Mexiko: 14 Tote bei Überfall in Ciudad Juarez

Blutbad auf Jugendfete - eine Verwechslung?

Studenten und Schüler gerieten offenbar aus Versehen zwischen die Fronten eines Bandenkrieges.

Mexiko-Stadt. Die Party endete im Blutbad: In der für ihre Drogenkriminalität berüchtigten mexikanischen Stadt Ciudad Juarez tötete ein Überfallkommando 14 Schüler und Studenten. Bewaffnete waren mit zwei Lieferwagen vorgefahren und hatten das Feuer eröffnet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren zehn Opfer auf der Stelle tot, vier weitere starben im Krankenhaus. Mehr als zwei Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene wurden verletzt. Die Todesopfer waren 15 bis 20 Jahre alt. Einem Bericht der Zeitung "El Universal" zufolge war unter den Ermordeten auch eine junge Frau, die erst vor einigen Tagen Zeugin eines anderen Massakers geworden war.

Nachbarn glauben an ein tragisches Missverständnis. Möglicherweise seien die Jugendlichen aufgrund einer Fehlinformation dem Krieg rivalisierender Drogenbanden zum Opfer gefallen.

Es gab verschiedene Angaben, um welche Art der Veranstaltung es sich handelte. Eine Quelle behauptet, die Jugendlichen hätten eine Geburtstagsparty gefeiert. Anderen Berichten zufolge handelt es sich bei den Toten um Mitglieder eines Fußballklubs, die sich anlässlich eines Pokalsieges getroffen hatten.

Die meisten der mehr als 30 jungen Partygäste lebten in der Wohnanlage, in der sich das Massaker abspielte. Nachbarin Martha Lujan berichtete, sie könne sich nicht vorstellen, dass einer von ihnen in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sei. "Das war bestimmt ein schrecklicher Irrtum", sagte Lujan.

Ciudad Juarez ist ein Zentrum der Drogenkriminalität. Die 1,3 Millionen Einwohner zählende Stadt ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Durchgangsort für Drogen in die US-Stadt El Paso direkt hinter der Grenze. Allein im vergangenen Jahr wurden in Ciudad Juarez 2250 Menschen getötet. Das sind durchschnittlich sechs am Tag. Damit hat die Stadt eine der höchsten Mordraten weltweit. Bereits 2006 hatte die Regierung Zehntausende Soldaten in die Stadt geschickt, um rivalisierende Drogenkartelle zu bekämpfen. Der Gewaltkriminalität wurden sie jedoch nicht Herr. Erst kürzlich waren zehn Menschen an verschiedenen Punkten der Stadt erschossen worden.

Auch in der Stadt Iguala im Südwesten des Landes wurden am Sonnabend sieben Leichen gefunden. Alle Opfer waren erstickt worden, indem ihnen die Täter Paketband auf Mund und Nase klebten.

Eine weitere Schreckensmeldung gab es auch aus dem Bundesstaat Michoacán, der ebenfalls ein Schwerpunkt der Drogenkriminalität in Mexiko ist. Hier tobt seit Monaten ein grausamer Kampf zwischen den beiden mexikanischen Drogenkartellen "La Familia" und "Los Zetas".

Vor den Toren der Stadt Acahuato hatte die Polizei sechs enthauptete Leichen gefunden. Die Körper und die abgetrennten Köpfe waren am Freitag gefunden worden. Die Toten konnten noch nicht identifiziert werden. Wenige Stunden später griff eine Gruppe von mindestens zwölf bewaffneten Männern einen Konvoi der Bundespolizei an. Fünf Polizisten wurden dabei in der Nähe der Stadt Maravatio erschossen und sieben zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Der in der vergangenen Woche niedergeschossene Fußball-Nationalspieler Salvador Cabanas aus Paraguay befindet sich auf dem Weg der Besserung. Ihm war in Mexiko-Stadt in der Toilette einer Bar in den Kopf geschossen worden.

Der mexikanische Präsident Felipe Calderon stammt aus Michoacán. Er hat den Drogenkartellen den Kampf angesagt. Seit seinem Amtsantritt Ende 2006 wurden im Drogenkrieg rund 15 000 Menschen getötet.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.