Die erste Trauung durch einen Roboter

"I-Fairy" forderte das japanische Paar sogar auf, sich zu küssen

Tokio. Technik und Romantik passen zusammen wie Blutwurst und Schulkantine. Doch die roboterverrückten Japaner scheinen damit kein Problem zu haben. Im Land der aufgehenden Sonne hat jetzt erstmals ein Maschinenwesen mit künstlicher Intelligenz eine Hochzeitszeremonie geleitet. Der 1,50 Meter große sitzende "I-Fairy" betrachtete das in einem Restaurant in Tokio erschienene Brautpaar mit blitzenden Augen und erteilte präzise Anweisungen: "Bitte heben Sie jetzt den Schleier der Braut hoch", sagte der Roboter mit blecherner Stimme.

Danach küssten sich die Frischvermählten vor rund 50 Hochzeitsgästen, und "I-Fairy" schwenkte die Arme in der Luft. Gesteuert wurde der Roboter von einem Mann hinter einem schwarzen Vorhang, mit dessen Computer der Zeremonienmeister verdrahtet war.

"Das hat viel Spaß gemacht", sagte die 36 Jahre alte Braut Satoko Inoue, die beim Roboterhersteller Kokoro arbeitet. "Japaner haben ein ausgeprägtes Bewusstsein, dass Roboter unsere Freunde sind." Auch der sechs Jahre ältere Bräutigam kommt aus der Branche - Tomohiro Shibata ist Professor für Robotertechnik am Nara-Institut. Er bemängelte allerdings die Intelligenz von "I-Fairy": "Es wäre nett gewesen, wenn der Roboter ein bisschen klüger wäre." In den Ausdrucksformen sei "I-Fairy" aber schon recht weit.

Kokoro-Sprecherin Kayako Kido erklärte, dass "I-Fairy" vor allem dafür entwickelt sei, programmierte Bewegungen auszuführen und zu sprechen. Mit einem Preis von 6,3 Millionen Yen (54 500 Euro) sind zurzeit drei dieser Roboter im Einsatz - in Japan, Singapur und den USA.

Deutsche Brautpaare blieben von dieser eigenartigen Entwicklung bisher verschont. Aber wer weiß, was die Zukunft noch so bringt.