Wer hatte was mit Karen?

Dänin lockt mit One-Night-Stands

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Karolin Jacquemain

Dänen lügen nicht? Seit kurzem soll die blonde Karen mit einer fingierten Suche nach dem Vater ihres Babys mehr Touristen in ihr Land locken.

Hamburg. Wenn man klein ist, muss man sich etwas einfallen lassen, das gilt für Menschen genauso wie für Länder. "Hier passiert nie etwas" - mit diesem Slogan versuchte vor einiger Zeit das spanische Zwölf-Einwohner-Dorf Miravete auf sich aufmerksam zu machen.Netter Versuch, der uns gleich ein wenig spanisch vorkam. Wir jedenfalls wundern uns nicht, dass es diesen Sommer erneut keinen Besucheransturm auf Miravete gab. Langweilen können wir uns schließlich auch zu Hause.

Aber jetzt: das ach so kleine Dänemark! Kommt daher mit einer Suchanzeige im World Wide Web, die - Blond, Busen, Baby - mitten ins Herz (oder bei Männern etwas tiefer) trifft: "Hi, mein Name ist Karen, und das hier ist mein Sohn August. Ich weiß nicht, aus welchem Land du warst, an deinen Namen erinnere ich mich nicht, aber wir hatten Sex."

Das ist nun eindeutig ein anderer Schnack als die Rote-Holzhäuschen-Romantik, für die wir die Dänen sonst so schätzen. Knapp eine Million Menschen klickten das Video bei YouTube an, die Männer sahen sich vermutlich schon mit Sohn August in Legoland Burgen bauen und mit Mutter Karen an einem Geschwisterchen für August basteln. Nun stellt sich heraus - alles nur eine Marketingaktion der Tourismusbehörde Visit Denmark!, die haferflockengesunde Karen eine Schauspielerin. Freie Gesellschaft, unkonventionelle Frauen - damit wollte man Touristen locken (was für welche, das ist nun wirklich nicht unser Problem). Stattdessen herrscht Empörung. Nicht nur bei der Legoland-Fraktion.

Dänen lügen nicht? Das glaubt außer Otto Waalkes wohl niemand mehr. Dass die Bewohner Skandinaviens ein Talent dafür haben, sich mit geringem Aufwand ins Gespräch zu bringen, haben sie ja erst vor drei Jahren gezeigt: Ein paar Mohammed-Karikaturen reichten aus, um den bislang unbekannten dänischen Humor mit einem Schlag in der ganzen Welt berühmt zu machen und ein paar arabische Länder an den Rand des Bürgerkriegs zu schubsen. Auch jetzt muss man wieder den Helm vor dem regen Wikingervölkchen ziehen: kleiner Aufwand, große Wirkung. Mission Dänemark 3.0 erfüllt.

Die Satire lies nicht lange auf sich warten