Fakten zur Amokläuferin aus Lörrach

Lesedauer: 3 Minuten
Caroline Wadenka und Rainer Ruther

Lörrach. Als nett beschreibt ein Nachbar die 41 Jahre alte Rechtsanwältin aus Lörrach, die die südbadische Stadt durch ihren Amoklauf am Sonntagabend schockiert hat. Im Treppenhaus des Anwesens in der Markus-Pflüger-Straße 22 sei er ihr öfter begegnet. “Sie war sehr offen zu anderen, hat mit anderen Bewohnern geredet“, erinnert sich der 30-Jährige. Doch in letzter Zeit wirkte die 41-Jährige auf ihn “etwas niedergeschlagen“. “Das lag wohl an ihrer familiären Situation und der Trennung von ihrem Mann“, mutmaßt der Nachbar.

Im Dezember 2009 machte sich die Frau mit ihrer Anwaltskanzlei selbstständig, zuvor hatte sie in einem Privatunternehmen gearbeitet. Im Juni dieses Jahres trennten sich die Rechtsanwältin und ihr 44-jähriger Ehemann. Die Frau wohnte allein, das Kind lebte beim Vater, der als Schreiner tätig war, und kam manchmal zu Besuch. Einen Sorgerechtsstreit soll es laut Ermittlern nicht gegeben haben, dazu sei die Trennung noch zu frisch gewesen. Ein Besuchsrecht sei vereinbart gewesen. Der 30-jährige Nachbar lebt direkt über der Wohnung, in der die 41-jährige wohnte und gleichzeitig ihre Kanzlei hatte. Laute Worte oder Streit habe es nie gegeben. “Es ist für mich schockierend zu hören, dass ein normaler Mensch zu solch einer Tat fähig ist“, sagt er.

Besonders rätselhaft an dem Amoklauf erscheint, dass die 41-Jährige, nachdem sie ihren Ehemann und wahrscheinlich auch ihr Kind getötet und die Wohnung in Brand gesetzt hatte, in das nahe gelegene Elisabethenkrankenhaus auf die gynäkologische Abteilung ging. Die Ermittler fanden heraus, dass die Frau dort 2004 eine Fehlgeburt erlitten hatte. Ob das negative Erlebnis ein Grund dafür ist, dass sie sich erneut dorthin begab, konnten die Beamten aber nicht beantworten. Im Krankenhaus schoss die Amokläuferin nach Angaben der Polizei auch auf ein Patientenzimmer, in dem sich insgesamt sieben Personen befanden.

Gemeldet war die Frau in einer Gemeinde im Landkreis Lörrach. Um die Verwandten zu schützen, wollten die Ermittler dazu allerdings nichts Genaues sagen. Bei einer Hausdurchsuchung wurden vier Waffen gefunden, die die gebürtig aus Oggersheim in der Pfalz stammende Sportschützin besaß. Unter den Trümmern ihrer Kanzlei in der Markus-Pflüger-Straße in Lörrach sind zwei Tresore, die bislang nicht geöffnet werden konnten und in denen weitere Munition liegen könnte.

Eine psychische Erkrankung ist den Ermittlern nicht bekannt, allerdings hätten Kollegen im Anwaltsverein berichtet, dass die 41-Jährige psychisch labil, gestresst und angespannt gewirkt habe. Was die Frau am Sonntag letztendlich so total aus dem seelischen Gleichgewicht brachte, ist weiterhin unklar.