Goodbye London

Krachender Schlussakkord mit den Spice Girls und Take That

Lesedauer: 4 Minuten
Raimund Witkop und Stefan Tabeling

Olympische Spiele offiziell beendet – Abschlussfeier zelebriert die Gastgeberstadt, britische Popmusik und die Athleten – Auftritte von Spice Girls und Take That

London. Punkt Mitternacht Londoner Zeit sind die Olympischen Spiele 2012 offiziell beendet gewesen. Das Feuer erlosch, zuvor hatte Bürgermeister Boris Johnson die Olympische Flagge an seinen Amtskollegen Eduardo Paes aus Rio de Janeiro übergeben. Es folgte ein Auftritt von Take That sowie ein krachender Schlussakkord von den Rockveteranen The Who.

„Es waren Spiele von allen für Jedermann“, sagte Londons Organisationschef Sebastian Coe, „der olympische Geist wird ganze Generationen inspirieren.“ IOC-Präsident Jacques Rogge sprach von „glücklichen und glorreichen Spielen“.

Die Übergabe an den nächsten Gastgeber pflegt schon ein wenig Ton und Stimmung vorwegzunehmen. Vor den Ansprachen von IOC-Präsident Rogge und Coe kam ein einsamer Straßenkehrer auf die Bühne und fiel in einen Samba-Tanzschritt; rasch gefolgt von einem brasilianischen Karnevalszug. In Rio, hört man, gibt es auch keine Sperrstunde.

Doch davor hieß es Abschied nehmen. Es war 21:34 Uhr, die Abschlussfeier der Olympischen Spiele gerade eine halbe Stunde im Gange, als die Hauptdarsteller der vergangenen 16 Tage schon hereindurften: die Athleten. Gut zwei Wochen lang haben die Sportler die Welt begeistert, unterhalten, gerührt und bisweilen geärgert. Jetzt war es Zeit für ihre letzte Party, für Jubel, ein wenig Wehmut und einen Ausblick ins Jahr 2016, nach Rio de Janeiro.

Nach gut zwanzig Minuten waren alle drin, die sich diesen Spaß gönnen konnten oder wollten. Die meisten trugen entweder eine Medaille oder eine Kamera um den Hals, die einen bissen gern für die anderen hinein.

Die deutschen Sportler – wohl mindestens 200 von 391 gestarteten Athleten – hinter Fahnentrainer Kristof Wilke, Schlagmann des Gold-Achters, verteilten sich auf verschiedene Blöcke im Innenraum des Stadions und machten trotz der Diskussionen über ihre Leistungsbilanz einen recht vergnügten Eindruck. Oliver Korn, Besitzer einer Goldmedaille mit den Hockey-Herren, sagte: „Es war großartig, fantastische Fans, ich liebe London.“

Sportler wollen bei Abschlussfeiern aller Erfahrung nach: sich zeigen, Tanzen, Spaß haben. Weniger dürsten sie nach langen Reden und endlosen Choreografien. Die letzte Zeremonie der Londoner Spiele ist wohl einigermaßen nach ihrem Geschmack ausgefallen – wie, alles in allem, die 16 Tage von London 2012 überhaupt.

Leistungsshow britischen Entertainments

Es trifft sich gut, dass Großbritannien die übrige Welt seit rund fünfzig Jahren mit allem versorgt, was man für eine Party braucht. Die gloriose Abschlussfeier der Stadt London und eines halben Jahrhunderts britischer Popmusik gab Anlass für einige unerwartete Reunions und Comebacks: George Michael, Take That (allerdings ohne Robbie Williams), die Spice Girls (auf dem Dach von Londoner Taxis) - es war eine Leistungsshow britischer Unterhaltungskunst. Victoria Beckham, die schon als Modeschöpferin in einem Fashion-Segment aufgetreten war, figurierte unerschrocken mit ihren kaum gealterten „Spice“-Schwestern. Später gab Eric Idle als verunglückter Raketen-Mann den „Monthy Python“-Gassenhauer „Always Look On The Bright Side Of Life“, was unter den Athleten mehr Anklang fand als etwa diverse „Beatles“-Reprisen.

Es war ein schwungvoller Abschluss der Spiele, die schon Großbritanniens Stärken in der Organisation, als charmante Gastgeber, begeisterte Zuschauer und schließlich beim Gold-Gewinnen bewiesen hatten. Produzent der Show war Filmregisseur Stephen Daldry („Billy Elliot“), der der Eröffnungsfeier des Kollegen Danny Boyle („Slumdog Millionaire“) nicht nachstehen wollte.

(Mit Material von dapd)