Die Briten bekommen Nachhilfe in Sachen Anstand

Zu Olympia 2012 soll London wieder gute Manieren erlernen

London. Nichts ist für die Ewigkeit, und früher war sowieso alles besser. Auf kaum etwas scheinen Omas Lebensweisheiten derzeit mehr zuzutreffen als auf die bislang stets so berühmten britischen Manieren - zumindest behauptet das die "Nationale Kampagne für Höflichkeit". Demnach sei das allgemeine Benehmen im Vereinigten Königreich "definitiv schlechter als in der Vergangenheit". Dem will der Verein nun entgegenwirken: Knapp zwei Jahre vor dem Start der Olympischen Spiele in London sollen Engländer und Schotten, Nordiren und Waliser nun mithilfe einer Werbeaktion wieder Stil und Etikette beigebracht bekommen.

"Wir müssen unsere Manieren verbessern, wenn die Besucher mit einer hohen Meinung von unserer Nation nach Hause gehen sollen", sagt Peter G. Foot, Präsident der Höflichkeitskampagne. Daher sei der Aufruf zu mehr Wohlerzogenheit dringend nötig. Gut, so schlimm wie in China - dort gab es 2008 für das Olympia-Peking ebenfalls einen Benimm-Appell - stehe es um die Briten noch nicht, wild in der Gegend herumspucken täten sie eher selten. Anstandsengel seien sie dennoch nicht: "Früher haben wir an der Bushaltestelle Schlange gestanden. Jetzt kämpft jeder gegen jeden", empört sich Peter G. Foot und bemängelt: "Wir werfen Abfall auf den Boden. In manchen Geschäften werden Sie von den Verkäufern ignoriert. Es ist schlimmer denn je."

Ähnlich sieht das die Tourismusagentur "VisitBritain", die rechtzeitig vor dem Ansturm der Olympia-Touristen einen Knigge herausgegeben hat - mit Tipps à la "Bezeichnen Sie nie einen Kanadier als Amerikaner!".

Auch Londons Bürgermeister Boris Johnson ist um den Anstand seiner Landsleute bemüht. Er will 8000 Freiwillige rekrutieren, die während Olympia an allen wichtigen Stätten die Gäste begrüßen sollen. Diese "Botschafter", so Johnson, sollten "das lächelnde und glückliche Gesicht Londons" zeigen.

Was für eben diese allerdings schwierig sein dürfte, da wenigstens auf eine britische Tradition nach wie vor, zumal in London, bestens Verlass ist: das unselige Regenwetter.