Carsten Maschmeyer

Der AWD-Gründer und sein Erfolgsgeheimnis

Unternehmer Carsten Maschmeyer ist seit November mit der Schauspielerin Veronica Ferres verlobt. Geld spiele bei ihrer Liebe keine Rolle.

Berlin. Carsten Maschmeyer führt ein schillerndes Leben: Mit dem Finanzdienstleistungsunternehmen AWD verdiente er Millionen, er ist verlobt mit Schauspielerin Veronica Ferres und pflegt ein Netz einflussreicher Freunde – unter ihnen Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff (CDU), der auch durch Maschmeyer in Bedrängnis geriet: Den ersten Urlaub nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten verbrachte Wulff ausgerechnet in der mallorquinischen Villa des Unternehmers.

Nun ist Maschmeyer auch noch unter die Buchautoren gegangen und lässt die Welt daran teilhaben, „wie man Schritt für Schritt zum Erfolg kommt, sei es finanziell, beruflich oder privat“. „Selfmade - erfolg reich leben“ heißt der biografische Ratgeber, der im Münchner Ariston Verlag mit einer Startauflage von 20.000 erschienen ist. Der Verkauf sei sehr gut angelaufen, es gebe bereits Nachbestellungen, teilte der Ariston Verlag mit. Dass die Startauflage vergleichsweise niedrig sei, will der Münchner Verlag nicht gelten lassen. Auflagen in solcher Höhe seien üblich. Zum Vergleich: Das Buch „Vorerst gescheitert“ (Herder) des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte eine Startauflage von 80.000.

Das Buch sorgte schon vor dem offiziellen Verkaufsstart für Furore: Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ befürchtet der Finanzkonzern AWD erneut negative Schlagzeilen und erinnert sich nur ungern an die Berichterstattung nach der Ausstrahlung einer NDR-Doku mit dem Titel „Der Drückerkönig und die Politik“ vor einem Jahr, in der es um Maschmeyers dubiose Geschäftspraktiken ging. Kleinanleger kamen darin zu Wort, die ihr Geld mit beim AWD erworbenen Finanzprodukten verloren haben und sich von dem Hannoveraner falsch beraten fühlten.

Um den Finanzkonzern geht es in Maschmeyers Buch nur am Rande. Der 52-Jährige, der seine AWD-Anteile 2007 an den Schweizer Lebensversicherungskonzern Swiss Life verkaufte, schildert vielmehr ausführlich, wie es ihm gelang, „aus einfachen Verhältnissen stammend zu einem der erfolgreichsten und faszinierendsten Unternehmer Deutschlands“ zu werden.

„Kontaktreich leben“, lautet seine Erfolgsformel. „Geschäftlich gesehen kann jeder Neukontakt bares Geld wert sein. Networking ist ein Sparkonto, auf das man zunächst viel einzahlen muss, um später davon abheben zu können“, schreibt Maschmeyer, der mit jedem Kontakt knüpft, sofern es seinem persönlichen Nutzenkonto dient: mit Sportmanagern, Großindustriellen, Ministerpräsidenten, Bundeskanzlern – und natürlich mit Bundespräsidenten. Sein Rat: „Überlegen Sie, durch welche Menschen Sie sich bereichert fühlen würden. Suchen Sie gezielt Kontakte zu Menschen, die Ihnen guttun und die Sie Ihren persönlichen Zielen näherbringen.“

Für Wulff erwies sich der Kontakt zu Maschmeyer als wenig nützlich. Umgekehrt sieht es anders aus: Der damalige niedersächsische Ministerpräsident machte seinen Freund auf der Berlinale 2007 mit Veronica Ferres bekannt. Die Schauspielerin habe ihn beim ersten Treffen nach seinem Beruf gefragt, schreibt Maschmeyer. „Finanzen und Versicherungen“, habe er geantwortet, woraufhin Ferres den Nützlichkeitswert dieses Kontakts erkannt und ihm anvertraut habe, dass sie „auch einmal einen Ratschlag gebrauchen“ könne. Aus Finanzberatung wurde Liebe, die – wie kürzlich bekannt wurde – durch einen Hochzeitsantrag gekrönt wurde.

Das Leben an der Seite des TV- und Filmstars hat Maschmeyer vermutlich zu Phrasen wie „Werden Sie der Superheld in Ihrem “Lebensfilm!" beflügelt. Überhaupt wimmelt es in dem Buch vor platten Sprüchen wie “Meine Eltern waren nicht reich, aber ich war traumreich" oder “Fahren Sie mit positiven Gefühlen auf Ihrem Highway zum Glück".

Kaum ist das Buch erschienen, wird der Unternehmer im Internet bereits beschimpft. “Das Buch sei ein Hohn für alle redlichen und mitmenschlich engagierten Bürger", schreibt ein Kommentator auf der Amazon-Seite von Maschmeyers Biografie. Maschmeyer sei “geldgeil bis in die letzte Körperzelle", nur am eigenen Erfolg interessiert und gehe über Leichen. Das solle man bei der Lektüre des Buches immer im Hinterkopf haben.

Carsten Maschmeyer: Vom Finanzberater zum Millionär

– am 8. Mai 1959 in Bremen als Sohn einer Sekretärin geboren; wuchs in einfachen Verhältnissen auf; gilt heute als einer der reichsten Männer Deutschlands;

– war als Schüler Bezirksjugendmeister im Mittel- und Langstreckenlauf;

– legte das Abitur mit einer Durchschnittsnote von 1,8 ab und begann ein Studium der Medizin, das er zugunsten der Finanzberatung aufgab;

– war von 1978 an bei der OVB Holding, einem Finanzvertrieb, erst als Bausparvertrags-Verkäufer und dann als Landesdirektor tätig; als er 1987 kündigte, erhielt er eine millionenschwere Abfindung;

– gründete 1988 den Finanzdienstleister AWD in Hannover, den er 2007 an den Schweizer Lebensversicherungskonzern Swiss Life verkaufte;

– lernte bei der OVB seine spätere Frau Bettina kennen, von der er sich Anfang 2009 nach 20 Jahren Ehe scheiden ließ; die beiden haben zwei Söhne;

– ist seit 2009 mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert; das Paar plant die Hochzeit;

– sorgte 1998 einen Tag vor der Landtagswahl in Niedersachsen mit einer Anzeige zugunsten des einstigen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD) für Aufsehen. Das Inserat mit dem Text „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“ kostete umgerechnet 332.000 Euro;

– pflegt auch zu Schröders Nachfolger im Ministerpräsidentenamt und späteren Bundespräsidenten, Christian Wulff (CDU), freundschaftliche Kontakte, wie Wulffs Aufenthalt in der mallorquinischen Villa des Unternehmers im Sommer 2010 belegt; zudem soll er Zeitungsanzeigen bezahlt haben, mit denen im niedersächsischen Landtagswahlkampf 2007 für Wulffs Buch „Besser die Wahrheit“ geworben wurde;

– veröffentlichte im März 2012 ein biografisches Buch mit dem Titel „Selfmade – erfolg reich leben“ (Ariston Verlag), in dem er schildert, wie er „ein reicher Mann und einer der erfolgreichsten und faszinierendsten Unternehmer Deutschlands“ wurde;

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