Japan

Flipper-Trainer kämpft gegen Gemetzel in Delfinbucht

Einer Tradition fallen jährlich tausende Tümmler zum Opfer. Richard O'Barry hat über das Schlachten einen Film gedreht, der am 22. Oktober ins Kino kommt.

Taiji/Hamburg. Als sich das Leben von Richard O'Barry (68) schlagartig änderte, schrieb man das Jahr 1970. Es war der Moment, als Delfinmädchen Cathy in seinen Armen starb, als sie das Atmen einstellte. Erst da realisierte O'Barry, was er seinem Schützling angetan hatte und dass er gegen die Industrie, für die er jahrelang gearbeitet hatte, kämpfen musste.

Cathy war ein Star gewesen, zusammen mit Suzy und drei anderen Delfinen hatte sie sich die Rolle des TV-Tümmlers Flipper geteilt. O'Barry war als Tiertrainer dafür verantwortlich, den Meeressäugern beizubringen, sich "zum Clown zu machen", wie er es heute formuliert. Er bekam dafür viel Geld und bemerkte nicht, wie die Tiere in Gefangenschaft litten. "Das Lächeln der Delfine ist die größte Täuschung der Natur. Es entsteht die Illusion, dass die Tiere glücklich sind", resümiert er. Heute ist sich O'Barry sicher, dass Cathy Selbstmord beging. Delfine kontrollieren jeden ihrer Atemzüge und sie entschied sich, das Atmen einzustellen. Aus dem berühmten Delfintrainer wurde durch dieses Erlebnis ein Aktivist, der sich für den Schutz der intelligenten Meeressäuger, gegen Delfinarien einsetzt. Mehrmals saß er für seine Aktionen bereits im Gefängnis.

Nun erreicht der Kampf seinen Höhepunkt. Mit dem Film "Die Bucht", der am 22. Oktober in die deutschen Kinos kommt, wagt der US-Amerikaner die Dokumentation eines Massakers, das jedes Jahr in einer Bucht mitten in einem Naturschutzpark im Süden Japans stattfindet. Von September bis März färbt sich dort das Wasser des Pazifiks mit mörderischer Regelmäßigkeit blutrot. Immer dann, wenn Dutzende Fischer mit Messern, Eisenhaken und Lanzen auf Delfine eindreschen, die sie in der Bucht nahe dem Dorf Taiji zusammengetrieben haben. Allein hier sterben jährlich mehr als 2000 Tümmler, in ganz Japan sind es bis zu 20 000 Tiere. Nur die Schönsten werden gefangen und für etwa 150 000 Euro an Delfinarien auf der ganzen Welt verscherbelt. Das Fleisch der getöteten Meeressäuger landet im Supermarkt. Allerdings bemerkt O'Barry, dass weniger als ein Prozent der Japaner tatsächlich Delfin aus der Dose isst. In dem Fischerdorf Taiji ist die Verwendung des Fleisches für Schulspeisungen sogar seit zwei Jahren verboten. Grund ist der hohe Quecksilbergehalt. Trotzdem wird die Tötung der Delfine nicht verboten - schließlich handelt es sich um eine 400 Jahre alte Tradition.

Entsprechend wenig erfreut zeigte man sich über den Besuch von O'Barry, als dieser 2005 begann, das Massaker zu filmen. Zusammen mit dem Regisseur Louie Psihoyos (52) versuchte er, in das streng abgeschirmte Gebiet vorzudringen. Der Bürgermeister erklärte: "Sie könnten getötet werden." Aus der Dokumentation wurde so ein Thriller. Ein Spezialteam aus Kletterern, Extremtauchern und Effektspezialisten installierte in Nacht-und-Nebel-Aktionen rund um die Bucht versteckte Kameras und Mikrofone. Nur so war es möglich, das ganze Ausmaß des Massakers zu dokumentieren. Der Film, der bereits bei verschiedenen Festivals ausgezeichnet wurde, zeigt schonungslos, wie die Tiere so verletzt werden, dass sie langsam ausbluten. Die schockierenden Bilder sollen aufrütteln. O'Barry: "Solange Taiji auf dem Radar der Weltöffentlichkeit bleibt, werden wir das Schlachten der Delfine verhindern."

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