Fußball

Die ewige Herrschaft des Dassendorfes in der Oberliga

| Lesedauer: 4 Minuten
Mirko Schneider
Wir haben es gepackt! Dassendorfs Trainer Peter Martens (l.) und Thomas Hoffmann bejubeln die Meisterschaft

Wir haben es gepackt! Dassendorfs Trainer Peter Martens (l.) und Thomas Hoffmann bejubeln die Meisterschaft

Foto: Andre Matz / HA

Vierter Hamburg-Titel in Serie für die Schleswig-Holsteiner. Mäzen Funk schließt Aufstieg für immer aus: "Wir wissen, wo wir hingehören".

Dassendorf. Über dem Eingang zum Sportplatz am Wendelweg prangt ein Schild. Unter der ironisch-stolzen Überschrift „Home of Hamburgs Champions“, die links und rechts vom Vereinswappen der TuS Dassendorf flankiert wird, gibt es seit diesem Wochenende wieder Arbeit für die Maler. Den Jahreszahlen der Meisterschaften 1999, 2014, 2015 und 2016 wird bald eine weitere hinzugefügt. Die TuS ist Fußball-Meister der Oberliga Hamburg. Schon wieder. Ein souveränes 4:0 gegen Pinneberg ebnete den Weg zum vorzeitigen Titelgewinn, der vierten Meisterschaft in Serie.

Berührende Szenen spielten sich ab, als die Schleswig Holsteiner erneut als Hamburgs bestes Fußballteam feststanden. Spieler Tristan Koops (24) gab den Partykönig auf der Bande, hinter ihm stiegen Feuerwerkskörper empor. Das Eigengewächs verarbeitete auf bewegende Art den Tod seiner Mutter, die am vergangenen Mittwoch beerdigt wurde. Beytullah Atug (26), der alle vier Titel mit Dassendorf holte und nun zu Teutonia 05 wechselt, brach überwältigt von den eigenen Emotionen in Tränen aus.

Trainer Thomas Hoffmann (48) bekundete „seinen unglaublichen Stolz auf diese Truppe“ und sein Mitstreiter auf der Trainerbank, Peter Martens (59), offenbarte seine Veranlagung zum Feierbiest: „Ich feiere dieses Wochenende, nächstes Wochenende – und dann noch vier Wochenenden auf Malle“, so Martens.

Ohne Infrastruktur kein Aufstieg

Während nebenbei die Gründe für den Triumph (hohe Qualität im Kader/Suspendierung einiger Spieler im Saisonverlauf wegen Undiszipliniertheiten/Umstellung auf Dreierkette in der Winterpause) analysiert wurden, fiel fast versteckt ein Satz, von dem kaum jemand Notiz nahm. „Die Regionalliga Nord ist für uns nie ein Thema“, sagte Dassendorfs Mäzen Michael Funk (46). Begründung: „Das scheitert bei uns an der Infrastruktur. Wir sind ein Dorf mit 3400 Einwohnern. Wir wissen, wo wir hingehören. Und das ist maximal die Oberliga Hamburg.“

Allen Gerüchten, Dassendorf könne irgendwann einmal das Abenteuer Aufstieg in Angriff nehmen, schob der starke Mann in Dassendorf endgültig einen Riegel vor.

Die Antwort auf die auf den Meister-T-Shirts doppelbödig gestellte Frage „Kann uns mal bitte jemand das Wasser reichen?“ lautet unter diesen Umständen eventuell Nein. „Droht“ der Oberliga Hamburg die ewige Herrschaft des Dassendorfes? Funk, seit 41 Jahren im Verein und ein erfreulich uneitler Gönner, sieht das nicht so. „Im Fußball ist doch das Schöne: Alle haben die gleichen Chancen.“ Erkauft habe sich sein Verein den Titel durch hochkarätige Transfers wie den von Ex-Profi Marcel von Walsleben-Schied nicht: „Das ist Quatsch! Bei Altona und Cordi spielen auch nicht nur Eigengewächse. Könnte man den Titel kaufen, wären wir schon im Winter Meister gewesen.“

Das Dassendorfer Modell, aufgrund schwieriger Bedingungen (u.a. ginge es bei einem Aufstieg um Rechte der Anwohner, die Auflage eines Tribünenbaus und die Parkplatzsituation) für alle Zeiten „nur“ den Titel als Hamburger Stadtmeister anzustreben, stößt in der Oberliga nicht überall auf Verständnis.

Kein Verständnis für Vereinspolitik

Ein vom Abendblatt erstelltes Stimmungsbild einiger ausgewählter Vereinsvertreter offenbart dies. Alle Befragten beglückwünschen die TuS herzlich zum „völlig verdienten Titel“ (Condors Trainer Christian Woike), zur „absolut verdienten Meisterschaft“ (Altonas Manager Andreas Klobedanz), „zu tollem Fußball von hoher Qualität“ (Concordias Pressesprecher Steffen Ries) und zur „Aufholjagd mit Siegermentalität“ (Barmbeks Trainer Frank Pieper-von Valtier).

Die Perspektive Oberliga Hamburg auf ewig findet Klobedanz hingegen „schwer verständlich, da Sportler nach dem Höchsten streben sollten“, Ries beurteilt die Entscheidung als „schade“, Woike fragt „nach der Idee dahinter, denn wenn ich so viel Geld investiere, kann ich mehr zurückkriegen als den Oberliga-Titel“. Am meisten Verständnis zeigt Pieper-von Valtier, denn: „In der Regionalliga Nord muss man das Doppelte investieren. Das ist eine andere Hausnummer.“ Ein weiteres wichtiges Argument von Woike: „Dassendorf blockiert ja keinen Platz. Wer aufsteigen will, kann schließlich für die Regionalliga Nord melden.“ Für den Abo-Meister kein Thema. Funk: „Die Ehre, Meister der Oberliga Hamburg zu sein, motiviert uns jedes Jahr aufs Neue.“ Vielleicht erhält der Maler ja bald einen jährlichen Dauerauftrag.