TV-Bekenntnis: Maximilian liegt im Wachkoma

Liedermacher Reinhard Mey bangt um seinen Sohn

Der 27-Jährige brach im März plötzlich bewusstlos zusammen und liegt seitdem im Wachkoma. Die Ärzte wissen nicht, ob er wieder aufwacht.

Hamburg. Wie schwer muss es sein, nach außen sein Gesicht zu wahren, obwohl tiefe Sorgen einen drücken: Reinhard Mey schien der erfolgreiche Musiker zu sein, der wohlhabend und glücklich in Berlin und auf Sylt lebt. Jetzt hat der 66-jährige Liedermacher ein schreckliches Geheimnis gelüftet. Sein Sohn Maximilian Mey liegt seit dem 13. März dieses Jahres im Wachkoma. Dies berichtet Reinhard Mey erstmals in der ARD-Talksendung "Beckmann". Sie wird heute um 22.45 Uhr ausgestrahlt.

Zunächst reagierten Mey und seine Frau Hella Hennies wie viele Eltern, die in eine solch tragische Situation geraten. Sie wollten ihr Schicksal nicht mit Bekannten, Nachbarn oder gar der Öffentlichkeit teilen. Es gelang ihnen, sechs lange Monate Stillschweigen zu bewahren. Reinhard Mey musste fröhlich sein, obwohl ihm manchmal zum Heulen zumute war. Kein Wunder, dass der sensible Künstler diese Scharade, den Umstand, nicht über ein Ereignis sprechen zu können, "das die Familie in ihren Grundfesten erschüttert und das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt", immer mehr als eine "drückende Last" empfand.

Der Sänger entschloss sich ganz bewusst, die Öffentlichkeit zu informieren. "Ich möchte mich nicht mehr verstecken, wenn ich Bekannte aus dem Ort an der Tankstelle oder im Supermarkt treffe, damit sie mich nicht auf die Familie ansprechen und fragen können, wie es mir geht. Ich möchte nicht lügen und sagen, es geht mir fabelhaft. Ich möchte es ihnen aber auch nicht zwischen zwei Supermarktregalen erzählen", sagt Reinhard Mey bei "Beckmann". Die Sendung wurde vorab aufgezeichnet.

Der 13. März war ein Freitag - nach dem Aberglauben ein Unglückstag. Für die Familie Mey war er ein Tag, wie er kaum schlimmer sein kann. Reinhard Mey berichtet, dass sein 27-jähriger Sohn Maximilian aus seiner zweiten Ehe plötzlich bewusstlos zusammengebrochen sei. Die Freundin des Sohnes habe daraufhin sofort den Notarzt alarmiert. Der habe nach dem Eintreffen einen Herz- und Atemstillstand festgestellt und den 27-Jährigen sofort intubiert und reanimiert. "Es hat sich herausgestellt, dass er eine schwere Lungenentzündung mit drei unterschiedlichen Keimen hatte." Die Ärzte, sagt Mey, hätten auf der Intensivstation "alle möglichen Untersuchungen auf der Suche nach der Ursache durchgeführt: Sie haben geprüft, ob irgendwelche Schadstoffe, Drogen, Alkohol oder irgend so etwas im Spiel gewesen sein könnte, aber es waren null Drogen, null Alkohol". Heute, sechs Monate später, weiß niemand, wie es weitergehen wird. Eine Prognose über die weitere gesundheitliche Entwicklung, sagt der Vater, könnten die Ärzte nicht geben. Derzeit befindet sich sein Sohn in einer Pflegeeinrichtung. "Wir können nur unser Bestes tun. Therapie, Therapie, Therapie - ihm alle Möglichkeiten anbieten, ihn aus diesem Dunkel wieder rauszulocken."

Reinhard Mey: "Wir müssen mit dieser schweren Situation leben, und wir müssen vor allem versuchen, sie zu meistern. Das heißt, wir müssen unseren Alltag meistern - und das bedeutet, dass wir die Karten auf den Tisch legen müssen." Fragen von Journalisten will er dennoch nicht beantworten.

Der Hobbypilot Reinhard Mey hat drei Kinder. Sohn Frederik (32) stammt aus seiner ersten Ehe mit Christine Mey. Das Paar ist seit 1976 geschieden. 1977 heiratet der manchmal recht unbequeme Künstler die heute 62-jährige Hella Hennies. Mit ihr hat er neben Maximilian Tochter Victoria-Luise (23).