Guttenberg spottet über Notritter Fischer

Kabarettist erhielt " Orden wider den tierischen Ernst" und nahm sich auf die Schippe

Aachen. Bayerischer Schlagabtausch auf rheinischer Karnevalsbühne: Philipp zu Guttenberg, 38, der kleine Bruder des gefallenen CSU-Hoffnungsträgers, Karl-Theodor zu Guttenberg, 40, und Kabarettist Ottfried Fischer, 58, haben sich in Aachen ein Wortgefecht geliefert. Eigentlich sollte Philipp zu Guttenberg am Wochenende eine Laudatio auf Fischer halten, der mit dem "Orden wider den tierischen Ernst" des Aachener Karnevalsvereins ausgezeichnet wurde. Doch der Pfundskerl erhielt statt Lob auch Häme und Spott.

"Mit hübschem, eigenem Schuldregister schimpft man nicht über Ex-Minister", reimte Guttenberg in Richtung Fischer. Der Narrenkäfig in Aachen sei für den neuen Ordensritter extra verbreitert worden, "damit er hier nicht vorerst scheitert". Mit seiner Leibesfülle könne er selbst einen 19-Zoll-Bildschirm belegen. Gelächter im Saal.

Der Adressat konterte mit Schleichwerbung: "Ich bin der legitime Ritter Sport - quadratisch, praktisch, gut." In der Politik müsse statt Schönheit wieder Glaubwürdigkeit Vorrang haben. Guttenberg sei eigentlich ein Stoff, aus dem griechische Tragödien geschrieben würden, ätzte Fischer. Weder der Schauspieler noch der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzer nahmen ein Blatt vor den Mund. Da gingen manche Sprüche auch unter die Gürtellinie.

Ursprünglich sollte der frühere Verteidigungsminister und Vorjahres-Ritter Karl-Theodor zu Guttenberg die Rede auf Fischer halten, doch er schickte wie 2011 seinen Bruder. So blieb ihm das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen mit dem Kabarettisten erspart. Immerhin hatte der Preisträger schon im Vorfeld vollmundig erklärt, "KT" hart angehen zu wollen.

"Verpieselt hat er sich, gefloh'n - ist unser fränkischer Baron", rief selbst sein eigener Bruder in den Festsaal. Und knüpfte sich dann den neuen Stil Guttenbergs vor: "Ja, er ist weg, das Haar ganz kraus, gerupft und struppig sieht er aus." Trotzdem hinterließ der "große" Guttenberg seine Spuren. "Er hat nicht ab- doch mitgeschrieben, man merkt's am schwurbeligen Stil", verteidigte Philipp zu Guttenberg, der sich als "Plagiat" seines Bruders bezeichnete, die Wortwahl seiner Rede.

Guttenberg würde Fischer am liebsten in der Politik sehen

Letztlich beendeten die beiden Bayern ihren Ausflug in die Karnevalshochburg mit versöhnlichen Worten. Die in vielen Teilen auch harmonische Laudatio habe ihn gerührt, sagte Fischer. Und Guttenberg hat Fischer so gern, dass er ihn am liebsten als Landesvater in der Politik sehen würde. "Mit scharfem Wort, verbalem Schwert - ein Tor, wer vor dir aufbegehrt." Vielleicht habe Otti ja sogar das Zeug zum Bundespräsidenten? "Nein, ins Schloss Bellevue kannst du nicht hin. Denn mag da einer noch so schwitzen, verlass dich drauf, der bleibt dort sitzen!", sagte Guttenberg mit Blick auf Bundespräsident Christian Wulff, 52. Eine tiefe Verneigung gab es schließlich vor dem Mut Fischers, seine Parkinsonerkrankung öffentlich zu machen. "Als Knappe zieh ich meinen Hut, vor deinem übergroßen Mut", sagte Philipp zu Guttenberg. "Ritter wirst du, weil du uns lernst: Man lacht, und ist es noch so ernst."

Respekt zollte Ritter Fischer, auch der Präsident des Aachener Karnevalsvereins, Werner Pfeil. Fischer, "die kabarettistische Naturgewalt", arbeite mit einer zutiefst humanen Sicht die kleinen und großen menschlichen Schwächen humorvoll auf. "Heiter, humorvoll und hintergründig hält er den Menschen den Spiegel vor", sagte Pfeil.

Er verschwieg, dass Fischer eine "Notlösung" war. Zuvor hatte eine Reihe von Kandidaten abgesagt. Als Grund wurde hinter vorgehaltener Hand die erwartete Laudatio durch Karl-Theodor zu Guttenberg, dem Vorjahressieger, genannt. Zu dem Zeitpunkt hatte er noch nicht abgesagt. Im Gespräch als Preisträger waren unter anderem der SPD-Politiker Peer Steinbrück, 65, und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, 63.

Der Orden wird seit 1950 verliehen. Unter den Preisträgern ist auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, 93, der ihn 1972 erhielt, als er noch Verteidigungsminister war und den Soldaten eine modischere Haarlänge genehmigte.

Die ARD strahlt die Festsitzung in Aachen heute um 20.15 Uhr aus.

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