"Schlapphut"-Bande zerschlagen

Bankraub: Größte Serie seit 1945 aufgeklärt

POTSDAM. Die Polizei gab ihr den harmlos klingenden Namen "Tätergruppe Schlapphut". Doch die deutsch-polnische Bande ging äußerst brutal auf ihre Raubzüge. Jetzt ist die größte Serie von Bank- und Geldtransporterüberfällen in der Nachkriegsgeschichte aufgeklärt.

Der Bande seien 52 Überfälle und 50 weitere Verbrechen seit 2002 nachgewiesen worden, sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Die Beute: 3,6 Millionen Euro. Der Minister: "Keine Bande zuvor hat in so kurzer Zeit so viele Überfälle auf Banken und Sparkassen begangen." Bei ihren Taten in Ostdeutschland sowie Niedersachsen und Hessen waren die Räuber stets bewaffnet. Schönbohm: "Sobald sie protzig und verschwenderisch die Beute ausgegeben hatten, versetzten sie wieder Bankangestellte in Angst und Schrecken." Zwei Verdächtigen wird auch versuchter Mord vorgeworfen. Im August 2005 hatten sie in Göttingen eine Volksbank überfallen. Auf ihrer Flucht raubten sie einem Mann das Auto, schossen ihn dabei an und verletzten ihn schwer. Drei deutsche und zwei polnische Mitglieder der achtköpfigen Bande sitzen bereits seit August 2005 in Haft, nach drei weiteren wird noch gefahndet. Immer wieder hatten die Räuber auch Polizisten überwältigt. Im nordbrandenburgischen Freyenstein beschossen sie im April 2004 einen Polizeiwagen, der sie verfolgte, mit Maschinenpistolen und entwaffneten die Beamten. In Eiche bei Berlin feuerten die Räuber auf einen Geldtransporter und verletzten einen der Fahrer mit einem Elektroschockgerät. Zwei Polen konnte die Polizei schon kurz nach dem Mordversuch in Göttingen festnehmen, zwei Deutsche im selben Monat bei einem Überfall in Thüringen. Gegen diese beiden beginnt im Februar der Prozeß.