Auch im modernen Supermarkt wird gejagt und gesammelt

Hamburg. Jetzt ist der Freispruch offiziell: Frauen können nichts dafür, dass Einkaufen mit ihnen zur Geduldsprobe wird, und Männer haben keine Schuld, dass jeder ihrer Ausflüge in den Supermarkt zu einem regelrechten Wettrennen ausartet.

Wie Willy Schneider und Alexander Hennig, Marketingprofessoren der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, in ihrem neuen Buch "Zur Kasse, Schnäppchen" darlegen, sind diese Einkaufsstrategien nämlich evolutionär bedingt. Der Mann jagt - das muss schnell und gradlinig passieren, da nimmt man, was man kriegen kann. Wären wir nicht irgendwann ausgestorben, wenn unsere männlichen Vorfahren immer noch nach dem kleineren, aber günstigeren Mammut gesucht hätten?

Im Gegensatz zu den Männern sammeln Frauen - mit Bedacht und Auge für das bessere Angebot. Das dauert zwar länger, aber dafür sind es dann meist auch die richtigen Produkte. Denn wir wären evolutionär bestimmt nicht sehr weit gekommen, wenn die frühen Frauen der Menschheitsgeschichte bei der Auswahl der Beeren nicht richtig hingeguckt hätten.

Es sollte uns aber zu denken geben, dass selbst bei Frauen insgesamt nur 30 Prozent der Kaufentscheidungen wohlüberlegt sind. Medizin und Verhaltenspsychologie fanden heraus, dass 70 Prozent unserer Einkäufe spontan sind. Dazu tragen nicht zuletzt die Strategien der Supermärkte bei, zum Beispiel die riesigen Einkaufswagen, in die immer noch etwas hineinpasst, die verlockende Aktionsware gleich am Eingang und die ruhige Musik, die uns zum Schlendern und Sichten des Angebots einlädt.

Bei Jumbo-Packen und Schnäppchen helfen uns eben selbst unsere ureigensten Instinkte nicht weiter.