Magier zaubern sich zum Weltrekord

Es war die größte Show aller Zeiten. 106 Zauberer schafften es mit jeweils 65-Sekunden-Auftritt ins Guinnessbuch

Tübingen. Schwebende Tische, sprechende Krawatten und ein Verkehrsminister, der mit einem Elektroauto auf die Bühne gezaubert wird: Mit Kunststücken im Minutentakt haben sich 106 Magier in Tübingen ins Guinnessbuch der Rekorde gezaubert. Denn so viele Zauberkünstler in einer Show - das gab es noch nie. Bislang lag die offizielle Bestmarke bei 62. Doch dieser Rekord aus Italien hatte nicht einmal zwei Jahre Bestand, bis er am Sonntagabend in Baden-Württemberg überboten wurde.

"Je mehr Sie aufpassen, desto weniger sehen Sie!", prophezeite der Präsident der Vereinigung Magischer Zirkel, Eberhard Riese, den 370 Zuschauern gleich zur Eröffnung der Veranstaltung im bis auf den letzten Platz ausverkauften Landestheater Württemberg-Hohenzollern. 106 Kunststücke in einer Show, in der sich Nummer an Nummer reihte, stellten das Publikum denn auch auf eine beträchtliche Aufmerksamkeitsprobe. Und für die Zauberer hieß das vor allem, dass sie schnell sein mussten. In einer rasanten Abfolge zeigten sie spektakuläre Kunststücke, die scheinbar allen Naturgesetzen widersprachen.

Mal schwebten leuchtende Stäbe oder Tische über die Bühne, mal fiel unvermittelt eine kiloschwere Bowlingkugel aus einem Zeichenblock. Tauben wurden weg-, Assistentinnen oder Hasen hergezaubert; Nägel verbogen sich ohne ersichtlichen Grund.

Der aus Stuttgart stammende Thomas Fröschle, alias "Topas", teilte sich in zwei Hälften. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Leichtathletik-Olympiasieger Dieter Baumann schwebten über die Bühne. Und auch klassische Karten- und Seiltricks oder "Tischzauberei" sorgten immer wieder für fragende Blicke, ungläubiges Staunen und Applaus unter den Zuschauern.

Zauberei scheint eine fast ausschließlich männliche Domäne zu sein. Es musste erst die Nummer 95 erreicht werden, bis die erste Frau, die nicht nur lächelnde Assistentin war, die Bühne betrat. "Putzfrau Berta" gehörte der Rekord, die älteste Teilnehmerin zu sein.

Die Illusionisten kamen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Sie alle gehören - auch das war Bedingung für den Guinness-Rekord - zu einer magischen Vereinigung. Die größte Vereinigung ihrer Art ist in Deutschland der Magische Zirkel (MZvD) mit rund 2900 Mitgliedern. 1912 gegründet, feiert er in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Der runde Geburtstag war Anlass für die Rekordjagd in Tübingen.

Unter den Zauberern waren drei Weltmeister, zwei Vizeweltmeister, zwei WM-Dritte und zahlreiche weitere internationale Preisträger. Jeder von ihnen füllt mit seinen Tricks und Illusionen normalerweise ganze Abende. Doch in Tübingen ließ das strenge Reglement jedem nur 65 Sekunden Zeit. Viele Auftritte waren deshalb speziell für diesen Abend gestaltet und zusammengekürzt worden.

Das Publikum bewies Kondition: Erst nach drei Stunden stand der Titel fest. Rekordrichterin Seyda Subasi-Gemici überreichte dem Moderator der Gala, Julius Frack, die offizielle Urkunde und bestätigte damit den Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde. Dort wird die Show in Zukunft unter der Rubrik "Die meisten Magier in einer Zaubergala" zu finden sein.

Ins Guinnessbuch schafften es bisher auch die beiden Italiener Piero Ustignani und Walter Rolfo. Sie zogen im Jahr 2008 während eines Magiekongresses im italienischen Saint-Vincent in weniger als 30 Minuten 300 Kaninchen aus einem Zauberhut. In einer Livefernsehshow in Venezuela führte Fernando Diaz 2011 die meisten Zauberkunststücke mit verbundenen Augen vor. In einer Minute waren es 17 Tricks. Auch die amerikanischen Illusionskünstler The Pendragons präsentierten einen Verwandlungstrick in verblüffendem Tempo. Jonathan Pendragon ließ sich in einen Koffer einschließen, seine Frau Charlotte stellte sich darauf. Dann kam der Vorhang - und nach nur einer Viertelsekunde befand sich Charlotte im Koffer.

Doch der ungekrönte König der Magier ist David Copperfield. Er ließ 1983 in einer Liveshow im Fernsehen die New Yorker Freiheitsstatue verschwinden. Copperfield ist übrigens auch der Zauberkünstler mit dem höchsten Jahreseinkommen aller Zeiten: Laut US-Magazin "Forbes" verdiente er 2002 umgerechnet rund 47,5 Millionen Euro.

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