Lacrosse-WM

Keine US-Pässe: Irokesen sitzen in New York fest

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Die Indianer haben keine regulären US-Pässe. Darum darf ihr Lacrosse-Team nicht an der WM in Großbritannien teilnehmen.

New York. Lacrosse sei ihr Lebensnerv, ihr Blut. "Lacrosse, das sind wir", so hatte es Brett Bucktooth, einer der Spieler von den Iroquois Nationals, auf den Punkt gebracht. Lacrosse ist eine Art Hockey, bei dem der Ball mit einem Netzschläger geworfen und gefangen wird. Dieser Sport sei ihr Geschenk an die Welt, sagen die Irokesen, denn er wurde erstmals von Indianern an der amerikanischen Ostküste gespielt.

Doch nun darf das 50-köpfige indianische Team bei der Weltmeisterschaft in Manchester nicht mitspielen, an der 30 Nationen teilnehmen. Großbritannien verweigerte den Irokesen die Einreise aus den USA. Die britische Regierung akzeptiert die traditionellen Stammespässe, die in Hirschleder gebunden, zum Teil noch mit der Hand geschrieben und mit Bildern von Tieren verziert sind, nicht als offizielles Dokument. Seit Sonntag sitzt die Mannschaft deswegen am New Yorker Flughafen fest. Dabei hatte es nach einem Machtwort der US-amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton, 62, noch nach einem glücklichen Ende des bürokratischen Streits ausgesehen. "Um ihre Teilnahme zu ermöglichen, haben wir eine einmalige Ausnahme gemacht", hatte ein Sprecher des US-Außenministeriums bekannt gegeben.

Die Regierung von David Cameron, 43, fordert einen offiziellen US-Pass für die Einreise. Die Irokesen sehen dadurch ihre Rechte verletzt. Die Ureinwohner aus dem östlichen Grenzgebiet der heutigen USA und Kanada sehen sich als souveräne Nation.

Sie erkennen weder die USA noch Kanada an und stellen daher eigene Reisedokumente aus. Diese wurden in den vergangenen 30 Jahren auch von Ländern wie Großbritannien und Kanada akzeptiert. Das US-Außenministerium entschied jedoch vor Kurzem, dass die Irokesen wegen strengerer Reisevorschriften zusätzlich offizielle Pässe mit sich führen müssten. Die Dokumente entsprächen nicht mehr den modernen Anforderungen.

Das ist den Irokesen durchaus bewusst. Sie wissen, dass sie einen Chip mit Strichcode brauchen. Die Anfertigung ihrer neuen Pässe soll nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" 1,5 Millionen Dollar kosten und der Auftrag bei einer deutschen Firma kurz vor dem Abschluss stehen. "Der einfache Weg wäre, den US-Pass zu beantragen. Doch es gibt da noch einen anderen, größeren Aspekt: Mit unseren Pässen zu reisen ist eine Sache des Stolzes", sagte Sportdirektor Percy Abrams.

Stolz sind die Irokesen auch auf ihren Sport. Denn sie haben ihn im Jahr 1983 wieder für sich entdeckt und versuchen seitdem, durch internationale Erfolge für mehr persönliche Anerkennung und ihre Dominanz im Sport zu werben. Nicht von ungefähr setzt sich die heutige Häuptlingsversammlung Grand Council of Chiefs aus ehemaligen herausragenden Lacrosse-Spielern zusammen

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung dieses Sports lässt sich nicht zurückverfolgen. Die Indianer nannten das Spiel meist Tewaraathon (kleiner Bruder des Krieges). Die Stämme nutzten den Sport zur Vorbereitung auf kriegerische Auseinandersetzungen. Diese Wettkämpfe endeten für viele Teilnehmer tödlich. Nachdem die Sportart mit den Indianern in der Versenkung verschwunden war, griffen ihn die Kanadier im 19. Jahrhundert wieder auf, entwickelten ihn weiter und gaben ihm den Namen Lacrosse.

Die Irokesen sind ein Völkerbund aus zuerst fünf und später sechs Nationen. Sie nennen sich selbst Haudenosaunee, was so viel heißt wie Menschen des langen Hauses. Heute leben die meisten der etwa 75 000 Irokesen in Ontario und im Staat New York. Nur eine Minderheit spricht noch eine der irokesischen Sprachen, darunter 2000 Mohawksprecher, die größtenteils im Reservat bei Montreal leben.

Es bleibt weiter spannend, wie lange die Iroquois Nationals noch in New York festsitzen und ob sie überhaupt noch an der Weltmeisterschaft, die bereits am 15. Juli begonnen hat, teilnehmen können.