Zwangsbetreuung

Der „Fall der alten Dame“ aus Kummerfeld

Der Betreuungsskandal , vom Abendblatt aufgedeckt, fand 2006 bundesweit große Aufmerksamkeit.

Kummerfeld. Es war der „Fall der alten Dame“ aus Kummerfeld, der 2006 bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Die damals 68-jährige Thea Schädlich war auf Betreiben der Gemeinde unter Betreuung gestellt und monatelang gegen ihren Willen in einem Krankenhaus behandelt worden. Währenddessen hatte ihr Betreuer ihr Haus verkauft – an die Gemeinde, und das unter dem Verkehrswert. In ihrer Verzweiflung wandte sich die Frau an die Pinneberger Regionalausgabe des Hamburger Abendblatts.

Jetzt wurde aus dem Betreuungsskandal auch ein Ringen um die Pressefreiheit. Denn der Betreuer engagierte einen Medienanwalt und ließ es dem Abendblatt gerichtlich untersagen, Namen, Orte, Zusammenhänge oder Sonstiges zu veröffentlichen, was Beteiligte hätte identifizieren können. Deshalb war immer nur vom „Fall der alten Dame“ die Rede, und es erschienen Berichte mit vielen geschwärzten Passagen. Doch letztlich kam Thea Schädlich zu ihrem Recht.

Gerichte entschieden, dass sie neue Betreuer ihres Vertrauens bekam, der Kaufvertrag über ihr Grundstück wurde rückabgewickelt. Auch das Abendblatt erhielt schließlich recht und durfte ohne Einschränkungen über den Fall berichten. Und die Rechte Betreuter wurden schließlich in einer Gesetzesnovellierung gestärkt.