Drama in der Oberliga

„Er war schon weg“: Hamburger Amateurspieler bricht zusammen

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Berkant Aydin (22) von Concordia Hamburg ist nach einem Zusammenstoß bewusstlos zu Boden gegangen. Mitspieler retteten ihm womöglich das Leben.

Berkant Aydin (22) von Concordia Hamburg ist nach einem Zusammenstoß bewusstlos zu Boden gegangen. Mitspieler retteten ihm womöglich das Leben.

Foto: Michael Rummler / dpa

Nach einem Zusammenprall wird Berkant Aydin bewusstlos. Mitspieler retten ihm das Leben. Eine schlimme Verletzung wird aber befürchtet.

Hamburg. Drama um Berkant Aydin: Der Fußballer des Hamburger Oberligaclubs WTSV Concordia brach am Sonntag im Spiel beim USC Paloma vier Minuten vor dem Abpfiff auf dem Platz bewusstlos zusammen.

Aydin (22) war mit einem Mitspieler zusammengeprallt, musste mit dem Krankenwagen mit Verdacht auf Schädelbruch ins Krankenhaus gebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Mittelfeldspieler erfreulicherweise wieder bei Bewusstsein.

Concordia-Mitspieler retten Aydin das Leben

Mitspieler hatten ihm zuvor womöglich das Leben gerettet. Aydin hatte seine Zunge verschluckt und drohte zu ersticken. Seine Mannschaftskameraden mussten ihm mit Gewalt den Mund öffnen, um die Zunge aus dem Rachen zu holen. Aydin konnte danach wieder atmen.

„Das war sehr kritisch. Eine Minute war er vielleicht schon weg“, sagte Stefan Kohfahl, Sportlicher Berater von Concordia. Als die Sanitäter eintrafen, wurde Aydin mit Sauerstoff versorgt und ins Krankenhaus zur Untersuchung gebracht.

Spiel bei Paloma wird nicht fortgesetzt

Die knapp eine halbe Stunde unterbrochene Begegnung wurde von Schiedsrichter Kevin Rosin beim Stand von 2:2 nur noch einmal symbolisch an- und sofort wieder abgepfiffen.

Paloma verzichtete pietätvoll auf die Ausrichtung der Pressekonferenz. Auch Concordias Offizielle wollten am Sonntag keine Stellungnahme mehr über Aydins Gesundheitszustand abgeben. Diese soll in den kommenden Tagen folgen.

6:2 für das skeptische Arbeiterkind

Ein weiteres Waterloo nach dem 1:9 in Osdorf erlebte der HSV III am Sonntagmorgen im Oberligaspiel beim HEBC. Die Dritte des HSV unterlag 2:6. Die HSV-Trainer Marcus Rabenhorst und Christian Rahn verließen kommentarlos den Reinmüller-Platz. Dafür redete HSV III-Kapitän Torben Wacker: „Die letzten Wochen sind der Wahnsinn. Langsam kriege ich das Kotzen. Das ist scheiße. Keiner hat Bock auf die Abstiegsrunde. Geht es so weiter, werden wir dort aber im nächsten Jahr spielen.“

Im Gegensatz zum HEBC, der sich in einen Rausch kombinierte. Maximilian Schulz, Torschütze und zweifacher Vorbereiter, erntete von seinem Trainer Özden Kocadal bei seiner Auswechslung ein kaum zu übertreffendes Lob. „Das war dein bestes Spiel, seitdem ich hier bin“, so Kocadal. Beide sind seit 2017 im Verein. „Wenn das in all der langen Zeit mein bestes Spiel war, bin ich traurig“, scherzte Schulz hinterher. Sein Coach wollte über die Meisterrunde übrigens kein Wort verlieren. „Ich bin immer pessimistisch. Ein Arbeiterkind halt. Meine Mutter hatte drei Jobs, mein Vater war Schlosser bei Airbus. Ich bin bodenständig, also rede ich nicht über solche Ziele. Abheben ist nichts für mich“, so Kocadal.

Vicky jetzt in seriös

„Jungs, danke für diese geile Leistung!“ Mit diesen Worten bedankte sich Victorias Trainer Marius Ebbers nach dem 5:0 beim FC Süderelbe bei seinem Team. Einen ersatzgeschwächten und taktisch viel zu unbedarft hoch pressenden FC Süderelbe hatte Vicky schon in Hälfte eins mit vier Treffern auseinandergenommen und geriet nicht mehr in Gefahr. Damit wies das Team den von Ebbers geforderten Lerneffekt nach dem bitteren 2:2 gegen Osdorf, als eine 2:0-Führung verspielt wurde, nach. „Dieses Mal haben wir die Begegnung seriös runtergespielt. Wir neigten nach einer Führung zu häufig zum Schlendrian. Davon war heute nichts zu sehen“, freute sich Ebbers.

Beim FC Süderelbe hingegen coachte Trainer Stefan Arlt in der ersten Halbzeit fast durchgehend seinen rechten Außenstürmer Yassin Ferchichi-Heiß, der beim Pressing immer wieder die falschen Laufwege wählte, was Victorias rechter Innenverteidiger Mguel Gimeno Hinrichs unter anderem nutzte, um das 2:0 einzuleiten. „Yassin hat mein Coaching leider nicht angenommen. In der Pause hat er mir erklärt, dass er die Situationen auf dem Feld anders gesehen hat. So etwas kann aber passieren. Daraus wird er sicher lernen“, so Arlt.

Altona bleibt Schlusslicht

Auf Herzrasen verzichten durften dieses Mal die Fans von Altona 93. Ihre Mannschaft war Holstein Kiel II unterlegen und verlor verdient mit 0:3. Altonas Saisonfluch, viele Punkte in den Schlussminuten abzugeben, spielte absolut keine Rolle. Tim Siedschlag (28.), Jannis Voß (38.) und Niko Koulis (54.) stellten schon in den eigentlich oft so guten ersten 70 Altona-Spielminuten die Weichen auf einen klaren Auswärtssieg.

„Es war heute mal nicht so dramatisch wie in den letzten Wochen. Diese Niederlage gegen einen sportlich stärkeren Gegner kann ich hinnehmen“, sagte Altonas Trainer Andreas Bergmann. Altonas Sportchef Richard Golz machte dem Team Mut. „So schlecht fand ich unser Spiel nicht“, so Golz. „Wir haben halt durch blöde Fehler die ersten beiden Gegentore verursacht.“ Ein Hoffnungsschimmer: Nach jetzigem Stand würde Altona 93 seine fünf Zähler komplett in die Abstiegsrunde mitnehmen.

Nun mit Rakocevic

Für einen ungewöhnlichen Torwartwechsel auf Bewährung hat sich Eintracht Norderstedts Trainer Jens Martens entschieden. Nach 18 Gegentoren in zehn Hinrundenspielen ersetzte Martens vor dem Auswärtsspiel bei Phönix Lübeck Lars Huxsohl durch Stefan Rakocevic. „Lars ist nicht alleine schuld, aber wir brauchen einen neuen Impuls“, so Martens. Allerdings begrenzte Norderstedts Coach diesen sogleich.

„Vorläufig gilt diese Entscheidung für drei Spiele“, so Martens. In seinem ersten Bewährungsspiel leistete sich Rakocevic keinen Patzer, die Partie endete 1:1. „Stefan hat seine Sache gut gemacht“, lobte Martens. Trost finden könnte Huxsohl nun eben just bei seinem Konkurrenten Rakocevic. Die beiden Keeper der Eintracht sind schon seit längerer Zeit sehr gute Freunde.

( misch/dpa )