Kaufmann-Prozeß: "Diese Frau war für mich die Größte"

Augsburg. Ein Schauspieler legt ein falsches Geständnis ab und wird wegen Mordes an seinem Steuerberater zu 15 Jahren Haft verurteilt. Erst als die wahren Täter gefaßt werden, kommt er nach 33 Monaten frei - und muß sich ein Jahr später einem neuen Prozeß stellen. Der Fall Günther Kaufmann (57).

Filmreif wie der gesamte Fall des Fassbinder-Stars ("Die Ehe der Maria Braun") war vor dem Landgericht Augsburg auch gestern sein Auftritt im Wiederaufnahmeverfahren. Nicht nur, als er sich schluchzend bei zwei unbeteiligten Freunden entschuldigt, die er bei seinem falschen Geständnis als Komplizen bezeichnete: "Das verzeihe ich mir in meinem Leben nicht." Mit großer Geste wischt er eine Träne aus dem rechten Auge.

Spätestens seit der Verurteilung dreier vorbestrafter Krimineller aus Berlin ist klar, daß nicht Kaufmann den Münchner Steuerberater Hartmut H. (» 60) tötete. Offen blieb bisher, ob der Schauspieler daran beteiligt war. Das verurteilte Trio gab an, Kaufmanns inzwischen verstorbene Frau Alexandra (» 39) habe sie für den Überfall angeheuert, bei dem das Opfer erstickte.

Auch der Schauspieler schiebt alle Schuld seiner Frau zu. Im Mittelpunkt steht ein frei erfundener Schadenersatzprozeß gegen Rocksänger Billy Idol (49) in den USA. Mit der angeblichen Aussicht auf Millionensummen nach einem geplatzten Immobilien-Deal habe sie nach ihrer Knochenkrebserkrankung an Geld für teure Naturheilmittel kommen wollen. Alexandra habe ihn "von Anfang an betrogen" und fünfstellige Summen für "Gerichtskosten" abgeschwatzt, sagt Kaufmann. Von Hartmut H. lieh sich das Paar weitere 475 000 Euro. Dies war für die Staatsanwaltschaft im ersten Prozeß das Mordmotiv.

Jetzt erklärt Kaufmann sein Geständnis so: Er habe seine Frau vor Verhören schützen wollen. "Die ist todkrank, das überlebt die nicht", habe er gedacht. "Diese Frau war für mich die Größte."