Marvin Möller

Hamburger Tennis-Juwel holt sich zwei Titel

Er spielt mit dem gleichen quietschorangefarbenen Tennisracket wie Andy Murray. „Ich spiele relativ ähnlich wie er. Schnell und sicher, in allem sehr ausgeglichen“, sagt der 14-Jährige selbstbewusst.

Hamburg. Er spielt mit dem gleichen quietschorangefarbenen Tennisracket wie Andy Murray. Den britischen Wimbledon-Helden findet der 14-Jährige „echt cool“. Und: „Ich spiele relativ ähnlich wie er. Schnell und sicher, in allem sehr ausgeglichen“, sagt der Meiendorfer mit dem keck hochgestylten Pony. Und wie sich Marvin Möller denn mit drei Wörtern beschreiben würde? „Sympathisch, sportlich, entspannt.“

Was fehlte: erfolgreich. Am Sonntag verteidigte der Teenager in Essen ohne Satzverlust seinen deutschen U14-Meistertitel aus dem Sommer. Mit seinem Finalgegner Maximilian Todorov vom TuS Holstein Quickborn siegte er auch im Doppel, obwohl er erkältet ins Turnier gegangen war. Wirklich entspannt? „Auf dem Platz kann Marvin auch ganz schön temperamentvoll werden“, sagt Hamburgs Verbandstrainer Guido Fratzke und lächelt. Ansonsten schwärmt der Coach nur so von seinem Musterschüler, der in seiner Altersklasse 2013 mit vier Turniersiegen auf der Europa-Tour bis in die Top 20 des Kontinents kletterte. „Er ist total pflegeleicht und hat keinerlei Starallüren.“

Der 44-Jährige ist besonders stolz auf Marvin, weil der seit vielen Jahren das erste „richtige Verbandskind“ in Hamburg ist, das gute Chancen auf eine Profilaufbahn hat. Zwar kommen ja auch die Zverev-Brüder Mischa, 26, und Alex, 16, aus der Hansestadt, ebenso Carina Witthöft, 18. Aber da sind die Mütter und Väter Tennistrainer, und die Karriereplanung ist Familiensache.

Marvins Eltern Birgit und Werner sind geerdete Bankkaufleute und nicht tennisverrückt. „Die vertrauen uns voll“, sagt Dirk Sperling, Marvins Heimtrainer beim Rahlstedter HTC und im Verband für die Jüngeren zuständig. Marvin selbst versichert: „Es ist überhaupt nicht so, dass meine Eltern sagen ,Jetzt trainier mal noch mehr.‘ Das will ich alles selbst.“ Im Abendblatt will er seinen Eltern aber danken – für „das viele Hin-und-her-Fahren“. Das tun sie, seit Marvin als Fünfjähriger erstmals zum Schläger griff. Er eiferte seinem drei Jahre älterer Bruder Robin nach. Mit ihm spielt er inzwischen für die RHTC-Herren in der Oberliga.

Kaum vorstellbar, dass sein Kopf früher als seine Schwäche galt. „Jetzt nicht mehr. Mental ist Nadal mein Vorbild“, sagt Marvin, der seit zwei Jahren mit Mentalcoach Christian Spreckels zusammenarbeitet. Inklusive dieser Einheiten kommt er auf 15 Stunden Training pro Woche. Das lässt sich nur deshalb gut mit der Schule vereinbaren, weil der zielstrebige Neuntklässler auf die Eliteschule des Sports Alter Teichweg geht. Die Schule ermöglicht es, dass Marvin schon morgens um acht Uhr mit Fratzke in der Horner Verbandshalle steht und für die Turniere in ganz Europa freibekommt.