Nazi-Mord an Marinus (16) in Potzlow: Zeugen gingen nicht zur Polizei

Neuruppin. Beschimpft, gefoltert, totgetreten. Der 16 Jahre alte Marinus aus Potzlow (Brandenburg) musste sterben, weil er "links" aussah. Jetzt stehen die drei mutmaßlichen Neonazis Marco S. (24), sein Bruder Marcel (18) und dessen Kumpel Sebastian F. (18) wegen Mordes vor Gericht. Am Freitag kam heraus: In Potzlow haben offenbar mehrere Einwohner früh vom Tod des Schülers im Juli 2002 gewusst, ohne die Polizei zu verständigen. Erst im November wurde die skelettierte Leiche des vermissten Marinus entdeckt. Ein Lehrling (19) sagte als Zeuge vor dem Landgericht Neuruppin: "Er (einer der Angeklagten, Anm. d. Red.) hat mir erzählt, dass er einen Penner umgebracht hat und mit dem Mord herumgeprahlt." Ein weiterer Zeuge, ebenfalls Auszubildender: "Er hat das Ganze schön gefunden. Es war nicht so, als ob es ihm Leid getan hätte." Wie eine Reihe weiterer Zeugen gingen die beiden Lehrlinge aber nicht zur Polizei. Die angeklagten Brüder haben mittlerweile in schriftlichen Geständnissen eingeräumt, Marinus stundenlang gequält und dann - ähnlich wie in einer grausamen Szene des Films "American History X" - getötet zu haben. Der Dritte gab nur zu, das Opfer geschlagen zu haben. Die Angeklagten sollen den Schüler am Ende in einer Jauchegrube auf einem ehemaligen Stallgelände verscharrt haben. "Die Knochen haben rausgeguckt", berichtete eine 15-Jährige aus Potzlow am Freitag unter Tränen. Als sie damals hörte, dass die Brüder ihren Kumpel Marinus getötet haben sollen, habe sie das zunächst nicht geglaubt. "Aus Neugierde sind wir dann zum Versteck der Leiche gefahren." Einer ihrer Begleiter habe dort gebuddelt - und nach dem grausigen Fund die Polizei angerufen. Mehrere Wochen zuvor hatte einer der Angeklagten selbst einige Bekannte zu der Jauchegrube geführt. "Er hat auf den Boden gestampft, ich habe auf dem Oberkörper gestanden", gab eine 17-Jährige damals bei der Polizei zu Protokoll. Vor Gericht wollte die Zeugin, die im August 2002 mit dem älteren der Brüder in Prenzlau einen Asylbewerber überfiel und deswegen derzeit im Gefängnis sitzt, diese Aussage nicht bestätigen. Kaugummi kauend verweigert sie der Richterin immer wieder die Antwort. "Ich berufe mich auf meine bisherigen Aussagen, alles Weitere über meinen Anwalt", erklärte auch eine andere Zeugin barsch. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Urteil: frühestens am 18. Juni.