U 18: HSV-Fußballer Shkodran Mustafi (16) arbeitet konsequent an seiner Karriere

Ein Verteidiger mit glänzender Perspektive

U-17-Nationalspieler mit Bodenhaftung: Trotz seines Talents setzt der B-Junior auf ein zweites Standbein.

Hamburg. Etwas hat der Nachwuchs-Fußballer schon jetzt mit dem Bundesliga-Superstar Franck Ribery gemein: Shkodran Mustafi und der Bayern-Profi sind beide gläubige Muslime, beide beten vor einem Spiel: der französische Ausnahme-Fußballer am Mittelkreis von ausverkauften Bundesliga-Stadien, das Nachwuchs-Talent für sich alleine in der Kabine.

"Mein Glaube bedeutet mir sehr viel, er gibt mir Kraft und Halt für meine täglichen Aufgaben", sagt Shkodran, "und vor dem Spiel bete ich natürlich für einen Sieg." Der 16-Jährige spielt in der B-Jugend des HSV, im Trikot der Rothosen hält er als Verteidiger die Abwehr zusammen - und eigentlich sieht der junge Mann nicht aus, als benötige er Unterstützung von höherer Stelle. Mit 1,86 Meter Körpergröße und 82 kg Kampfgewicht besitzt Shkodran unübersehbare Qualitäten.

Vor zwei Jahren wechselte der talentierte Kicker aus seiner hessischen Heimat Bebra (SV Rotenburg) trotz zahlreicher Angebote anderer Bundesliga-Vereine in das Internat des HSV. "Hier habe ich mich gleich willkommen gefühlt, das Internat bietet viele tolle Perspektiven", so Shkodran.

Schwer sei es ihm natürlich trotzdem gefallen, so früh die vertraute Umgebung zu verlassen. "Meine Familie bedeutet mir alles, ohne sie wäre ich nicht hier", sagt Shkodran.

Offenbar war es die richtige Wahl. Während seiner Zeit beim HSV ist der junge Abwehrrecke deutscher Junioren-Nationalspieler geworden. "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, es ist jedes Mal etwas Besonderes, sich mit den besten der Welt zu messen", sagt der junge Mann, der sich auch in dieser Woche im Kreis der U-17-Auswahl bewegt. Er wirkt oft viel älter, als er tatsächlich ist. Seine Antworten sind wohl überlegt und intelligenter als von manchem gestandenen Bundesliga-Profi. Also war das Glück auch auf Seiten des DFB, als er den Wahl-Hamburger nominierte. Denn: Shkodran hätte auch für Albanien spielen können, dem Heimatland seiner Eltern. Doch das Talent musste nicht lange überlegen: "Ich wurde in Deutschland geboren und habe hier einfach die bessere Perspektive."

Seit wenigen Wochen hat Shkodran den Realschulabschluss in der Tasche, jetzt geht er auf das Gymnasium und will Abitur machen. "Dieses zweite Standbein ist wichtig für mich, aber absolute Priorität hat der Fußball", so Shkodran. Jetzt klingt er nach einem sportverrücktem Teenager.

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