Handball

Johannes Bitter hält ersten Saisonsieg des HSV Hamburg fest

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Rainer Grünberg
Die grüne Wand: HSVH-Torhüter Johannes Bitter (40) hielt 17 Würfe.

Die grüne Wand: HSVH-Torhüter Johannes Bitter (40) hielt 17 Würfe.

Foto: Leonie Horky / WITTERS

Beim 27:21-Erfolg gegen GWD Minden überragt der 40 Jahre alte Torhüter. Enttäuschend war die Kulisse in der Barclays Arena.

Hamburg.  Nach zwei Fehlversuchen hat der Handball Sport Verein Hamburg (HSVH) in der neuen Bundesligasaison erstmals getroffen. Beim 27:21 (13:9) gegen den Tabellenletzten GWD Minden konnte der HSVH allerdings nur phasenweise überzeugen. „Unser Spiel hatte ein paar Ups and Downs, doch in den entscheidenden Momenten haben wir unsere größere Klasse aufs Parkett bringen können“, meinte Spielmacher Leif Tissier.

Mit acht Toren ohne Fehlwurf glänzte Dominik Axmann (23) als bester Schütze, im Tor bot Johannes Bitter neun Tage nach seinem 40. Geburtstag mit 17 Paraden hinter einer aggressiven, zupackenden Abwehr eine herausragende Leistung. Enttäuschend blieb nur die Kulisse: 2623 Zuschauende kamen in die riesige Barclays Arena, womit der Verein nicht annähernd die Mietkosten decken kann.

HSV Hamburg hat gegen Minden erst 4:0-, dann 0:4-Lauf

Niklas Weller, bei der 27:30-Niederlage am vergangenen Donnerstag in Melsungen nach seiner Blauen Karte (Tätlichkeit) aus dem Flensburg-Spiel (30:31) gesperrt, unterstrich gleich nach 47 Sekunden seine Bedeutung für das Angriffsspiel der Hamburger, erzielte vom Kreis die 1:0-Führung, die Frederik Bo Andersen nach einem Tempogegenstoß nur 17 Sekunden später auf 2:0 erhöhte. Auch im Mittelblock stand Weller auf der anderen Seite fast 60 Minuten seinen Mann, hielt die Abwehr zusammen. Überhaupt alles, was in Melsungen noch schlieflief – keine Torhüterleistung, 21 technische Fehler –, schien der HSVH in der Anfangsphase mit hoher Konzentration korrigieren zu wollen.

Bitter parierte die ersten vier Würfe, und es waren diesmal die Mindener, die den Ball nach Fehlpässen, Schrittfehlern oder Missverständnissen immer wieder unnötig verloren. Die Folge: Der HSV führte nach elf Minuten 4:0, der Vorsprung hätte noch deutlicher ausfallen können, wären Andersen und Casper Mortensen mit ihren Würfen von außen nicht rechts wie links gescheitert.

Handballspiele verlaufen gewöhnlich nicht linear, größere Führungen sind oft nur Momentaufnahmen – auch an diesem Sonntagnachmittag. Den Hamburgern fehlten im Angriff plötzlich Lösungen, Mortensen hob den Ball bei einem Siebenmeter übers Tor (15.). Minden wiederum gelang dank Topscorer Niclas Pieczkowski, dem Europameister von 2016, nach elf Minuten nicht nur der erste Treffer zum 1:4, der Spielmacher war es auch, der fünf Minuten später zum 5:5 einnetzte.

Mindens Piecz­kowski sieht Rot

Die Hamburger besannen sich danach aber ihrer Tugenden, und es war Rechtsaußen Andersen, der seine Chancen, von seinen Nebenleuten umsichtig freigespielt, jetzt konsequent nutzte. Dass der HSVH bis zum Seitenwechsel (13:9) erneut einen Viertorevorsprung herauswarf, lag auch an der Szene in der 26. Minute. Piecz­kowski hatte dem wendigen Axmann bei dessen Wurfversuch ins Gesicht gegriffen, sah dafür die Rote Karte. Der Ausfall des ehemaligen Nationalspielers schmerzte die Ostwestfalen auch deshalb, weil ihnen ihr etatmäßiger Regisseur, der Tunesier Armine Darmoul, wegen einer Knieverletzung längere Zeit fehlen wird.

Umso unerklärlicher war es daher, dass die Hamburger zu Beginn der zweiten Hälfte wieder in jenen Schlendrian verfielen, der Trainer Torsten Jansen an der Seitenlinie die Zornesröte ins Gesicht trieb. Binnen drei Minuten glichen die Gäste zum 13:13 aus. Jansen nahm seine zweite Auszeit, sprach die Defizite laut und deutlich an. Das hinterließ offenbar Wirkung.

Bitter, der in der 36. Minute auch noch einen Siebenmeter hielt, und die zahlreichen technischen Patzer und Fehlwürfe der Mindener halfen schließlich, den Vorsprung abermals auf vier Tore (18:14/39.) aufzustocken. Das wechselhafte Spiel war indes erst entschieden, als Weller in der 55. Minute aus sechs Metern zum 24:20 traf, Jacob Lassen eine Minute später aus dem Rückraum Mindens Torhüter Malte Semisch, einem der Besten der Bundes­liga, beim 25:21 keine Chance ließ.

Tore HSV Hamburg: Axmann 8, Andersen 6, Weller 5, Schimmelbauer 3, Lassen 3, Mortensen 1 (1 Siebenmeter), Tissier 1,