16,8 Millionen Euro Schulden

Starfotografin Leibovitz kämpft weiter gegen Ruin

Die Frist für die Rückzahlung ihres Kredits ist verstrichen. Annie Leibovitz droht noch immer der Verlust ihres Vermögens und der Rechte an ihrem Werk.

New York. Die amerikanische Starfotografin Annie Leibovitz kämpft weiter gegen den Bankrott. Eine Frist bis zum Dienstag, bis zu der sie einen Kredit von 24 Millionen Dollar (16,8 Millionen Euro) hätte zurückzahlen müssen, verstrich ohne eine Lösung. Der Kreditgeber, das New Yorker Unternehmen Art Capital Group (ACG), hat die Künstlerin im Juli wegen Vertragsbruchs verklagt. Ohne die Rückzahlung ihrer Schulden droht Leibovitz die Rechte an ihren Bildern zu verlieren. Ihr gesamtes Lebenswerk steht auf dem Spiel.

Sprecher der Fotografin und von ACG betonten am Dienstag, man suche weiter nach einer Lösung. Das Unternehmen betonte, man habe eindeutige Vertragsrechte und werde diese in jedem Fall schützen. Zwar hatten ihre Anwälte in der vergangenen Woche noch einen Zeitvorteil erwirkt, berichtete die „Los Angeles Times“ am Samstag. Dieser bezieht sich jedoch nicht auf die Zahlungsfrist, sondern ein Verfahren am Obersten Gerichtshof des Staates New York. Er gibt Leibovitz jetzt noch vier Wochen, um auf eine Klage des Gläubigers zu antworten. Der Zeitung zufolge muss die Künstlerin am 2. Oktober vor Gericht erscheinen. Am gleichen Tag wird sie 60 Jahre alt.

Art Capital beschuldigt die Fotografin, den 2008 getroffenen Vereinbarungen „wissentlich, willentlich und schamlos“ zuwider zu handeln. Leibovitz war im vergangenen Jahr in Geldnot geraten und hatte einen Kredit von zunächst 22 Millionen und kurz darauf von weiteren zwei Millionen Dollar aufgenommen. Ihr Gläubiger bekam dafür die Rechte an ihrem Landhaus in Rhinebeck (Bundesstaat New York), an drei denkmalgeschützten Stadthäusern in Manhattan und all ihren Fotos. Leibovitz verpflichtete sich, bis zur Rückzahlung alle Geschäfte von Art Capital abzuwickeln, bediente sich inzwischen aber einer anderen Agentur.

Die Fotokünstlerin war 1971 durch eine Aufnahme von John Lennon auf der Titelseite des „Rolling Stone“-Magazins bekanntgeworden. Sie schoss Fotos von Bob Dylan, Bob Marley und Patti Smith, präsentierte die hochschwangere Demi Moore nackt der Öffentlichkeit und fotografierte John Lennon unbekleidet in liebevoller Umarmung mit seiner (bekleideten) Frau Yoko Ono – wenige Stunden vor seiner Ermordung. Whoopi Goldberg ließ sich in einer Badewanne voll Milch ablichten und Leonardo DiCaprio mit einem Schwan um den Hals. Nur ein „Model“ lehnte ab: Der damalige US-Präsident Bill Clinton ließ sich von Leibovitz nicht mit Zigarre im Oval Office fotografieren.

Es ist nicht unüblich für Künstler, ihre Arbeit gegen Bargeld auszuleihen oder herzugeben, schrieb die Zeitung. Michael Jackson erwarb die Rechte an Beatles-Songs von John Lennon und Paul McCarthy und ließ sich Kredite dafür geben. Ebenso strich David Bowie 1997 Bargeld in Höhe von 55 Millionen für alte Titel ein. Laut „Laut Angeles Times“ ging die Abmachung zwischen Leibovitz und Art Capital insofern weit über bisherige Deals hinaus, weil sie auch künftige Arbeiten einschließt. (AP/dpa)