Haspa Marathon

Wie Hamburg doch noch sechs Topläufer fand

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Rainer Grünberg
Frank Thaleiser organisiert seit 2012 den Hamburger Marathon.

Frank Thaleiser organisiert seit 2012 den Hamburger Marathon.

Foto: Tay Duc Lam / WITTERS

Impfstatus, Visafragem sowie fehlende Prämien und Antrittsgelder erschwerten die Suche. Auch einige Prominente sind Sonntag am Start.

Hamburg. So ganz ohne Spitzenathletinnen und -athleten wollte Frank Thaleiser den 35. Haspa Marathon an diesem Sonntag dann doch nicht durch Hamburg laufen lassen. Schnell wurde dem Geschäftsführer der Marathon Hamburg Veranstaltungs GmbH jedoch klar, dass die ostafrikanischen Asse in diesem besonderen Jahr nicht zur Verfügung stehen. Entweder waren sie Anfang August bei den Olympischen Spielen in Tokio gestartet, hatten dadurch zu wenig Zeit zum Regenerieren, oder sie hatten für den zeitgleichen Marathon in Wien oder für das Rennen in Berlin am 26. September gemeldet. Das zweite, nicht minder schwere Problem: Bei einem von drei auf 1,3 Millionen Euro reduzierten Etat fehlte schlicht das Geld für Antrittsprämien und Preisgelder.

Thaleiser (55) und sein Team organisieren den Hamburger Marathon seit nun neun Jahren. Mit seinem Amtsantritt holten sie sich die niederländische Sportmanagementagentur Global Sports Communication aus Nijmegen ins Geschäft, die für den hiesigen Marathon die Spitzenläuferinnen und -läufer anwirbt. So auch in diesem Jahr. Die weiteren Vorgaben, dass an Elbe und Alster am Sonntag nur vollständig Geimpfte starten können, sie nicht aus einem Hochrisikogebiet kommen durften und ein gültiges Visum haben mussten, erschwerte die Suche zusätzlich, reduzierte sie letztlich auf Äthiopien und Uganda.

Einreise von drei Läuferinnen scheiterten an fehlenden Visa

Vier Frauen und fünf Männer, alles Marathon-Einsteiger, Thaleiser erwartet eine Siegerzeit von 2:10 Stunden, wurden gefunden, am Freitagvormittag landeten aber nur sechs der neun in Fuhlsbüttel: drei Äthiopier, eine Äthiopierin und zwei Ugander. Zwei von ihnen nahmen umgehend selbstständig ein Taxi zum Hotel, galten deshalb plötzlich als vermisst, was sich am Nachmittag aufklärte. Zwei Läuferinnen aus Äthiopien hatten in Addis Abeba ihre Einreisepapiere nicht rechtzeitig erhalten, die dritte wähnte sich zu Unrecht im Besitz eines Visums. Das war für sie im Frühjahr für den Schengenraum ausgestellt worden, galt aber nicht, wie vom niederländischen Management irrtümlich angenommen, für ein halbes Jahr, sondern nur einmalig.

Die Marathon GmbH übernimmt für die Afrikaner die Flugkosten, zahlt Übernachtungen und Verpflegungen, lockte zudem mit dem Versprechen, alle, die in diesem Jahr in Hamburg antreten, auch für 2022 einzuladen, wenn es dann am 24. April vermutlich wieder Prämien und Antrittsgelder zu verteilen gibt. „Wir planen für 2022 einen halbwegs normalen Marathon“, sagt Thaleiser. Diesmal durften maximal 6000 Läuferinnen und Läufer in den Disziplinen Halbmarathon (21,1 km), Marathon (42,195 km) und Viererstaffel an die Startlinie auf der Glacischaussee treten. 5157 meldeten.

Zum neunten Mal dabei ist die Elbstaffel, „eine laufbegeisterte bunte Mischung aus Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur“, wie Initiator Boris Bansemer (69) seine langjährigen prominenten Mitstreiter beschreibt. Sein Motto: „Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich!“ Diesmal schickt Bansemer zwei Quartette auf die Strecke, darunter den ehemaligen HSV-Torhüter Richard Golz und Torsten Voß, den Präsidenten des Hamburger Verfassungsschutzes. 15,7, 11,4, 5,3 und 9,7 Kilometer sind auf den unterschiedlichen Abschnitten zu laufen.

35. Haspa Marathon, Sonntag, 12. September: Start und Ziel (ohne Zuschauer): Glacischaussee am Heiligengeistfeld. Start Halbmarathon 8 Uhr; Start Marathon und Staffeln 9 Uhr. Die Strecke bleibt abschnittsweise bis 15.30 Uhr geöffnet. Infos zu Straßensperrungen unter haspa-marathon-hamburg.de/strecke/