"Dixit" ist Spiel des Jahres

Spielend und kinderleicht durch die Krise

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Das Kartenspiel "Dixit", das mit bunten Illustrationen in eine Märchenwelt entführt, ist in Berlin zum "Spiel des Jahres 2010" gewählt worden.

Berlin. Schon Friedrich Schiller (1759-1805) hat es gewusst: "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Das ist die philosophische Grundlage für einen Industriezweig, der jedes Jahr eine Vielzahl neuer Spiele auf den Markt bringt und der Krise nicht nur trotzt, sondern sogar von ihr profitiert. Die beste Neuerscheinung wurde gestern in Berlin zum "Spiel des Jahres 2010" gekürt: Es heißt "Dixit" (Lateinisch für "Er, sie, es sagte") und stammt aus Frankreich.

Die Pariser Grafikerin Marie Cardouat und Erfinder Jean-Louis Roubira - ein Kinderpsychiater aus dem französischen Poutiers - entführen mit dem Kartenspiel "Dixit" (Verlag Libellud aus Roubaix) in eine Märchenwelt mit bunten Illustrationen. Durch freie Assoziation zu den 84 bis ins Detail gestalteten Bildern sollen die Spieler ihre eigene Fantasie entwickeln und sich auf die Ideen der Mitspieler einlassen. Die Idee kam Roubira bei seiner Arbeit in einer Kinderklinik, erzählte er in Berlin bei der Preisvergabe. "Die kranken Kinder sollen kreativer werden und so mehr Energie gewinnen", sagte Roubira.

"Spielen macht Spaß, regt die Fantasie an, macht schlau: Die Aufzählung, was das Spiel im Menschen alles vermag, ließe sich beinahe bis ins Unendliche weiterführen", sagte Bernhard Löhlein, Vorsitzender der Jury. Bester Beweis dafür seien die Spiele, die für die begehrte Auszeichnung nominiert wurden: Da dürfe der Spieler sein Glück als Küchenchef ("A la carte") versuchen, als Maler ein Deckengemälde vervollständigen ("Fresko"), mit dem Zeichenstift wahre Lachsalven hervorrufen ("Identik") oder in der Bronzezeit Monumente errichten ("Im Wandel der Zeiten").

Mit dem Sonderpreis "Spiel des Jahres plus" zeichnete die Jury das Strategiespiel "Die Tore der Welt" (Kosmos-Verlag) aus, nach dem gleichnamigen historischen Roman von Ken Follett. Sein Erfinder, der Kieler Michael Rieneck, ist Spezialist für die Umsetzung von Büchern und hat bereits Werke wie "Dracula" spielbar gemacht.

Die Branche ist zufrieden, die Umsätze steigen leicht - trotz zunehmender Digitalisierung. Computerspiele seien keine Konkurrenz für Brettspiele, versicherte Heinrich Hüntelmann, Sprecher bei Ravensburger, einer Firma, die weltweit für Gesellschaftsspiele und Puzzles bekannt ist. "In den vergangenen drei Jahren haben wir den Verkauf von klassischen Spielen gesteigert. 2009 hatten wir einen Anstieg bei den traditionellen Spielen und Puzzles im deutschen Spielwarenmarkt um fünf Prozent." Knapp 400 Millionen Euro geben die Deutschen im Jahr für Spiele aus. Die Spielbranche scheint von der Wirtschaftskrise sogar zu profitieren. "Die Familie als sicherer Hort ist im Wertekanon deutlich höher angesiedelt als noch vor einigen Jahren", sagte Hüntelmann. Würfeln, Karten spielen, Hütchen vorrücken sind wieder angesagt. Zudem koste es zu Hause nicht viel, der Spaß sei dennoch groß.

Immer mehr Spiele setzen auf die Unterstützung durch digitale Hilfsmittel, es piept und blinkt auf den Brettern. Elektronik-unterstützte Kinderspiele "Wer war's?" und "Wo war's?" zählen seit dem Marktstart vor zwei Jahren mit mehr als 500 000 verkauften Exemplaren zu den Ravensburger Bestsellern.

Die Auszeichnung "Kinderspiel des Jahres", die es jetzt zum zehnten Mal gibt, wird unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) erstmals am 2. August in Hamburg vergeben.