England

Kater Oscar: Glücklich mit zwei Pfotenprothesen

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Bei einem Unfall verlor Kater Oscar beide Hinterpfoten. Als erste Katze erhielt er zwei Pfotenprothesen - und kann wieder laufen und springen.

London. Ein dreiviertel Jahr nach seiner schrecklichen Begegnung mit einem Mähdrescher kann Kater „Oscar“ wieder laufen. Bei dem Umfall im vergangenen Oktober verlor der schwarze Kater mit den grünen Augen beide Hinterpfoten. Beim Dösen in der Sonne wurde das zweieinhalb Jahre alte Tier von der Maschine erfasst. Mittlerweile ist er dank zweier Prothesen wieder in der Lage, fast wie eine gesunde Katze zu laufen und zu springen.

„Oscars“ Halter, Kate und Mike Nolan, brachten den verletzten Kater zu ihrem Tierarzt. Der konnte zwar die Wunden versorgen, „Oscar“ darüber hinaus aber nicht helfen. Er vermittelte den Nolans den Kontakt zu dem neuroorthopädischen Chirurgen Noel Fitzpatrick in der Nähe von London. Dieser hatte 2008 bereits einer Katze, die von einem Auto angefahren worden war, ein künstliches Kniegelenk eingesetzt.

Für „Oscar“ entwickelte er gemeinsam mit Medizintechnikern zwei künstliche Pfoten. Sie wurden direkt in das Sprunggelenk implantiert und wie bei einem Geweih umschließt die Haut die herausstehenden Teile, so dass das Tier vor Infektionen geschützt ist. Das obere Ende des Implantats wurde mit einer speziellen Substanz beschichtet, damit es richtig in den Knochen einwachsen konnte. Nun steht „Oscar“ auf zwei silbern glänzenden Stelzen mit Pfotenprothesen. „Oscars“ Halter hoffen, dass die bei dem Kater gemachten Erfahrungen auch Menschen zugutekommen, indem sie bei der Entwicklung künstlicher Gliedmaßen helfen.

Hunde kommen mit Rollstuhl zurecht, Katzen nicht

Weniger als vier Monate hat es gedauert, bis die Wunden verheilt waren und „Oscar“ auf seinen neuen Beinen laufen gelernt hatte. Mittlerweile kann er wieder herumtollen, wie ein normaler junger Kater. Er springt über Papierknäuel hinweg, steigt Treppen oder rennt einfach herum. „Dieser Kater hat wirklich Glück gehabt“, sagt Mark Johnson, Sprecher der Vereinigung der britischen Kleintierärzte BSAVA. „Es ist ein wirklich neuer Ansatz, einer Katze künstliche Gliedmaßen zu geben.“ Denn während es viele glückliche dreibeinige Hunde und Katzen gebe, täten sich Tiere, die zwei Beine verloren haben, ziemlich schwer.

Hunde kämen noch ganz gut mit einer Art Rollstuhl zurecht, sagt Johnson. Aber Katzen gewöhnten sich aufgrund ihres freiheitsliebenden Lebensstils eigentlich nie daran. Normalerweise würde man eine solche Katze einschläfern, sagt er. Glück für „Oscar“, dass die Nolans so an ihm hingen. Allein die Prothesen herzustellen, habe um die 2.000 Pfund (2.400 Euro) gekostet – ohne die Operation, sagt Gordon Blunn vom University College London. Sein medizintechnisches Zentrum hat „Oscars“ neue Pfoten mitentwickelt.

Für den jungen Kater sei das nächste halbe Jahr entscheidend, sagt Johnson. Seine Ärzte müssten nun überwachen, ob sich an den Prothesen Infektionen bilden oder sonst irgendwelche Bewegungsprobleme auftreten. „Sie halten vielleicht nicht ewig“, sagt Johnson. „Aber selbst wenn man der Katze nur ein paar zusätzliche Jahre schmerzfreier Mobilität ermöglicht, könnte das schon all den Aufwand wert sein.“

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