In der Zelle erhängt

DDR-Musiker Demmler: Suizid nach Kindesmissbrauch-Anklage

In der DDR machte er als Liedermacher Karriere, dann kam er wegen sexuellen Missbrauchs in mehr als 200 Fällen ins Gefängnis. Kurz vor der Fortsetzung seines Prozesses setzte er nun seinem Leben ein Ende, die Wärter fanden ihn heute Morgen tot in seiner Zelle.

Berlin. Der ostdeutsche Liedermacher Kurt Demmler ist tot. Der DDR-Nationalpreisträger nahm sich in seiner Gefängniszelle das Leben, Einzelheiten zu den Todesumständen sind noch nicht bekannt. Ein Sprecher der Justizverwaltung Berlin hatte den Suizid bestätigt. Der 65-Jährige war in mehr als 200 Fällen wegen sexuellen Missbrauchs von sechs Mädchen angeklagt, der Prozess sollte heute fortgesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft warf Demmler vor, dass er sich von August 1995 bis November 1999 an sechs Schülerinnen im Alter von 10 bis 14 Jahren vergangen haben soll. Der Liedermacher hatte den Mädchen erzählt, er suche neue Talente für eine Band und hatte sie auf diese Weise zu einem versprochenen Casting in seine Wohnung gelockt. Im Prozess wollte der 65-Jährige sich dazu jedoch nicht äußern.

Demmler war vor alle durch seine ostdeutschen Rocktexte für Nina Hagen ("Du hast den Farbfilm vergessen"), für Karat und die Puhdys bekannt geworden, die er für die Bands geschrieben hatte. Zudem war er in der DDR auch politisch aktiv. Er gehörte zu den Unterzeichnern einer Resolution, mit der Rockmusiker im Herbst 1989 Veränderungen in der damaligen DDR forderten. Am 4. November 1989 war Demmler auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin bei der Massendemonstration gegen das SED-Regime aufgetreten.