Handball

Magdeburgs Magnusson zersägt den HSV Hamburg

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Maximilian Bronner und Sebastian Nieden
Magdeburgs Omar Ingi Magnusson hatte sichtlich Spaß bei der Arbeit, erzielte insgesamt zwölf Tore.

Magdeburgs Omar Ingi Magnusson hatte sichtlich Spaß bei der Arbeit, erzielte insgesamt zwölf Tore.

Foto: Marcel von Fehrn / IMAGO/Eibner

Der Isländer überragt beim klaren Sieg des Tabellenführers gegen Hamburgs Bundesliga-Handballer. Doch die Meisterfeier fällt aus.

Hamburg. Die letzten Minuten des Handball-Bundesligaspiels verfolgte Omar Ingi Magnusson fast regungslos und mit finsterer Miene auf der Ersatzbank. Ein Lächeln kam dem Topstar des SC Magdeburg nicht über die Lippen, nachdem er den HSV Hamburg beim 22:32 (11:17) fast im Alleingang erledigt hatte

„Es war okay“, sagte der völlig entspannte Isländer, mit zwölf Toren mit Abstand bester Werfer. „Wir waren in den letzten 20 Minuten nicht mehr so fokussiert, insgesamt war es aber eine gute Leistung. Wir hätten es in der zweiten Hälfte besser machen können.“ Durch den Sieg ist der SCM nur noch einen Punkt vom Meistertitel in der Handball-Bundesliga entfernt.

Magdeburgs Handballfans machen in Hamburg Stimmung

Für eine beeindruckende Kulisse sorgten nicht nur die HSVH-Fans, sondern vor allem auch die vielen mitgereisten Anhänger aus Magdeburg. Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie war die Sporthalle Hamburg mit 3745 Zuschauern ausverkauft, darunter rund 320 VIP-Gäste, für die ein zusätzlicher Raum im Umlauf eingerichtet werden musste.

Etwas Enttäuschung kam bei den SCM-Anhängern auf, als sie rund zwanzig Minuten vor Anpfiff das Ergebnis vom Nordderby aus Flensburg mitgeteilt bekamen. Da der THW Kiel bei der SG Flensburg-Handewitt mit 28:27 gewonnen hatte, konnte der Ligaprimus noch nicht vorzeitig Meister werden. Damit, dass Magdeburg die verbleibenden drei Ligaspielen und die so gut wie sichere Meisterschaft noch verliert, rechnet in Kiel niemand. Viel wichtiger war der Auswärtssieg für den THW, um Champions-League-Platz zwei zu sichern.

HSVH verschleppt das Tempo

Beeindrucken ließ sich Magdeburg vom Kieler Sieg ungefähr so, wie HSVH-Torhüter Johannes Bitter ins Spiel kam: nämlich überhaupt nicht. Zwar leistete sich der Tabellenführer zu Beginn einige ungewohnte technische Schwächen, grundsätzlich zog er seinen Highspeed-Handball aber gnadenlos durch. Dass der Aufsteiger da nicht mithalten konnte, wusste HSVH-Trainer Torsten Jansen bereits vor dem Spiel, sodass er seiner Mannschaft risikoreiche Gegenstoßpässe untersagte. Sein Team verschleppte das Tempo, reizten die Ballbesitzphasen bis aufs Äußerste aus, suchte erst bei drohendem Zeitspiel den Abschluss.

Der HSVH spielte offensiv nicht schlecht – verzweifelte aber von Beginn an regelmäßig an SCM-Keeper Jannik Green, der einen hervorragenden Tag erwischte (zwölf Paraden). „Es war von Anfang an klar, dass es megaschwer wird. Wir haben über weite Strecken gut gespielt und Chancen kreiert, verwerfen aber viele freie Bälle. Da hat man überhaupt keine Chance“, sagte Kreisläufer Niklas Weller, mit vier Toren bester HSVH-Werfer an seinem 29. Geburtstag.

Magnusson erledigt HSV Hamburg im Alleingang

Johannes Bitter musste das Hamburger Tor Mitte der ersten Halbzeit räumen – ohne einen einzigen Ball gehalten zu haben, Ersatzmann Jens Vortmann machte es mit sieben Paraden besser. Dass der SCM zur Pause bereits mit sechs Toren führte (11:17), lag neben Green vor allem an drei Wörtern. Omar. Ingi. Magnusson. Der Rückraumrechte zersägte Hamburgs Abwehr nach allen Regeln der Handballkunst. Wenn der flinke Linkshänder nicht den Durchbruch fand – was er oft genug tat – schweißte er die Bälle aus der zweiten Reihe ein. Allein im ersten Durchgang ließ der 25-Jährige die Magdeburger Anhänger mit zehn Toren im Schnitt alle drei Minuten jubeln – ein absurder Wert.

„Wenn es so läuft, ist das schön. Es ist nicht mein Ziel, viele Tore zu werfen, sondern einfach gut zu spielen“, sagte Magnusson. Während SCM-Ersatzkeeper Mike Jensen nach dem Seitenwechsel bereits den zweiten Siebenmeter von HSVH-Linksaußen Casper Mortensen parierte, sangen die Gästefans zur Partymelodie von den „Atzen“: „Hey, was geht ab – wir holen die Meisterschaft.“

Hamburgs Wullenweber sieht Rot

Magnusson schien das bloße Torewerfen irgendwann fast zu langweilen, sodass er zur Abwechslung auch seinen Mitspielern mit Traumanspielen zu Abschlüssen verhalf. Das Spiel war eine Viertelstunde vor Schluss längst entschieden. Am Ende sah HSVH-Rückraumspieler Finn Wullenweber noch die Rote Karte (55.), nachdem er Magnusson mit der Hand im Gesicht erwischte.

Wie auch Tobias Schimmelbauer, dem mit zwei Zweiminutenstrafen ebenfalls das Schicksal einer Roten Karte drohte, hatte er im gesamten Spiel kein Mittel gegen den Topstar gefunden. „Dass der außergewöhnliche Klasse hat, ist bekannt. Wir sind nicht die einzige Mannschaft, die gegen ihn Probleme hatte“, sagte Trainer Jansen. „Das ist einfach europäische Spitze. Und das hat man heute gesehen.“

HSV Hamburg: Weller 4, Mortensen 3, Bauer 3, Axmann 3, Forstbauer 2, Theilinger 2, Ossenkopp 1, Andersen 1, Bergemann 1, Wullenweber 1, Kleineidam 1, Schimmelbauer, Späth, Gertges.

SC Magdeburg: Magnusson 12, Musche 5, Gullerud 4, Saugstrup 3, Bezjak 3, Kristjansson 2, Hornke 2, Weber 1, Chrapkowski, Pettersson, Mertens, O’Sullivan, Smits, Damgaard, Uscins.