Im Schneckentempo ins Museum - die letzte Reise einer Concorde

Eine von der Air France ausgemusterte Maschine hat gestern ihre letzte Ruhestätte in Deutschland erreicht

Sinsheim. Früher flog sie mit doppelter Schallgeschwindigkeit über den Atlantik, jetzt rollte die Königin der Lüfte im Schneckentempo ins Museum. Der Transport der Concorde ins Technikmuseum Sinsheim (Baden-Württemberg) kostete 1,5 Millionen Euro. Die letzte Reise der Concorde mit dem Kennzeichen F-BVFB begann am Freitag. Vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden ging es über den Rhein und mehrere gesperrte Autobahnen. Die größte Herausforderung: Trotz Demontage der Flügelspitzen war die Concorde 14,45 Meter breit. So wurde sie auf einen Tieflader aufgebockt und festgezurrt. Hunderte von Polizisten sicherten die Strecke, an der selbst nachts viele Schaulustige das schnellste Zivilflugzeug der Welt mit begeisterten Rufen und Applaus feierten. Vorausfahrende Techniker mussten immer wieder Hinweis- und Verkehrsschilder entfernen und Leitplanken abmontieren. Gleich die erste Autobahnbrücke war 20 Zentimeter zu niedrig. Erst als ein Balken unter dem Flugzeug entfernt wurde, konnte die Maschine in Schräglage durchfahren. Spediteur Heinz Rössler: "Weil aber andere Dinge besser liefen als geplant, sind wir doch pünktlich angekommen." Zwei Spezialkräne hoben den Jet von der Autobahn direkt auf das Museumsgelände. Museumsleiter Hermann Layher: "Ich bin total happy, wie berauscht." Die Concorde, die seit 1976 genau 14 771 Flugstunden absolvierte, soll neben ihrer Überschallkonkurrenz aus Russland, einer Tupolew 144, auf dem Hallendach aufgestellt werden. Ostern 2004 soll auch die Kabine für Besucher geöffnet werden. Die übrigen vier Jets, die die Air France als Folge der Concorde-Katastrophe vom Juli 2000 (113 Tote) außer Dienst stellte, sollen in Le Bourget, auf dem Flughafen Charles de Gaulle, in Toulouse und Washington ausgestellt werden. British Airways mustert ihre vier Überschalljets erst Ende Oktober aus.

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