Dekalog: Wie halten wir es denn damit?

Müntefering und die Zehn Gebote

Vergangene Woche hat Gerhard Schröder, der Ex von Franz Müntefering, seinem einstigen Knappen beim Streit über das verlängerte Arbeitslosengeld kräftig eine vor den Latz geknallt: Die Agenda 2010 sei keine Zehn Gebote, und Münte sei kein Moses. Da war ich doch sehr erschrocken. Nicht darüber, ob der Altkanzler seinen Ehemaligen in aller Öffentlichkeit in den Hintern tritt oder sich selbst ins Knie schießt. Das sollen die doch unter sich ausmachen.

Sondern ich dachte, um Gottes willen, was weißt du über den Dekalog, die Zehn Gebote? Und wie hältst du es damit? Die sogenannte Gretchenfrage. Das war am Berg Sinai, beim Exodus aus Ägypten (2. Buch Moses), als Moses seinem Volk die Gesetztafeln mit den Zehn Geboten herunterbrachte.

Unruhig überlegte ich: Gegen welches Gebot verstoßen ich und mein Bäcker jeden Sonntag? Ich schlug nach. Nein, nicht gegen das Rauchverbot, sondern gegen das Dritte, gegen Du sollst den Sabbat heiligen. Und gegen welches hat James Bond sogar eine königliche Lizenz? Das schwierigste Gebot allerdings ist das 6., dem das 9. vorangeht oder folgt, je nachdem. Es geht um Begehren und Brechen auf Biegen und Brechen. Mancher könnte, wenn er wollte, davon ein Lied singen. Und Sarkozy oder Schröder und Hartz und Verheugen und Seehofer und et cetera haben es auch lauthals gesungen.

Deshalb gibt es die unfromme Legende, dass Moses, als er herabstieg, dem Volk Israel verkündete, er habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute, er habe IHN auf zehn Gebote herunterhandeln können. Die schlechte: ER habe aber auf dem sechsten Gebot bestanden.

In Hollywood, zur Zeit der Bibelverfilmungen, grassierte eine andere Legende über die Gebote und die daraus resultierende Sittenlehre. Am Himmel steht eine kilometerlange Schlange. Da werden die weißen und die schwarzen Schafe geschieden. Plötzlich sehen die am Ende Stehenden, wie vorne Jubel ausbricht. Wildfremde Menschen hüpfen in die Luft, werfen die Hüte hoch und umarmen einander, bis es sich wie ein Lauffeuer verbreitet: Sex doesn't count! (Seitensprung zählt nicht).

Da wollen wir auch nicht päpstlicher sein als der Papst und den alten Moralzausel Münte bei Merkel lassen.