Proteste von Tierschützern

Schweden: 12 500 Jäger gegen 27 Wölfe

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Die Wölfe waren zum Abschuss freigegeben. Naturschützer erstatteten Anzeige bei der EU. Zwei Wölfe laufen immer noch verletzt umher.

Stockholm. Es war der zweite Tag des Jahres und mit minus 15 Grad eiskalt. Rasmus Nyman (21), Jäger aus Leidenschaft, traf sich trotz der Kälte um 5 Uhr morgens mit 150 anderen Jägern in den tiefen Wäldern der schwedischen Region Dalarne. Die erste Wolfsjagd Schwedens seit 45 Jahren hatte begonnen! Rasmus Nyman erlegte mit steif gefrorenen Fingern nach einigen Stunden "seinen" Wolf. Das Tier musste jedoch noch lange leiden. Denn es wurde von dem jungen Jäger nur angeschossen, erst am nächsten Tag fand er das verwundete Tier und konnte ihm den Gnadenschuss geben. Rasmus Nyman gab sich trotzdem stolz, machte jede Menge Fotos und veröffentlichte seinen Bericht auf einer Jagd-Seite im Internet.

27 Wölfe hatte der Staat zum Abschuss freigegeben, das entspricht in etwa jedem zehnten schwedischen Wolf. Immer häufiger waren im vergangenen Jahr Schafe, Haustiere und sogar Jagdhunde von Wölfen gerissen worden. Die Umweltschutzbehörde hatte die Jagd befürwortet, sogar König Carl Gustaf (63) hatte im Sommer einmal gesagt, dass es höchste Zeit sei, den Bestand der Wölfe zu verringern. Im Oktober hatte das Parlament die Jagd dann genehmigt. Das Interesse war von Anfang an enorm; als die Saison am 2. Januar begann, hatten sich etwa 12 500 Jäger registrieren lassen - gegen 27 Wölfe. Nach nur zwei Tagen war die Quote erfüllt.

Die Jagd ist damit beendet, aber die Diskussionen beginnt erst. Die Jäger selbst gaben sich begeistert. "Es ist halt ein ganz besonderes Gefühl, einen Wolf zu erlegen", jubelte einer, während ein anderer sich schon auf die Mütze aus Wolfsfell freut.

Naturschutzfreunde können diesen Jubel nicht nachvollziehen. Es sei unverantwortlich, so viele Jäger gleichzeitig auf so wenige Tiere loszulassen. Mehrere Wölfe wurden angeschossen, mindestens zwei wandern immer noch verletzt durch die Wälder und können nicht gefunden werden. Lars Furuholm, Raubtierverwalter der Region Värmland: "Das ist traurig und war nicht Sinn der Sache. Die Jäger brauchen mehr Training, viele von ihnen waren nervös und aufgeregt, und ich fürchte, dass einige zu schnell schossen." Heftige Reaktionen blieben deshalb nicht aus, mehrere Jäger erhielten Drohungen. "Du musst sterben, du und deine Frau. Ich werde deine Kinder aufschlitzen, so wie du es mit dem Wolf gemacht hast", hieß es etwa in einer SMS. Die Frau dieses Jägers denkt inzwischen ernsthaft daran, ihren Mann zu verlassen, weil die Situation zu belastend für die Familie ist.

Die eigentlich so stolzen Jäger ziehen sich inzwischen in die Anonymität zurück. Gunnar Glöersen vom Schwedischen Jagdverband: "Wir haben anfangs alle unsere Mitglieder gebeten, offen zur Jagd zu stehen, da wir nichts Verbotenes tun. Aber inzwischen habe ich meine Meinung geändert." Nur wenige wollen heute noch mit Namen genannt werden. Göran Borr (43) ist einer von ihnen: "Die Jagd ist erlaubt, warum sollte ich mich schämen?"

Und es gibt auch Schweden, die immer noch sehr froh darüber sind, dass es nun weniger Wölfe in den Wäldern gibt. Lars Skoog (38) musste im Oktober erleben, wie sein Hund Zorro gerissen wurde. "Einige von uns lassen ihre Kinder draußen nicht mehr spielen. Leute, die nicht direkt mit Wölfen zu tun haben und damit leben müssen, sollten sich gar nicht äußern dürfen!"

2011 wird es mit Sicherheit erneut eine Jagd geben, vielleicht jedoch in einer anderen Form. Der schwedische Naturschutzverband hat inzwischen den schwedischen Staat bei der EU-Kommission angezeigt, da diese Form der Massenjagd den EU-Regeln widerspreche. Mikael Karlsson, Sprecher des Verbandes: "Man kann nicht 12 500 Jäger, die alle ein Fell an der Wand hängen haben wollen, auf so wenige Tiere loslassen. Es war eine regelrechte Hetzjagd."