Leuchtende Landschaften

Die Modewoche in Mailand stimmt zuversichtlich. Die Designer setzen starke optische Signale

Mailand. Auf der DIN-A4-großen Eintrittskarte zur Schau von Moschino steckte eine schwarz-weiße Papierwindmühle. Das war nicht als subtiler Hinweis auf den Wind, den die Modewelt verursacht, zu verstehen - auch wenn das italienische Label die Ironie des Gründers weiterhin kultiviert. Die Windmühle war vielmehr als Synonym zu interpretieren für die fast kindliche Freude, die auf den Laufstegen herrschte. Es war allenthalben farbenfroh, witzig im Detail und aufregend. Moschino kam wie eine Persiflage auf den Dallas-schick daher, und wäre man vor zwei Saisons noch genervt gewesen angesichts der scheinbaren Ernstlosigkeit, hat die Stimmung nun gedreht. Warum eigentlich nicht? Was, wenn nicht Spaß, soll Mode schließlich machen.

Die Italiener haben offenbar ihre depressive Phase überwunden und besinnen sich allenthalben auf ihre Tradition und Handwerkskunst. Es muss auch nicht länger zurückhaltend wie "für mehrere Saisons" tauglich sein. Die Ethno-inspirierten, rasanten Kleider von Gucci merkt man sich.

Blick zurück mit Spaß in der Zukunft könnte ein Arbeitstitel für die Sommersaison 2011 gewesen sein. Donatella Versace hatte bei den Griechen geblättert und sehr appetitlich und farbintensiv "Strenge mit Sinneslust" kombiniert. Als perfekte Nachlasshüter von Ferré präsentierten Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi luxuriöse Zitate des Altmeisters. Bei den ersten Yves-Klein-blauen Entwürfen von Prada auf dem Laufsteg dachte man noch, das Kostüm hattest du doch schon mal, und zwar von Jil Sander.

Um dann doch eine ganz andere Linienführung zu entdecken. Und die Blockstreifenkleider mit Ornament-Muster, der Bananenprint, die in Neon und Ringel gefärbten Fuchsschwänze - alles war auf Schwung und gute Laune programmiert. Selbst Miuccia Prada lachte herzlich wie selten bei der obligaten Verbeugung. Die Ehre der Farbe gebührt allerdings Raf Simons. Er hatte schon die Jil-Sander-Männer in einen ausgesprochen farbenfrohen nächsten Sommer geschickt, nun folgten die Frauen. Trotzdem pur. Das muss man erst einmal hinkriegen.