Hamburger Pokal

Wie in Hamburg wieder Fußball vor Zuschauern gespielt wird

| Lesedauer: 4 Minuten
Mirko Schneider
Auch im Pokalviertelfinale zwischen Teutonia 05 und Regionalligist Eintracht Norderstedt durften unter Auflagen wieder Zuschauern dabei sein.

Auch im Pokalviertelfinale zwischen Teutonia 05 und Regionalligist Eintracht Norderstedt durften unter Auflagen wieder Zuschauern dabei sein.

Foto: Anne Pamperin

Die gut organisierten Viertelfinalspiele im Hamburger Lotto-Pokal machen Hoffnung auf geregelten Spielbetrieb.

Hamburg. Deran Toksöz (32) ist kein Lautsprecher. Doch nachdem der Neuzugang des TSV Sasel das hartumkämpfte Lotto-Pokal-Viertelfinale gegen den HSV Barmbek-Uhlenhorst mit seinem Strafstoß zum 5:2 nach Elfmeterschießen entschieden hat, möchte er etwas Wichtiges loswerden.

„Es tut uns allen gut, uns im Fernsehen weniger Corona anzuschauen. Das Thema nervt uns alle“, sagt der begnadete Mittelfeldtechniker. „Ich habe auch nichts gegen die Menschen, die in den Urlaub fliegen. Aber wenn das erlaubt ist, sollte auch Amateurfußball wieder erlaubt sein. Sport verbindet. Das sehen wir doch hier. Geiles, spannendes Spiel, geile Kulisse. Wir sollten wieder spielen dürfen. Ich will keinem Druck machen, aber ich würde lockern. Sonst sehe ich schwarz.“

In Toksöz’ letzten Worten liegt schließlich etwas Flehendes: „Wir alle brauchen das doch.“

Fußball in Corona-Zeiten? So geht’s

Aber sind die Hamburger Amateurfußballvereine organisatorisch in der Lage, in Zeiten des Coronavirus Fußballspiele zu organisieren, an denen die Herzen so vieler Amateursportler und Fans hängen? Das war die Frage des vergangenen Wochenendes, an dem die vier Lotto-Pokalviertelfinalpartien gespielt wurden, denen im Vorfeld Testspielcharakter für den Ligenspielbetrieb bescheinigt wurde.

In Sasel wird diese Frage am Sonnabend rundum positiv beantwortet. Alle 236 Zuschauer, bereits im Vorfeld namentlich erfasst, werden am Eingang angemessen kontrolliert und freundlich zum sofortigen Handdesinfektionsspender geleitet. Der gesperrte Parkplatz bietet ausreichend Platz für die Cateringzone, die Blöcke auf der Steintraverse sind mit blauer und pinker Kreideschrift übersichtlich markiert.

Die Fans nehmen diszipliniert ihre Sitzplätze ein, achten auf die Abstandsregeln. Viele Ordner sind im Einsatz, regeln das Betreten und Verlassen der für Spieler und Fans genau unterteilten drei Zonen. Selbst das Betreten der WC-Räume wird genauestens überwacht.

Sasel lässt BU-Fans am Zaun stehen

Dass Sasel wirklich an alles gedacht hat, zeigt sich vor Beginn der Verlängerung. Ein Mann mit einem Gartenschlauch betritt den Platz und spritzt einige der erschöpften Spieler ab. „Wassereimer durften wir nicht an den Rand stellen. Wenn da jeder reinfasst, besteht Infektionsgefahr“, sagt Sasels Fußball-Abteilungsleiter Söhren Grudzinski (45).

Zudem reagiert der Verein besonnen auf vier BU-Fans, die ohne Eintritt zu zahlen hinter dem Zaun zusehen. Er lässt sie dort stehen, da sie die Abstandsregeln wahren. „Ich bin wirklich froh, dass wir das alles gemeinsam so gut hingekriegt haben“, sagt Sasels Ligamanager Rainer Hagge (56) zum Abschluss.

Kleine Kabinen bleiben ein Corona-Rätsel

Bei der SV Halstenbek-Rellingen (2:4 gegen den SV Rugenbergen) und beim ASV Hamburg (0:4 gegen Altona 93) funktionieren die Hygieneschutzkonzepte am Sonntagnachmittag ebenfalls ohne negative Vorkommnisse. Auch der FC Teutonia 05 gibt sich am Sonntagmorgen viel Mühe bei der Partie gegen Eintracht Norderstedt (0:1) an der Kreuzkirche.

Außerhalb des von drei Straßenseiten einsehbaren Sportplatzes achten Ordner auf einige Zuschauer, die (wie in Sasel die BU-Fans) ohne Eintritt zu zahlen über den Zaun zusehen. Alle halten Abstand. Alles bleibt friedlich. Auf dem engen Sportplatz sind die Stühle der 187 Fans nummeriert und im Abstand zu­einander aufgestellt. Sogar das Catering im Clubheim klappt. Der Verkäufer ist durch eine Maske und eine eigens eingebaute Glasscheibe geschützt. Eigentlich ist alles wie in Sasel.

Doch die Genehmigung der kleinen Kabinen (geschätzt circa 12 bis 14 Qua­dratmeter) bleibt ein Rätsel. „Ich muss doch kein Experte sein, um zu sehen, dass eine Fußballmannschaft mit 25 Leuten im Kader unter diesen Bedingungen nicht in so einen Raum reinpasst“, ärgert sich Eintrachts Torschütze und Matchwinner Jan Lüneburg (29).

Teutonia: Corona-Regeln können nicht Standard werden

Die Teutonia-Verantwortlichen sehen das anders, verweisen schon im Vorfeld der Partie auf die Möglichkeit der Teams, sich mit Masken oder in Zehn-Mann-Schichten umzuziehen. „Wir hatten hohe Auflagen des Bezirksamtes Altona und des Gesundheitsamtes. Wir haben sie alle erfüllt. Die zuständigen Behörden waren auch heute hier vor Ort und waren sehr zufrieden“, sagt Teutonias Pressesprecher Deniz Ercin.

Zur entscheidenden Frage nimmt Teutonias Zweiter Vorsitzender Liborio Mazzagatti (46) Stellung: „Der Aufwand war teuer. Für dieses eine Spiel haben wir das gerne gemacht. Das kann aber nicht Standard werden. Das können die Vereine nicht leisten.“ Wird nicht weiter gelockert, ist ein geregelter Spielbetrieb für Hamburgs Amateurfußballvereine also wohl noch nicht absehbar. Doch dieses Wochenende schürt zumindest die Hoffnung.