Berliner Zoodirektor wurde Finger wieder angenäht

Vom Affen gebissen - darunter litt schon der große Grzimek

Seinen Mitarbeitern predigt er immer, dass sie Abstand zu den Tieren halten sollen. Jetzt wurde der Berliner Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz (55) selbst vom Affen gebissen. Der rechte Zeigefinger war glatt ab.

Berlin/Hamburg

In einer achtstündigen Operation wurde er dem Tierparkchef zwar wieder angenäht, dennoch droht eine Amputation.

Andreas Eisenschenk, Chefarzt der Abteilung Hand- und Mikrochirurgie am Unfallkrankenhaus Marzahn: "Der Eingriff ist technisch gelungen, allerdings zeigen sich an den Nahtstellen Rötungen." Ein Zeichen dafür, dass sich die Wunde entzündet habe. Der Unfall hatte sich, wie berichtet, am Montag ereignet, als Blaszkiewitz versuchte, bei einem Rundgang das Schimpansen-Männchen Pedro durch die Gitterstäbe mit Walnüssen zu füttern. Die Chance, einen Finger wieder anzubringen, liege nur bei zehn bis 20 Prozent, erklärte Eisenschenk. Auch wenn die Operation gelinge, bestehe die Gefahr einer Infektion durch tierische Keime. Blaszkiewitz wird mit Antibiotika behandelt.

Die Tierrechtsorganisation PETA erklärte, der Direktor habe den Unfall "durch eine Handfütterung ohne Vorsichtsmaßnahmen" selbst verschuldet. PETA nannte Blaszkiewitz eine Gefahr für beide Berliner Zoos. Seit seinem Amtsantritt 1991 sei es zu einer Häufung von Unfällen gekommen PETA forderte seinen Rücktritt. Blaszkiewitz war es auch gewesen, der den inzwischen verstorbenen Tierpfleger Thomas Dörflein (* 46) gerügt hatte, weil er seinen "Ziehsohn" - den Eisbären Knut - weiterhin öffentlich geknuddelt hatte. Inzwischen verschoben die "Freunde Hauptstadtzoos" die für heute geplante Auftaktveranstaltung zum Jubiläum "165 Jahre Zoo Berlin". Chef Thomas Ziolko: "Blaszkiewitz hat sicherlich unvorsichtig gehandelt, aber ein Rücktritt kommt nicht infrage."

Der Vorfall im Berliner Zoo ist nicht der erste Unfall mit einem Menschenaffen. Immer wieder kommt es bei der Haltung der intelligenten und oftmals schnell aufbrausenden Tiere (als solche gelten besonders die Schimpansen) zu Verletzungen der Pfleger. Bereits der bekannte Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek (1909-1987) wurde, nur zwei Monate nach seiner Amtseinführung, von Schimpanse Moritz im Juli 1945 in den Mittelfinger der rechten Hand gebissen. Eine Amputation konnte verhindert werden, jedoch blieb der Finger zeitlebens steif. Grzimek, dessen einziger Unfall dieser mit einem Zootier in 29 Jahren blieb, erklärte später, dass er sich mit dem Schimpansen angefreundet und ihm immer die Hand durchs Gitter gestreckt habe. Nur als der Direktor an diesem Tag mit einem Tross Menschen unterwegs war, regte das den Affen sehr auf - was Grzimek zu spät bemerkte.

Auch der Revierleiter im Menschenaffenhaus des Zoos in Hannover büßte vor Jahren einige Finger durch einen Schimpansenbiss ein. Für Notfälle halten einige Zoos in ihren Affenhäusern Feuerlöscher bereit - nicht zu Brandbekämpfung, sondern zur Abwehr von Tieren.