Liveticker zur Katastrophe in Japan

AKW Fukushima: Maximale Grenzwerte für Mitarbeiter erhöht

Lesedauer: 13 Minuten

Foto: dpa / dpa/DPA

Die 50 letzten Mitarbeiter kämpfen im AKWFukushima gegen die endgültige Katstrophe. Die japanische Regierung hat die maximal zulässige Strahlenbelastung für die Mitarbeiter in Atomanlagen mehr als verdoppelt.

Tokio. Mittwoch, 16. März

14.42 Uhr: Die japanische Regierung hat die maximal zulässige Strahlenbelastung für Mitarbeiter in Atomanlagen mehr als verdoppelt. Das Ministerium für Arbeitsgesundheit begründete dies mit der Notwendigkeit, eine Verschlimmerung der Lage im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zu verhindern. Die Erhöhung des Grenzwerts von 100 auf 250 Millisievert sei „unter den Umständen unvermeidbar“. Dennoch mussten wegen der hohen Strahlung in den nicht mehr ausreichend gekühlten Reaktoren in Fukushima-Daiichi die Arbeitskräfte zeitweise zurückgezogen werden.

14.20 Uhr: In dem schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 soll ein Spritzenwagen mit Wasserkanone eingesetzt werden, um das Abklingbecken von Reaktor 4 aufzufüllen. Damit soll verhindert werden, dass die in dem Becken gelagerten gebrauchten Brennstäbe überhitzen, berichtete der Fernsehsender NHK. Da ein Teil der Brennelemente nicht mehr von Wasser bedeckt waren, bemühen sich seitdem die Behörden, das Wasserniveau wieder anzuheben, um eine Kernschmelze zu verhindern.

13. 26 Uhr: Aus Solidarität mit dem Volk verzichtet Japans Kaiserpaar jeden Tag in seinem Palast in Tokio zwei Stunden freiwillig auf Strom. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo und berief sich auf Angaben des Kaiserhofs. Nachdem das schwere Erdbeben und der Tsunami mehrere Atomreaktoren beschädigt haben, gingen die japanischen Stromkonzerne dazu über, Elektrizität zu rationieren.

Hilfe für Japan - Hier können Sie spenden!

13.24 Uhr: Die japanische Polizei will einem Fernsehbericht zufolge versuchen, das Abklingbecken im Reaktorblock 4 des AKW Fukushima mit Wasserwerfern zu kühlen.

13.07 Uhr: Bei den Menschen in Russland an der Grenze zu Japan wächst die Angst vor einer radioaktiven Wolke aus dem Nachbarland. Nach Medienberichten decken sich die Bewohnern der russischen Pazifikregionen mit Jodtabletten, aber auch mit Wein und Wodka ein, weil sie glauben, so die Auswirkungen der Strahlung abschwächen zu können. Olga Schechowtsewa, eine Sprecherin der Katastrophenschutzbehörde in der Region Primorski erklärte, die Hersteller von Jodtabletten, Mundschutzen und Geigerzählern würden die Ängste in der Bevölkerung schüren, um ihren Umsatz zu steigern. Alexankder Iwelski vom Katastrophenschutz auf der Insel Sachalin erklärte, man überprüfe regelmäßig die Luft und das Wasser. Man erwarte jedoch keine gefährliche Strahlung.Auch der staatliche russische Wetterdienst erwartet, dass eine mögliche radioaktive Wolke das Land nicht treffen werde.

Stellen Sie uns Ihre Fragen zu Japans atomarer Katastrophe

12.31 Uhr: Die Menschen in der Präfektur Fukushima sind besorgt und wütend. „Dieser nukleare Unfall hat die Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, und ich will, dass das ganze Land Verständnis für sie zeigt“, sagte der Gouverneur der Region, Yuhei Sato, dem Fernsehsender NHK. „Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht." Sato kritisierte, die Menschen in den Notlagern seien noch immer nicht mit ausreichend Nahrung und den nötigen Hilfsmitteln versorgt worden. „Lebensmittel, lebensnotwendige Güter und Öl sind auf dem Weg, sie haben die Notfallzentren aber noch nicht erreicht.“

12.12 Uhr: Bei eisigen Temperaturen sind am fünften Tag nach dem schweren Erdbeben und Tsunami im Nordosten Japans etwa 80.000 Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz gewesen.

11.48 Uhr: Die offizielle Zahl der Toten in Japan ist auf 4164 gestiegen. Die Zahl der Vermissten liegt bei mindestens 12.000. Hunderttausende leben seit dem schweren Beben in Notunterkünften.

11.01 Uhr: Der Löscheinsatz mit Helikoptern über dem Reaktor 3 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins ist abgebrochen worden. Das berichtete der Fernsehsender NHK. Einen Grund nannte die Sprecherin zunächst nicht. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo war es den Sicherheitsgruppen wegen der hohen Radioaktivität nicht möglich, Wasser von der Luft aus auf das Gebäude zu sprühen.

10.50 Uhr: Der weltgrößte Betreiber von Atomkraftwerken, der französische Konzern EDF, will Spezialisten und Material nach Japan schicken. "Wir wollen nicht nur Zuschauer sein, sondern auch handeln und uns mit unseren japanischen Kollegen solidarisch zeigen“, sagte der Chef des französischen Stromkonzerns dem Sender RTL.

10.15 Uhr: Cäsium und Jod seien im Leitungswasser in der Präfektur Fukushima nachgewiesen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf örtliche Behörden.

9.30 Uhr: Mit Militärhubschraubern versucht Japan, eine Ausweitung der Atomkatastrophe in der Anlage Fukushima 1 zu verhindern. Fernsehbilder zeigten einen Helikopter auf dem Weg zu dem Atomkraftwerk, über dem er Wasser zur Kühlung eines Reaktors abwerfen sollte. Vier Militärhubschrauber des Typs CH-47 Chinook sollen zum Einsatz kommen.

9.10 Uhr: Der japanische Kaiser Akihito hat den Opfern des verheerenden Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis sein Beileid ausgesprochen und sich tief besorgt über die Krise in den Atomkraftwerken gezeigt. Er rief die Japaner in einer im Fernsehen übertragenen Rede auf, nicht aufzugeben. "Wir wissen noch nicht genau die Zahl der Opfer, aber ich bete dafür, dass jeder Einzelne gerettet wird."

8.40 Uhr: Den japanischen Atomspezialisten in der Nuklearanlage in Fukushima gelingt es trotz permanenter Wasserzufuhr nicht, die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 ausreichend zu kühlen. Ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) sagte, nach den letzten verfügbaren Informationen der vergangenen Nacht lägen in den Einheiten die Kernbrennstäbe teilweise zur Hälfte frei.

8.10 Uhr: Nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen beiden Tage hat sich die japanische Börse am Mittwoch spürbar erholt. Der Nikkei für 225 führende Werte notierte wieder über 9000 Punkte.

7.35 Uhr: Die japanische Notenbank hat das Finanzsystem auch heute mit einer Geldspritze in Milliardenhöhe gestützt. Angesichts des hohen Bedarfs an Liquidität der heimischen Banken stellte die Notenbank als kurzfristige Notfall-Liquidität 3,5 Billionen Yen (rund 30 Milliarden Euro) zur Verfügung.

6.47 Uhr: Mindestens 1,6 Millionen Haushalte sind in Japan noch immer ohne fließend Wasser. 440.000 Menschen leben derzeit in 2400 Notunterkünften. Dort mangelt es teilweise an Wasser und Essen. Im Nordosten sind außerdem 850.000 Haushalte ohne Strom.

6.22 Uhr: Die Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima 1 können zurück auf das Gelände. Die Evakuierungsanordnung sei wieder aufgehoben worden, berichtete der Sender NHK am Mittwochmittag (Ortszeit).

5.56 Uhr: Die japanische Regierung sei bereit, die Reisreserven des Landes anzubrechen und wo nötig zu verteilen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium.

4.52 Uhr: In Tokio ereignet sich erneut ein Erdbeben. Gebäude wanken. Die Erdstöße hätten eine Stärke von 6,0 gehabt, teilte die US-Erdbebenwarte mit.

4.50 Uhr: Nach weiteren Feuern an zwei Reaktoren und einem starken Anstieg der Strahlung mussten sich die Arbeiter am Mittwoch aus dem Karftwerk zurückziehen und ihre Arbeiten vorerst einstellen. Die Regierung forderte auch im Ausland Hilfe an.

Lesen Sie auch: Wieder Feuer im AKW Fukushima

Am Mittwoch fingen im AKW Fukushima sowohl Reaktor 4 als auch Reaktor 3 Feuer. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie stundenlang dichte Rauchschwaden von der Anlage aufstiegen.

Die radioaktive Strahlung auf der Anlage erreichte neue Rekordmarken. Japan wandte sich nun auch an die USA. Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Edano. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete zudem, dass die Regierung auch dem Einsatz ausländischer Ärzte für die Erdbebenopfer zustimme. Südkorea will einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken. Damit sollen die schwer beschädigten Atomreaktoren im Kraftwerk stabilisiert werden.

Am Mittwoch überschlugen sich die Schreckensnachrichten: Zunächst fing am Morgen Reaktor 4 Feuer, ausgelöst vermutlich durch eine Wasserstoffexplosion, wie der Sender NHK berichtete. Auch von Reaktor 3, wo Brennstäbe mit hochgiftigem Plutonium gelagert sind, stieg wenig später Rauch auf. Auf eine Explosion dort gebe es aber keine Hinweise, sagte Edano auf einer Pressekonferenz. Später hieß es, der Druck im Reaktormantel von Block 3 sei stabil geblieben.

In dem Unglücks-Atomkraftwerk gab es seit dem Tsunami am Freitag in den Reaktoren 1 bis 4 mehrere Explosionen und Brände. Am Dienstag hatte es schon geheißen, dass die Reaktorhülle in Block 2 beschädigt sein könnte. Dieser Schaden könnte nach Angaben der japanischen Atomsicherheitsbehörde auch der Grund für die hohe Strahlung sein. Der Tsunami hatte das Kühlsystem des Atomkraftwerks zerstört, weshalb die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden können. Eine Kernschmelze wird seit Tagen vermutet.

Löscharbeiten waren am Mittwochmorgen (Ortszeit) offensichtlich unmöglich. Erst sollten Hubschrauber zum Löschen eingesetzt werden. Dies sei aber zu gefährlich, sagte Edano. Auch sei die Strahlung zu hoch, als dass Mitarbeiter auf das Gelände könnten. Ob nun alle verbliebenen Mitarbeiter endgültig abgezogen werden sollen, war unklar. Im Fernsehsender NHK sagte ein Sprecher der Atomaufsicht, die Menschen könnten nicht mehr in den Kontrollraum. Sie seien in sichereren Räumen untergebracht.

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete, dass der Rauch am Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen könnte. Am Sonntag war in dem Reaktor die Kühlung ausgefallen. Danach explodierte freigewordener Wasserstoff. Das äußere Gebäude wurde zerstört. Die Strahlung an dem Atomkraftwerk erreichte in der Nacht zu Mittwoch den Höchstwert von 1000 Millisievert (1 Sievert), berichtete Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen. 1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf.

Für die zusätzliche künstliche Strahlenbelastung, etwa in der Industrie, senkte der Gesetzgeber im Jahr 2001 den Grenzwert für die Jahresdosis von 1,5 auf 1 Millisievert. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz können bei einem Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome auftreten.

Auch nach den neuen Vorfällen gebe es keine Pläne, die Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk auszuweiten, sagte Edano. Aktuell gilt ein 30-Kilometer-Radius. Anwohner, die diese Zone trotz der Evakuierungsanordnung noch nicht verlassen haben, sollen Türen und Fenster geschlossen halten.

Die Versorgungslage in Teilen des Landes wird derweil immer schlimmer: Die Regierung rief die Bevölkerung auf, keine Hamsterkäufe mehr an Tankstellen zu machen und Energie zu sparen. Die Menschen sollten ihren Gas- und Treibstoffverbrauch einschränken, sagte Edano. Derzeit werde alles versucht, um dringend benötigtes Gas und Kraftstoffe in die Katastrophengebiete zu bringen.

Die Zahl der Vermissten geht nach wie vor in die Tausende. Weiter hieß es, dass 440.000 Menschen in 2400 Notunterkünften lebten. Dort mangele es teilweise am Nötigsten wie Wasser oder Essen.

Zudem seien im Nordosten Japans 850.000 Haushalte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch immer ohne Strom. Das meldete NHK nach Angaben des Energieversorgers Tohuku. Die Naturkatastrophen hätten 76.000 Gebäude beschädigt und mindestens 6300 weitere komplett zerstört. Nach Vorhersagen der japanischen Wetterbehörde soll der Wind in den kommenden Stunden Richtung Osten und somit hinaus auf das Meer wehen. Im Großraum Tokio, 260 Kilometer südlich von Fukushima gelegen, geht die Angst vor einer radioaktiven Wolke um.

Die Welt erbebt - Hier geht es zum großen Abendblatt-Dossier zur Naturkatastrophe in Japan