Plädoyers im Kindersex-Prozeß gegen den Popstar. Jetzt entscheiden die Geschworenen.

Los Angeles. "Ich bin o.k. Ich bin o.k." Er wirkte noch zerbrechlicher als sonst, als er das Gericht von Santa Maria (Kalifornien) verließ - die Angst des Michael Jackson (46).

Stumm und mit starrem Blick hatte er zuvor verfolgt, wie Anklage und Verteidigung ihr finales Wortgefecht um den angeblichen Kindesmißbrauch des Popstars austrugen. Jetzt liegt sein Schicksal in den Händen der zwölf Geschworenen (acht Frauen, vier Männer). Sie müssen entscheiden: Ist Michael Jackson ein skrupelloser Sextäter oder ein träumerischer Peter Pan, der von einer skrupellosen Familie zerstört werden soll?

Tom Sneddons stellvertretender Staatsanwalt Ron Zonen porträtierte den einstigen King of Pop als Monster. "Am Tage spielten die Kinder auf der Neverland Ranch. Sie fuhren Achterbahn und Go-Karts, gingen in den Zoo, bekamen, was immer sie wollten: Bonbons, Eiscreme, Coca Cola", schilderte der Ankläger die Vorgänge auf Jacksons Anwesen.

Dann fuhr er eindringlich fort: "Doch nachts betraten sie die Welt des Verbotenen. Michael Jacksons Schlafzimmer war wie eine geheime Festung mit Schlössern und Codes. Sie lernten Sex von jemanden, der nur zu bereit war, ihr Lehrer zu sein." Der Ankläger legte den Geschworenen Pornohefte und Bilder von nackten Knaben vor, die bei Jackson gefunden worden waren.

Zonen sprach schnell und abgehackt. Sein Boss Tom Sneddon überließ ihm den Vortritt für das Schlußplädoyer, weil der Prozeß gezeigt hat, daß die Jury auf Sneddon, der seit zehn Jahren eine Hexenjagd gegen Jackson veranstaltet, negativ reagiert.

Zonen: "Der Löwe in der Serengeti macht sich nicht über die schnellste Antilope her. Der Räuber sucht sich stets das schwächste Tier aus. In diesem Fall war es ein krebskranker Junge."

Jackos Anwalt Thomas Mesereau konterte: "Die ganze Anklage ist ein gemeiner und barbarischer Versuch, Mr. Jackson zu verteufeln. Die Staatsanwälte konnten ihn mit Schmutz bewerfen, weil er menschlich ist. Doch sie konnten ihre Anschuldigungen nicht beweisen." Der Verteidiger: "Michael Jackson ist ein naives und kindliches Genie, das leicht den falschen Leuten sein Vertrauen schenkte." Und der Anwalt stellte Gavin Arvizo (heute 15) und seine Familie als Betrüger dar, die immer wieder für Geld gelogen hätten.

"Der Junge und sein Bruder sind zwei gerissene Jugendliche, die in den Straßen von L. A. aufwuchsen. Sie sind von ihren Eltern trainiert worden, um Geld aus Prominenten zu pressen. Sie haben ihre eigenen Nacktmagazine mit auf die Neverland Ranch gebracht und sich in Mr. Jacksons Weinkeller geschlichen. Die Staatsanwaltschaft schildert sie als unschuldige Lämmer, die von Michael Jackson gefügig gemacht wurden. Doch das ist Unsinn."

Er mahnte die Geschworenen: "Sie müssen sich fragen, ob Sie dieser Familie all ihre Geschichten über jeden Zweifel hinaus glauben. Wenn nicht, dann müssen Sie Michael Jackson freisprechen. Das ist das Gesetz."

Die Geschworenen müssen zu einem einstimmigen Urteil kommen. Stimmt nur einer mit "nicht schuldig", ist der Prozeß geplatzt.