Mehr Macht für die Mode

Wie die einstige Stil-Ikone Jackie Kennedy Frauen in der hohen Politik von heute inspiriert, analysiert ein neues Buch

Paris. Es ist fast 50 Jahre her, dass Jackie Kennedy (1929-1994) nicht nur die Amerikaner und Staatsmänner rund um den Globus verzauberte, sondern auch zur bestgekleideten Frau der Welt gekürt wurde. Aber selbst heute noch - oder besser: wieder - lassen sich Politikerinnen und Politikerfrauen von der einstigen Stil-Ikone aus dem Weißen Haus inspirieren.

"Der Look ist Teil der Macht geworden", schreibt die französische Journalistin Valérie Domain in ihrem gerade erschienenen Buch "Total Look" (Verlag Hugo&Cie). Frauen, die selbst Macht haben, müssen sich nicht mehr kleiden wie Männer, um zu beweisen, dass sie kompetent und stark sind. Luxuriöse und feminine Kleidung sind gang und gäbe; das gilt vor allem für die First Ladies.

Carla Bruni, 42, zum Beispiel erinnert mit ihren Dior-Kostümen im Stil der 60er-Jahre an Jackie Kennedy und imitierte bei ihrem ersten Staatsbesuch in London sogar deren kleinen Pillbox-Hut. Auch Königin Rania von Jordanien, 39, trägt gern den Retro-Stil der 60er-Jahre mit langen, schmalen Röcken, die amerikanische Präsidentengattin Michelle Obama, 46, bevorzugt die schlichten Shiftkleider.

Fast wie eine Farce wirkt die Suche nach dem perfekten Look, wenn plötzlich zwei Damen fast gleich aussehen, so wie beim ersten Staatsbesuch von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, 55, mit Carla Bruni in Spanien. Dabei trugen Bruni und Letizia von Spanien, die Frau von Thronfolger Felipe, körperbetonte, knielange Roben in Lilatönen, passend dazu nach außen gefönte Stufenhaarschnitte und Pumps.

Die beiden gehören zur Gruppe der topmodischen Frauen in der Politszene. Sie wissen Eleganz und Trends zu verbinden. Bruni hat für ihre Rolle der First Lady Jeans und weite T-Shirts gegen körperbetonte, elegante Roben getauscht, ihr Stil ist heute meist klassisch chic. Letizia von Spanien ist lässiger, etwas weniger um Stil bemüht. Leichte Hosen und Blumenblusen gehören neben klassischen Roben zu ihrer Garderobe. Sie sei die perfekte "moderne Prinzessin", glamourös, ohne ständig Haute Couture zu tragen, schreibt Valérie Domain. Auch Königin Rania gehöre in die Kategorie, sie wirke in jeder Lebenslage passend angezogen, modern, sinnlich und doch nicht allzu sexy. Sie wählt schlichte Töne wie Beige und Schwarz und sieht im Abendkleid oder Trench immer perfekt aus.

Daneben gebe es die "Matronen der Politik", wie Domain befindet. Als zwei politische Fashionschwestern hat sie Bundeskanzlerin Angela Merkel, 55, und US-Außenministerin Hillary Clinton, 62, ausgemacht. Die beiden tragen gern rote Blazer mit schwarzen Hosen und eng anliegende Halsketten. Sehr charakteristisch sei das, heißt es in dem Buch. "Rot bedeutet Schnelligkeit und Aktion. Das ist perfekt für eine durchsetzungsstarke Frau." Merkel und Clinton lieben überhaupt auffallende Farbtöne wie Grün, Pink oder Gelb und heben sich damit von ihren männlichen Kollegen ab. So zeigte sich Merkel mit einem grünen Blazer, als sie 2009 zum ersten Mal US-Präsident Barack Obama empfing. Hillary Clinton sei allerdings weniger streng, ihr Blazer ist häufig nicht zugeknöpft.

Die Anti-Glamour-Frauen haben noch eines gemeinsam: die Angst vor zu viel nackter Haut. Das ist nicht verwunderlich. Denn als sich Merkel einmal mit sehr viel Ausschnitt bei einer Operngala 2008 in Oslo zeigte, war das gleich tagelang das große Klatschthema der Medien. Sie mögen auch keine Neuerungen. Clinton etwa hat in den letzten 20 Jahren nie wirklich die Haarfrisur geändert. Keinen Modegag zu unterstützen bedeutet für diese Frauen, sich auf politische Ideen zu konzentrieren. Damit wird auch ihr Modestil zur Botschaft.

Einen Gegenkurs fährt die französische Sozialistin Ségolène Royal. Sie setzt bewusst auf Farben, Muster und Ethnolook, um sich von den Männern in der Politik abzuheben und ihre starke Persönlichkeit zu unterstreichen. Auch Michelle Obama liebt einen Modemix aus Retrolook, jungen Modeschöpfern, günstigen Marken und US-College-Stil. Sie will kein Glamour- oder Luxusimage und ist doch sehr modisch. Sie sei eine Antikonformistin, heißt es in dem Buch.

Eine Newcomerin ist Samantha Cameron, 39, die Frau des neuen britischen Premiers David. Sie verbindet große Marken mit günstigen Labels wie Topshop. Sie ist originell, unkonventionell und hängt nicht zu sehr an den Trends. Sie könnte Carla Bruni sogar als Fashionikone ablösen, denn sie ist weniger klassisch und ihr Stil cool-elegant.