Deutsche Olympia-Medaillen

Elf von 302: Die Gold-Bilanz ist ausbaufähig

Ganz oben auf dem Treppchen standen in London nur wenige Deutsche - auch, weil im Gegensatz zu Peking Überraschungen rar waren.

London/Berlin. Die XXX. Olympischen Spiele sind beendet , es darf Bilanz gezogen werden. 302 Entscheidungen standen in London an, doch nur elf Mal ertönte zur Siegerehrung die deutsche Hymne aus den Lautsprechern. Das sind fünf Goldmedaillen weniger als noch in Peking 2008. Zwar konnten die 392 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) entsandten Athleten mit 44 Medaillen (11 Gold/19 Silber/14 Bronze) drei Plaketten mehr einsammeln als vor vier Jahren, doch am Ende ist es eben vor allem Gold, was glänzt. Die - allerdings fernab der Realität - von Innenministerium und DOSB verabredeten 86 Medaillen sind damit in London klar verfehlt worden.

Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen für das deutsche Olympiateam - doch im Gegensatz zu 2008 fehlten heuer die ganz großen Überraschungen. In Peking gab es derlei einige: Matthias Steiner etwa hatte damals niemand auf dem Zettel - dieses Mal musste der Gewichtheber nach einem Hantel-Unfall beim Reißen den Wettbewerb frühzeitig abbrechen.

Im Modernen Fünfkampf katapultierte sich Lena Schöneborn aus dem Nichts ganz nach oben aufs chinesische Treppchen - in Londons Hauptstadt scheiterte die Deutsche auch an der Favoritenbürde und beendete den Fünfkampf auf Platz 15 .

Mountainbikerin Sabine Spitz konnte ihren Überraschungserfolg von 2008 zwar bestätigen, doch für Gold reichte es dieses Mal nicht ganz. Ebenfalls "nur" Silber wurde im Londoner Fecht-Wettbewerb Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann umgehängt. Ebenso im Fechten hatte es in China noch Gold für Benjamin Kleibrink gegeben, der in England immerhin noch Bronze mit der Florett-Mannschaft holte.

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Im Judo blieb die ganz große Überraschung aus, für die vor vier Jahren noch Ole Bischoff gesorgt hatte. Auch im Triathlon und im Wildwasser-Kanu gab es dieses Mal kein unerwartetes Edelmetall in Gold, wofür in Peking noch Alexander Grimm (Kanu) und Jan Frodeno (Triathlon) gesorgt hatten.

Sogar ganz ohne Medaille verließen die deutschen Schwimmer das Becken im Aquatics Centre. Weder Weltrekordler Paul Biedermann noch Freundin Britta Steffen konnten die schlechteste Bilanz seit 80 Jahren retten. Noch in Peking hatte Steffen mit zwei späten Goldmedaillen das DSV-Ergebnis geschönt.

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Den ausbleibenden Überraschungen stehen allerdings auch Goldmedaillen gegenüber, die nach langen Durststrecken wieder in die deutsche Bilanz einfließen. So ruderte der Deutschland-Achter erstmals seit 24 Jahren wieder als erster über die Ziellinie. Am Barren holte Silber-Turner Marcel Nguyen erstes deutsches Edelmetall an diesem Gerät seit 1988. Zwölf Jahre mussten auch die Leichtathleten warten, ehe Diskuswerfer Robert Harting in London zum Goldwurf ansetzte.

Verlass war schließlich auf die deutschen Hockey-Herren. Das Team von Bundestrainer Markus Weise mit den Hamburgern Moritz Fürste, Tobias Hauke, Oliver Korn und Florian Fuchs bestätigte in London den vorangegangenen Olympiasieg.

Vesper will "duale Karriere" für Sportler weiter fördern

Bei den Spielen in Rio 2016 soll es nun wieder mehr deutsche Gold-Kandidaten geben - wenn es nach dem Wunsch des DOSB geht. Nach den Spielen von London sieht der Verband den Ausbau der "dualen Karriere“ für deutsche Athleten als ein zentrales Element der Sportförderung. "Sportlern muss es ermöglicht werden, neben ihrer sportlichen Karriere eine solide Ausbildung zu bekommen und eine Berufstätigkeit zu beginnen“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Montag im rbb-Inforadio.

"Da müssen auch die Firmen mitspielen und beispielsweise einen Sportler einstellen, ihn trainieren lassen, weil sie dann ja auch etwas zurückbekommen“, sagte Vesper weiter. Die Gesellschaft müsse sich fragen, was ihr der Spitzensport wert sei. Vesper lobte die Leistung der deutschen Leichtathleten mit acht Medaillen. "Das ist sicherlich auch Folge einer gezielten Förderung, die in den vergangenen vier Jahren stattgefunden hat“, sagte er.

Die deutschen Medaillengewinner von London:

GOLD (11):

– Hockey-Männer

– Sebastian Brendel (Kanurennsport, Canadier)

– Peter Kretschmer/Kurt Kuschela (Kanurennsport, Zweiercanadier)

– Franziska Weber/Tina Dietze (Kanurennsport, Zweierkajak)

– Robert Harting (Leichtathletik, Diskuswerfen)

– Kristina Vogel/Miriam Welte (Radsport, Bahn, Teamsprint)

– Sandra Auffarth mit Opgun Louvo, Michael Jung mit Sam, Ingrid Klimke mit Butts Abraxxas, Dirk Schrade mit King Artus, Peter Thomsen mit Barny (Reiten, Vielseitigkeit, Mannschaft)

– Michael Jung mit Sam (Reiten, Vielseitigkeit)

– Tim Grohmann, Karl Schulze, Philipp Wende, Lauritz Schoof (Rudern, Doppelvierer)

– Martin Sauer/Steuermann, Kristof Wilke, Florian Menningen, Filip Adamski, Richard Schmidt, Maximilian Reinelt, Eric Johannesen, Andreas Kuffner, Lukas Müller (Rudern, Achter)

– Julius Brink/Jonas Reckermann (Volleyball, Beach)

SILBER (19):

– Britta Heidemann (Fechten, Degen)

– Ole Bischof (Judo)

– Kerstin Thiele (Judo)

– Carolin Leonhardt, Franziska Weber, Katrin Wagner-Augustin, Tina Dietze (Kanurennsport, Viererkajak)

– Sideris Tasiadis (Kanuslalom, Canadier)

– David Storl (Leichtathletik, Kugelstoßen)

– Lilli Schwarzkopf (Leichtathletik, Siebenkampf)

– Christina Obergföll (Leichtathletik, Speerwerfen)

– Björn Otto (Leichtathletik, Stabhochsprung)

– Maximilian Levy (Radsport, Bahn, Keirin)

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– Sabine Spitz (Radsport, Mountainbike)

– Judith Arndt (Radsport, Straße, Zeitfahren)

– Tony Martin (Radsport, Straße, Zeitfahren)

– Helen Langehanenberg mit Damon Hill, Dorothee Schneider mit Diva Royal, Kristina Sprehe mit Desperados (Reiten, Dressur, Team)

– Britta Oppelt/Schlagfrau, Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Richter (Rudern, Doppelvierer)

– Thomas Lurz (Schwimmen, Freiwasser, 10 km)

– Fabian Hambüchen (Turnen, Reck)

– Marcel Nguyen (Turnen, Mehrkampf)

– Marcel Nguyen (Turnen, Barren)

BRONZE (14):

– Peter Joppich, Sebastian Bachmann, Benjamin Kleibrink, Andre Weßels (Fechten, Florett, Team)

– Dimitri Peters (Judo)

– Andreas Tölzer (Judo)

– Max Hoff (Kanurennsport, Einerkajak)

– Martin Hollstein/Andreas Ihle (Kanurennsport, Zweierkajak)

– Hannes Aigner (Kanuslalom, Einerkajak)

– Betty Heidler (Leichtathletik, Hammerwerfen)

– Linda Stahl (Leichtathletik, Speerwerfen)

– Raphael Holzdeppe (Leichtathletik, Stabhochsprung)

– Rene Enders/Robert Förstemann/Maximilian Levy (Radsport, Bahn, Teamsprint)

– Sandra Auffarth mit Opgun Louvo (Reiten, Vielseitigkeit)

– Helena Fromm (Taekwondo)

– Dimitrij Ovtcharov (Tischtennis)

– Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll, Bastian Steger (Tischtennis, Mannschaft)

Mit Material von dapd