Porträt

Jugendrichterin mit klaren Worten und großem Einsatz

| Lesedauer: 2 Minuten
Jutta Schütz

Kirsten Heisig initiierte das Neuköllner Modell, das heute berlinweit gilt. Sie setzte durch, dass nach dem Delikt sofort die Strafe folgt.

Berlin. Die jetzt vermisste Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig gibt sich nicht so schnell zufrieden. Sie sagte der Alltagskriminalität von Jugendlichen, besonders im Problemkiez Neukölln, den Kampf an. Die sportliche, superschlanke Frau wollte nicht mehr hinnehmen, dass zwischen Delikt und Verurteilung von jugendlichen Kriminellen Monate liegen. Die heute 48-Jährige initiierte das Neuköllner Modell, das heute berlinweit gilt. Als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten ist sie für den Problemkiez Neukölln zuständig. Der soziale Brennpunkt wird nicht nur mit Arbeitslosigkeit und einem hohen Ausländeranteil in Verbindung gebracht, sondern auch mit Jugendgewalt.

Heisig wurde deutschlandweit bekannt mit ihrem Ansatz, dass nach dem Delikt die Strafe auf dem Fuße folgen müsse, um die Delinquenten noch innerlich zu erreichen und zu erziehen. Sie glaubt daran, dass die Spirale von Gewalt, Respektlosigkeit und Verwahrlosung Jugendlicher gestoppt werden könne. Sie hatte öffentlich gemacht, womit sich viele Gerichte herumplagen und sie polarisierte damit auch. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben. „Das Ende der Geduld“ sollte nach bisherigen Planungen im September erscheinen.

Erfolg und Popularität hatten der bekannten Richterin auch zu schaffen gemacht. „Ich habe keine Freunde hinzugewonnen. Ich fühle mich oft als Exot wahrgenommen. Das sagt mir zwar keiner ins Gesicht, das läuft so verdeckt“, hatte sie in einer dpa-Reportage gesagt. Der Vorwurf, sie sei ganz wild auf Öffentlichkeit, mache ihr zu schaffen. Sie habe auch nicht erwartet, dass ihre Vorstellungen solche Kreise ziehen. Viel Lob bekam sie auch von Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD).

Unermüdlich wirbt sie gerade bei Migranten dafür, dass Jugendliche mit ausländischen Wurzeln lernen müssten. Kriminalität fange oft mit Versagen in der Schule an, warnt sie immer wieder in Schulen, Vereinen und Nachbarschaftstreffs. Dort sagt sie zu Eltern: „Wir brauchen Ihre Kinder ganz dringend in guten Berufen - als Polizisten, Erzieher und Ärzte.“ Für diese Auftritte investiert sie viel Zeit nach den Prozessen im Gericht.

Über ihre beiden Töchter will Heisig nicht sprechen, um sie aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Heisig sagt von sich, dass sie Niederlagen wegstecken könne. Beim Joggen mit Hund finde sie Ausgleich.

( (dpa/abendblatt.de) )