Gaultier sattelt um

Der Designer, der auch für Reitermode berühmt ist, verlässt überraschend Hermès

Paris. War es das verflixte siebte Jahr? Jean-Paul Gaultier, 58, verlässt das französische Luxusmodehaus Hermès und will sich mehr um seine eigene Marke kümmern. Das bedeutet einen Einschnitt für Hermès, dessen Image Gaultier aufgewertet hatte. Eine Damenkollektion zeigt der Designer noch, im Oktober bei den Schauen für die Mode Frühjahr/Sommer 2011.

Hermès, Traditionshaus seit 1837, zunächst Sattelmacherei und heute berühmt für seine Schals und Handtaschen, hatte den Franzosen geholt, um das etwas angestaubte Image zu modernisieren. Die Prêt-à-porter-Schauen von Hermès wurden zum Schauereignis. Gaultier machte edlen Reiterlook wieder zum Trend. Seine Reiterstiefel wurden weltweit nachgeahmt. Ihm gelang es auch, die eine Frau einzukleiden, von der viele seiner Kollegen träumten: Er entwarf das schlichte Hermès-Hochzeitskleid für Carla Bruni-Sarkozy, 41.

Gaultier, der 1976 zum ersten Mal seine Mode zeigte, galt immer als exzentrisch, als das "Enfant terrible" der Pariser Modeszene. Einst steckte er Männer in Röcke und Madonna, 51, für eine Tournee in einen unvergesslichen Spitzen-BH. Bei Hermès stellte er unter Beweis, dass er höchst edel schneidern kann, und mittlerweile ist er auch für seine eigenen luxuriösen Haute-Couture-Kollektionen bekannt.

Die überraschende Trennung von Hermès kommt kurz nach dem Tod von Jean-Louis Dumas im Alter von 72 Jahren Anfang Mai. Er hatte das Haus lange geleitet und war ein Freund Gaultiers. Sowohl Hermès als auch Gaultier ließen wissen, man habe sich im besten Einvernehmen getrennt. Der Modemacher schwärmte, die Zeit bei Hermès sei ein "wunderbares Abenteuer" gewesen: "Eine schöne Geschichte ist an ihrem Ende angelangt." Hermès lobte Gaultiers "kreativen Beitrag der vergangenen sieben Jahre". Pikant: Hermès gehören 45 Prozent an Gaultiers Unternehmen. Der will sich künftig nicht nur um sein Label kümmern, sondern angeblich auch Möbel entwerfen und er arbeitet an Kostümen für einen Film.

Hermès hat indessen schon einen Nachfolger, den Franzosen Christophe Lemaire, 44, der von der Modemarke Lacoste kommt. Im Gegensatz zu Gaultier ist Lemaire kein Showtyp, sondern ein Marketingtalent. Er arbeitete als Assistent von Christian Lacroix und bei Yves Saint Laurent, bevor er vor zehn Jahren zu Lacoste ging. Mit Sportswear-Chic belebte er die Marke neu. Mit Lemaire könnte Hermès sportlicher und vielleicht auch jünger werden.

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