Fährunglück in New York: Kapitän wollte Selbstmord begehen

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Michael Remke

New York. Es waren Bilder des Grauens: Leichen unter Stahl- und Holzbalken. Schwerverletzte, eingeklemmt unter Trümmern. "Ich werde diesen Anblick nie vergessen", sagt Sean Johnson (28), ein Passagier und Zeuge das Fährunglücks von New York. "Es war wie aus einem dieser Horrorfilme." Zehn Tote und 42 Verletzte hat die größte Fährkatastrophe der vergangenen 30 Jahre in New York gefordert. Bürgermeister Michael Bloomberg sprach von einer "schrecklichen Tragödie". Kapitän Richard J. Smith, der die "Andrew J. Barberi" manövrierte, soll das Bewusstsein verloren haben oder womöglich eingeschlafen sein. Es wird untersucht, ob er unter Drogen-, Alkohol- oder Medikamenteneinfluss stand. Der 53-jährige Familienvater, der auf Staten Island lebt, floh nach dem Unglück, schnitt sich in seinem Badezimmer die Pulsadern auf und schoss sich in die Brust. Sein Zustand war gestern noch kritisch. Die Staten-Island-Fähre war zu Beginn der New Yorker Rush Hour um 15:20 Uhr (Ortszeit) von Manhattan zur Nachbarinsel Staten Island mit voller Fahrt gegen die Kaimauer geprallt. Die Befestigungsanlagen schlitzten das 93 Meter lange Schiff auf. Holzbalken am Ufer bohrten sich wie Speere in die mit 1500 Passagieren vollbesetzte Fähre, töteten eine Frau und neun Männer. Die Opfer im Alter von 25 und 52 Jahren fanden die Rettungsmannschaften bis auf eines auf der völlig zerstörten Steuerbordseite. Ein Mann wurde von Bord geschleudert und lag im Wasser. Augenzeugen berichteten, dass Smith kurz vor dem Anlegen aufgeschreckt sei. In Panik habe er Vollgas gegeben. "Die Fähre schoss in voller Fahrt auf die Anlage zu", sagt Evan Robinson. Die Fähre pendelte fast pausenlos zwischen Manhattan und Staten Island, beförderte täglich insgesamt 70 000 Passagiere.