Paris erlaubt wieder Zigaretten in der Kunst

Retuschierte Fotos von Sartre und Delon hatten Proteste ausgelöst

Paris. Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre (1905-1980) darf in Frankreich wieder rauchen. Auch Schauspieler Jacques Tati (1907-1982) bekommt seine Pfeife zurück. Das französische Anti-Rauchgesetz wurde bisher so streng ausgelegt, dass auf Plakaten sogar die Zigaretten wegretuschiert wurden. Denn Werbung für Tabak ist verboten. Das soll in Zukunft bei Kulturgut nicht mehr der Fall sein.

Die Diskussion über das Gesetz kam erstmals ins Rollen, als Sartre im Jahre 2005 der Glimmstängel auf dem Foto für einen Ausstellungskatalog wegretuschiert wurde. Der Philosoph qualmte bekanntlich wie ein Schlot, am liebsten die Marke Bastos. Er gilt noch heute als Galionsfigur der Raucher-Lobby. Die Veranstalter eines Festivals zu Ehren von Jacques Tati im Jahr 2009 mussten auch kurzfristig das Werbeplakat ändern und die Pfeife wegnehmen. Er bekam ein groteskes gelbes Windrad an die Stelle. Bei Sänger und Kettenraucher Serge Gainsbourg (1928-1991) wurde schon häufiger auf Abbildungen mit Zigarette verzichtet.

Das sei absurd, eine Zensur und Verfälschung von Geschichte, kritisierten die Sozialisten das strenge Anti-Rauchgesetz von 1991. Es verbietet indirekte oder direkte Werbung nicht nur für Tabak, sondern auch für Alkohol. Abbildungen von Zigaretten waren auf Briefmarken, Postern oder Katalogen nicht mehr erlaubt.

Vor allem eine Werbung für das Dior-Parfüm "Eau Sauvage" sorgte jüngst für Aufsehen. Dafür wurde ein altes Bild von Alain Delon, 75, von 1966 gewählt. Den jungen Delon sah man dabei ohne Zigarette, auch wenn die Handhaltung noch aufs Rauchen hindeutete. Für einen Film über Coco Chanel (1883-1971) durfte die Darstellerin Audrey Tautou, 34, auf Plakaten in der Pariser Metro auch keine Zigarette in der Hand halten.

Die Veränderung der geschichtlichen Fakten wurde zum Stadtgespräch, bis sich die französische Regierung schließlich genötigt sah, sich mit den oppositionellen Sozialisten zu beraten. Die Auslegung des Gesetzes wurde deshalb jetzt zugunsten des Kulturgutes verändert. Künstlerische Reproduktionen, wenn sie nicht von der Tabakindustrie finanziert werden und nicht dem Werbezweck von Tabak dienen, sollen authentisch bleiben und dürfen wieder gezeigt werden.