"Aids ist ein Massenmörder"

Deutsche Aids-Hilfe fordert Stopp der Hitler-Kampagne

Eine neue Kampagne gegen die Ausbreitung von Aids wird heftig und kontrovers diskutiert, noch bevor sie überhaupt offiziell gestartet ist.

Hamburg. Die Deutsche Aids-Hilfe hat den sofortigen Stopp der umstrittenen Kampagne „Aids ist ein Massenmörder“ gefordert. In einem Video-Spot der Kampagne, die die Hamburger Werbeagentur das comitee zusammen mit dem Verein Regenbogen (Saarbrücken) konzipiert hat, ist ein Adolf-Hitler-Imitator beim Sex mit einer jungen Frau zu sehen. „Die Deutsche AIDS-Hilfe verurteilt den Spot auf das Schärfste“, sagte Carsten Schatz von der Deutschen Aids-Hilfe am Dienstag in Berlin. „Dieser widerliche Spot mit einem Adolf-Hitler-Imitator verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus und setzt HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich.“

Das äußerst provozierende Video setze auf dumpfe Angst. „Diese Kampagne schadet der HIV-Prävention, sie hat keine Botschaft, wie man sich vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützen kann“, sagte Schatz. Er forderte die Medien und Kinobetreiber auf, diese Kampagne nicht auszustrahlen. „Unser Appell geht auch an die Gesundheitspolitiker, sich von dieser Kampagne zu distanzieren. Dem Verein Regenbogen sollte die Gemeinnützigkeit aberkannt werden, da es hier offensichtlich um Panikmache auf dem Rücken von Menschen mit HIV und Aids geht“, sagte Schatz. Die Aids-Hilfe prüfe auch rechtliche Schritte gegen den Verein.

„Wir wollen dem Virus ein Gesicht geben und nicht den Menschen, die HIV-positiv sind“, sagte der Vorsitzende des Vereins Regenbogen, Jan Schwertner. Durch die mediale Reizüberflutung müssten die privaten Aids-Kampagnen zu provokanteren Mitteln greifen, um auf die Bedrohung durch Aids aufmerksam zu machen. „Wir sind nicht der Meinung, dass wir die Menschen mit HIV damit angegriffen haben“, sagte Schwertner. Er wolle die Kampagne nicht zurückziehen. „Im Moment sehe ich mich nicht dazu gezwungen.“

Auch die Deutsche Aids-Stiftung verurteilt die visuelle Umsetzung der Kampagne. „Wer HIV-positive Menschen diskriminiert und die große Mehrheit der Bevölkerung verunsichert, gefährdet den bisherigen Erfolg der deutschen Präventionskampagnen“, sagte Ulrich Heide vom Vorstand der Stiftung. Notwendig seien Spots, die über den Schutz vor HIV aufklären und für Solidarität mit den Betroffenen werben. (dpa)