen, weil dort wegen der Explosion kein Wasser mehr sei, sagte Jaczko. Diese Situation bewirke eine hohe Strahlenbelastung, die den Einsatz von Krisenteams beeinträchtigen könnte.

Unterdessen forderte die US-Botschaft in Tokio alle US-Bürger im Umkreis von 80 Kilometern um den Krisenreaktor auf, sich in Sicherheit zu bringen. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es in einer in Tokio vorgelegten Erklärung. Zuvor hatte bereits das US-Verteidigungsministerium für den Einsatz von Angehhörigen der Streitkräfte eine 80-Kilometer-Sicherheitszone um den Reaktor erklärt. Einsatzkräfte von Armee und Marine dürften sie nur mit Sondergenehmigung betreten.

18.43 Uhr: Wie ein Experte des Bundesamts für Strahlenschutz, der über direkte Informationen aus Japan verfügt, sagte, sollen die Brennstäbe aus dem Kern des Reaktors 4 im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi offenbar an einer deutlich gefährlicheren Stelle der Anlage lagern als bislang angenommen. Erst vor kurzem sollen die noch nicht abgebrannten Stäbe aus dem vergleichsweise gut abgesicherten Reaktordruckbehälter entnommen und in das Abklingbecken transportiert worden seien.

Den Informationen nach lagern die immer noch extrem heißen Stäbe, wegen geplanter Wartungsarbeiten, außerhalb der Stahlschutzhüllen des Meilers. In den 60 Tonnen schweren, hoch aktiven Brennstäben des Reaktorkerns sollte, im Normalfall, zwar keine Kernspaltung mehr stattfinden. Sie sind aber weitaus aktiver als abgebrannte Stäbe, die zum Abklingen und Auskühlen im meterhohen Wasser liegen. Das sei vermutlich ein Grund dafür, dass die Flüssigkeit in den Becken gekocht habe und verdampfe, sagte ein Experte.

Bereits etwa zehn Tonnen des aktiven Kernbrennstoffs würden reichen, um einen Neubeginn der Kernspaltung zu starten. Die sechsfache Menge liegt im Abklingbecken. Wenn der Wasserspiegel im Becken so weit sinkt, dass diese Brennstäbe frei liegen, droht die Gefahr der Selbstentzündung, erklärte der Experte des Bundesamts für Strahlenschutz.

Dadurch könne der sogenannte "Kamineffekt“ einsetzten, erklärte der Atomexperte Mycle Schneider, der die japanischen Anlagen vielfach begutachtet hat. "Die Radioaktivität würde sich viel weiter verbreiten, weil sie wie in einem Kamin hoch in die Atmosphäre aufsteigen würde“, sagte Schneider. Zudem ändere sich die Partikelgröße und die Form der Radionuklide. "Der menschliche Körper ist dadurch stärker gefährdet, weil er diese dadurch tief in die Lunge einatmet.“

18:40 Uhr: Ein unbemanntes Flugzeug des US-Militärs soll mit seinen hochauflösenden Kameras an diesem Donnerstag mehr Klarheit über das Innere der havarierten Atomreaktoren in Fukushima bringen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit). Die Drohne Global Hawk hat zudem Wärmebildkameras an Bord.

18.35 Uhr: Moskau und Minsk wollen trotz der Katastrophe in Japan am Bau eines Atomkraftwerks in Weißrussland festhalten. Am späten Dienstagabend haben beide Länder einen Vertrag unterzeichnet, wonach das russische Konsortium Atomstrojexport bis zum Jahr 2018 eine Anlage in Weißrussland fertigstellen soll. Die Sicherheitsstandards des weißrussischen Kraftwerks würden "viel höher“ sein als die der Anlagen in Japan, sagte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin nach einem Treffen mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko.

Bereits im Juni 2009 hatte Moskau zugestimmt, den Kraftwerksbau zu finanzieren, allerdings wurde das Projekt wegen einer extremen Abkühlung der bilateralen Beziehungen dann nicht weiter vorangetrieben. Minsk sieht in dem Kraftwerk eine "Energiebrücke“ zwischen beiden Ländern, die sich derzeit wieder annähern. Das Kraftwerk werde die Energiesicherheit seines Landes stärken, sagte der weißrussische Regierungschef Michail Mjasnikowitsch. Sein Land leidet noch heute schwer unter den Folgen der verheerenden Atomkatastrophe von Tschernobyl vor fast 25 Jahren.

18.26 Uhr: Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco steigen die Wassertemperatur in den Reaktoren Fünf und Sechs. Um 6.00 Uhr MEZ wäre die Temperatur schon doppelt so hoch wie normal gewesen. Es werde der Einsatz alternativer Kühlmaßnahmen erwogen.

17.05 Uhr: Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, hat die Situation in Fukushima Eins als "sehr ernst“ bezeichnet. Er werde so schnell wie möglich selbst nach Japan fliegen und danach eine Sondersitzung des Gouverneursrats einberufen, sagte der Japaner am Mittwoch in Wien.

17.01 Uhr: Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami in Japan gibt es nach offiziellen Angaben mehr als 12.000 Tote und Vermisste. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurden bisher 4277 Tote geborgen. Rund 8200 Menschen werden demnach vermisst. Die tatsächliche Opferzahl dürfte Berichten zufolge aber weitaus höher liegen.

16.55 Uhr: Die amerikanischen Soldaten in Japan brauchen nach einer Anweisung des US-Verteidigungsministeriums eine Sondergenehmigung, um näher als 50 Meilen (80 Kilometer) an den Unglücksreaktor heranzukommen. Als vorbeugende Maßnahme haben einige Flugbesatzungen Jod-Tabletten erhalten, heißt es weiter. Keiner der US-Soldaten in Japan zeige Symptome einer Strahlenerkrankung.

16.23 Uhr: Das Außenministerium in Berlin hat den Deutschen im Großraum Tokio-Yokohama geraten, die Region wegen der Atomkatastrophe in Japan zu verlassen. „Das Auswärtige Amt empfiehlt allen Deutschen aus der Region um die Atomkraftwerke Fukushima und dem Großraum Tokio-Yokohama, vorübergehend nach Osaka oder über Osaka ins Ausland auszuweichen“, hieß es am Mittwoch auf der Internetseite des Ministeriums in einem nochmals verschärften Sicherheitshinweis.

15.24 Uhr: Zumindest vom Wetter droht der japanischen Millionen-Metropole Tokio vorerst keine neue Gefahr: Der Wind hat wieder auf West gedreht. Radioaktive Partikel, die vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima in die Luft gelangen, werden bei dieser Wetterlage auf das Meer getragen. An der Situation werde sich in den nächsten Tagen grundsätzlich nichts ändern, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD).

15.17 Uhr: Der innere Reaktormantel von Block 3 im Atomkraftwerk Fukushima 1 ist nach Regierungsangaben wahrscheinlich doch nicht ernsthaft beschädigt. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Am Vormittag hatte er noch mitgeteilt, dass der Mantel womöglich schwer beschädigt sei.

14.42 Uhr: Die japanische Regierung hat die maximal zulässige Strahlenbelastung für Mitarbeiter in Atomanlagen mehr als verdoppelt. Das Ministerium für Arbeitsgesundheit begründete dies mit der Notwendigkeit, eine Verschlimmerung der Lage im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zu verhindern. Die Erhöhung des Grenzwerts von 100 auf 250 Millisievert sei „unter den Umständen unvermeidbar“. Dennoch mussten wegen der hohen Strahlung in den nicht mehr ausreichend gekühlten Reaktoren in Fukushima-Daiichi die Arbeitskräfte zeitweise zurückgezogen werden.

14.20 Uhr: In dem schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 soll ein Spritzenwagen mit Wasserkanone eingesetzt werden, um das Abklingbecken von Reaktor 4 aufzufüllen. Damit soll verhindert werden, dass die in dem Becken gelagerten gebrauchten Brennstäbe überhitzen, berichtete der Fernsehsender NHK. Da ein Teil der Brennelemente nicht mehr von Wasser bedeckt waren, bemühen sich seitdem die Behörden, das Wasserniveau wieder anzuheben, um eine Kernschmelze zu verhindern.

13. 26 Uhr: Aus Solidarität mit dem Volk verzichtet Japans Kaiserpaar jeden Tag in seinem Palast in Tokio zwei Stunden freiwillig auf Strom. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo und berief sich auf Angaben des Kaiserhofs. Nachdem das schwere Erdbeben und der Tsunami mehrere Atomreaktoren beschädigt haben, gingen die japanischen Stromkonzerne dazu über, Elektrizität zu rationieren.

13.24 Uhr: Die japanische Polizei will einem Fernsehbericht zufolge versuchen, das Abklingbecken im Reaktorblock 4 des AKW Fukushima mit Wasserwerfern zu kühlen.

13.07 Uhr: Bei den Menschen in Russland an der Grenze zu Japan wächst die Angst vor einer radioaktiven Wolke aus dem Nachbarland. Nach Medienberichten decken sich die Bewohnern der russischen Pazifikregionen mit Jodtabletten, aber auch mit Wein und Wodka ein, weil sie glauben, so die Auswirkungen der Strahlung abschwächen zu können. Olga Schechowtsewa, eine Sprecherin der Katastrophenschutzbehörde in der Region Primorski erklärte, die Hersteller von Jodtabletten, Mundschutzen und Geigerzählern würden die Ängste in der Bevölkerung schüren, um ihren Umsatz zu steigern. Alexankder Iwelski vom Katastrophenschutz auf der Insel Sachalin erklärte, man überprüfe regelmäßig die Luft und das Wasser. Man erwarte jedoch keine gefährliche Strahlung.Auch der staatliche russische Wetterdienst erwartet, dass eine mögliche radioaktive Wolke das Land nicht treffen werde.

12.31 Uhr: Die Menschen in der Präfektur Fukushima sind besorgt und wütend. „Dieser nukleare Unfall hat die Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, und ich will, dass das ganze Land Verständnis für sie zeigt“, sagte der Gouverneur der Region, Yuhei Sato, dem Fernsehsender NHK. „Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht." Sato kritisierte, die Menschen in den Notlagern seien noch immer nicht mit ausreichend Nahrung und den nötigen Hilfsmitteln versorgt worden. „Lebensmittel, lebensnotwendige Güter und Öl sind auf dem Weg, sie haben die Notfallzentren aber noch nicht erreicht.“

12.12 Uhr: Bei eisigen Temperaturen sind am fünften Tag nach dem schweren Erdbeben und Tsunami im Nordosten Japans etwa 80.000 Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz gewesen.

11.48 Uhr: Die offizielle Zahl der Toten in Japan ist auf 4164 gestiegen. Die Zahl der Vermissten liegt bei mindestens 12.000. Hunderttausende leben seit dem schweren Beben in Notunterkünften.

11.01 Uhr: Der Löscheinsatz mit Helikoptern über dem Reaktor 3 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins ist abgebrochen worden. Das berichtete der Fernsehsender NHK. Einen Grund nannte die Sprecherin zunächst nicht. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo war es den Sicherheitsgruppen wegen der hohen Radioaktivität nicht möglich, Wasser von der Luft aus auf das Gebäude zu sprühen.

10.50 Uhr: Der weltgrößte Betreiber von Atomkraftwerken, der französische Konzern EDF, will Spezialisten und Material nach Japan schicken. "Wir wollen nicht nur Zuschauer sein, sondern auch handeln und uns mit unseren japanischen Kollegen solidarisch zeigen“, sagte der Chef des französischen Stromkonzerns dem Sender RTL.

10.15 Uhr: Cäsium und Jod seien im Leitungswasser in der Präfektur Fukushima nachgewiesen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf örtliche Behörden.

9.30 Uhr: Mit Militärhubschraubern versucht Japan, eine Ausweitung der Atomkatastrophe in der Anlage Fukushima 1 zu verhindern. Fernsehbilder zeigten einen Helikopter auf dem Weg zu dem Atomkraftwerk, über dem er Wasser zur Kühlung eines Reaktors abwerfen sollte. Vier Militärhubschrauber des Typs CH-47 Chinook sollen zum Einsatz kommen.

9.10 Uhr: Der japanische Kaiser Akihito hat den Opfern des verheerenden Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis sein Beileid ausgesprochen und sich tief besorgt über die Krise in den Atomkraftwerken gezeigt. Er rief die Japaner in einer im Fernsehen übertragenen Rede auf, nicht aufzugeben. "Wir wissen noch nicht genau die Zahl der Opfer, aber ich bete dafür, dass jeder Einzelne gerettet wird."

8.40 Uhr: Den japanischen Atomspezialisten in der Nuklearanlage in Fukushima gelingt es trotz permanenter Wasserzufuhr nicht, die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 ausreichend zu kühlen. Ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) sagte, nach den letzten verfügbaren Informationen der vergangenen Nacht lägen in den Einheiten die Kernbrennstäbe teilweise zur Hälfte frei.

8.10 Uhr: Nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen beiden Tage hat sich die japanische Börse am Mittwoch spürbar erholt. Der Nikkei für 225 führende Werte notierte wieder über 9000 Punkte.

7.35 Uhr: Die japanische Notenbank hat das Finanzsystem auch heute mit einer Geldspritze in Milliardenhöhe gestützt. Angesichts des hohen Bedarfs an Liquidität der heimischen Banken stellte die Notenbank als kurzfristige Notfall-Liquidität 3,5 Billionen Yen (rund 30 Milliarden Euro) zur Verfügung.

6.47 Uhr: Mindestens 1,6 Millionen Haushalte sind in Japan noch immer ohne fließend Wasser. 440.000 Menschen leben derzeit in 2400 Notunterkünften. Dort mangelt es teilweise an Wasser und Essen. Im Nordosten sind außerdem 850.000 Haushalte ohne Strom.

6.22 Uhr: Die Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima 1 können zurück auf das Gelände. Die Evakuierungsanordnung sei wieder aufgehoben worden, berichtete der Sender NHK am Mittwochmittag (Ortszeit).

5.56 Uhr: Die japanische Regierung sei bereit, die Reisreserven des Landes anzubrechen und wo nötig zu verteilen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium.

4.52 Uhr: In Tokio ereignet sich erneut ein Erdbeben. Gebäude wanken. Die Erdstöße hätten eine Stärke von 6,0 gehabt, teilte die US-Erdbebenwarte mit.

4.50 Uhr: Nach weiteren Feuern an zwei Reaktoren und einem starken Anstieg der Strahlung mussten sich die Arbeiter am Mittwoch aus dem Karftwerk zurückziehen und ihre Arbeiten vorerst einstellen. Die Regierung forderte auch im Ausland Hilfe an.

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Am Mittwoch fingen im AKW Fukushima sowohl Reaktor 4 als auch Reaktor 3 Feuer. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie stundenlang dichte Rauchschwaden von der Anlage aufstiegen.

Die radioaktive Strahlung auf der Anlage erreichte neue Rekordmarken. Japan wandte sich nun auch an die USA. Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Edano. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete zudem, dass die Regierung auch dem Einsatz ausländischer Ärzte für die Erdbebenopfer zustimme. Südkorea will einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken. Damit sollen die schwer beschädigten Atomreaktoren im Kraftwerk stabilisiert werden.

Am Mittwoch überschlugen sich die Schreckensnachrichten: Zunächst fing am Morgen Reaktor 4 Feuer, ausgelöst vermutlich durch eine Wasserstoffexplosion, wie der Sender NHK berichtete. Auch von Reaktor 3, wo Brennstäbe mit hochgiftigem Plutonium gelagert sind, stieg wenig später Rauch auf. Auf eine Explosion dort gebe es aber keine Hinweise, sagte Edano auf einer Pressekonferenz. Später hieß es, der Druck im Reaktormantel von Block 3 sei stabil geblieben.

In dem Unglücks-Atomkraftwerk gab es seit dem Tsunami am Freitag in den Reaktoren 1 bis 4 mehrere Explosionen und Brände. Am Dienstag hatte es schon geheißen, dass die Reaktorhülle in Block 2 beschädigt sein könnte. Dieser Schaden könnte nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde auch der Grund für die hohe Strahlung sein. Der Tsunami hatte das Kühlsystem des Atomkraftwerks zerstört, weshalb die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden können. Eine Kernschmelze wird seit Tagen vermutet.

Löscharbeiten waren am Mittwochmorgen (Ortszeit) offensichtlich unmöglich. Erst sollten Hubschrauber zum Löschen eingesetzt werden. Dies sei aber zu gefährlich, sagte Edano. Auch sei die Strahlung zu hoch, als dass Mitarbeiter auf das Gelände könnten. Ob nun alle verbliebenen Mitarbeiter endgültig abgezogen werden sollen, war unklar. Im Fernsehsender NHK sagte ein Sprecher der Atomaufsicht, die Menschen könnten nicht mehr in den Kontrollraum. Sie seien in sichereren Räumen untergebracht.

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, dass der Rauch am Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen könnte. Am Sonntag war in dem Reaktor die Kühlung ausgefallen. Danach explodierte freigewordener Wasserstoff. Das äußere Gebäude wurde zerstört. Die Strahlung an dem Atomkraftwerk erreichte in der Nacht zu Mittwoch den Höchstwert von 1000 Millisievert (1 Sievert), berichtete Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen. 1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf.

Für die zusätzliche künstliche Strahlenbelastung, etwa in der Industrie, senkte der Gesetzgeber im Jahr 2001 den Grenzwert für die Jahresdosis von 1,5 auf 1 Millisievert. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz können bei einem Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome auftreten.

Auch nach den neuen Vorfällen gebe es keine Pläne, die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Aktuell gilt ein 30-Kilometer-Radius. Anwohner, die diese Zone trotz der Evakuierungsanordnung noch nicht verlassen haben, sollen Türen und Fenster geschlossen halten.

Die Versorgungslage in Teilen des Landes wird derweil immer schlimmer: Die Regierung rief die Bevölkerung auf, keine Hamsterkäufe mehr an Tankstellen zu machen und Energie zu sparen. Die Menschen sollten ihren Gas- und Treibstoffverbrauch einschränken, sagte Edano. Derzeit werde alles versucht, um dringend benötigtes Gas und Kraftstoffe in die Katastrophengebiete zu bringen.

Die Zahl der Vermissten geht nach wie vor in die Tausende. Weiter hieß es, dass 440.000 Menschen in 2400 Notunterkünften lebten. Dort mangele es teilweise am Nötigsten wie Wasser oder Essen.

Zudem seien im Nordosten Japans 850.000 Haushalte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch immer ohne Strom. Das meldete NHK nach Angaben des Energieversorgers Tohuku. Die Naturkatastrophen hätten 76.000 Gebäude beschädigt und mindestens 6300 weitere komplett zerstört. Nach Vorhersagen der japanischen Wetterbehörde soll der Wind in den kommenden Stunden Richtung Osten und somit hinaus auf das Meer wehen. Im Großraum Tokio, 260 Kilometer südlich von Fukushima gelegen, geht die Angst vor einer radioaktiven Wolke um.

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