Handball

HSV Hamburg: Das sind die Halbjahreszeugnisse der Neuzugänge

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Zwei Hamburger Attraktionen: Die HSVH-Neuzugänge Casper Mortensen (l.) und Johannes Bitter.

Zwei Hamburger Attraktionen: Die HSVH-Neuzugänge Casper Mortensen (l.) und Johannes Bitter.

Foto: Imago/pmk

Welche neuen Akteure den Bundesliga-Aufsteiger seit dem vergangenen Sommer verstärken konnten – und welche noch nicht.

Hamburg. Vor 318 Tagen gaben die Verantwortlichen des HSV Hamburg (HSVH) mit Torwart Johannes Bitter den wohl spektakulärsten Neuzugang für die aktuelle Saison bekannt – ohne zu wissen, dass der Aufstieg in die Handball-Bundesliga tatsächlich gelingen würde.

Mit Kreisläufer Manuel Späth und dem Rückraumrechten Nicolai Theilinger entschieden sich zwei weitere Erstligaprofis bereits im März für einen Wechsel an die Elbe.

Die beiden dänischen Außenspieler Casper Mortensen und Frederik Bo Andersen sowie der russische Rückraumlinke Azat Valiullin kamen hingegen erst im Juli – nachdem der Aufstieg bereits perfekt war. Das Abendblatt zieht vor der EM-Pause eine sportliche Halbjahresbilanz.

Johannes Bitter: Am 14. Januar startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Belarus in die EM-Vorrunde. Ohne Bitter – was angesichts seiner Leistungen in der Bundesliga unter normalen Umständen nur schwer nachvollziehbar wäre. Der 39-Jährige hatte jedoch nach Olympia im vergangenen Sommer erklärt, künftig nur noch in Notfällen zur Verfügung zu stehen.

In der Bundesliga zählt Bitter mit durchschnittlich 31,31 Prozent gehaltener Bälle zur Torhüter-Spitzenklasse, zeigte in 18 Spielen 186 Paraden. Insbesondere bei den wichtigen Siegen gegen die direkten Abstiegskonkurrenten GWD Minden (36,59 Prozent), Balingen-Weilstetten (39,47) oder TSV Hannover-Burgdorf (45,24) war der 2,05-Meter-Mann ein Sieggarant. Zudem hilft der Rückkehrer, der sich vollends mit dem Projekt HSVH identifizieren kann, jungen Spielern mit seiner Erfahrung und Führungsstärke.

Casper Mortensen: Der 32 Jahre alte Linksaußen verpasste die gesamte Vorbereitung, weil er seine Knieprobleme auskurieren musste. Obwohl der Ex-Weltmeister und Olympiasieger, der in vielen Spielen erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn wandelte, dem HSVH offensiven Glanz verlieh und entscheidende Tore erzielte, konnte er sich noch keinen Stammplatz erarbeiten. Dies liegt in erster Linie daran, dass Positionspartner Tobias Schimmelbauer defensiv in der Lage ist, auf der Halbposition zu decken. Dennoch: In Topform ist der Däne, mit 99 Toren bester HSVH-Werfer, eine Attraktion. Arbeiten muss er an seiner Siebenmeterquote (77,67 Prozent).

Frederik Bo Andersen: Mortensens erst 23 Jahre alter Landsmann kam mit Champions-League-Erfahrung vom dänischen Topclub GOG Gudme, hatte jedoch zu Beginn mit seiner ruhigen Art erhebliche Probleme mit der Integration. Die Sprachbarriere räumt der Rechtsaußen mittlerweile mit Deutschunterricht aus, zudem gibt ihm Mortensen Tipps, wie er sich sportlich in der stärksten Liga der Welt weiterentwickeln kann. Obwohl der Wahl-Eppendorfer Thies Bergemann zuletzt den Rang ablief, darf er künftig weiter an Mut und Torgefahr (27 Saisontore) arbeiten.

Azat Valiullin: Stark begonnen, gut weitergemacht, stark abgebaut. Der russische Rückraumschütze steht exemplarisch für den bisherigen Saisonverlauf des HSVH. Defensiv verlieh der 31-Jährige dem Team im Mittelblock Stabilität, hatte zudem wie beim Galaauftritt gegen Minden (acht Tore) auch im Angriff seine Berechtigung. In den vergangenen Wochen verlor er nicht nur seinen offensiven Stammplatz an Finn Wullenweber, sondern leistete sich immer wieder Unkonzentriertheiten und leichte Abspielfehler. Er dürfte mit seiner Erfahrung im neuen Jahr aber noch wertvoll werden.

Manuel Späth: Wenn es um Erfahrung geht, muss auch der Kreisläufer und Abwehrspezialist genannt werden. Der 36-Jährige, der seine Karriere im kommenden Sommer beenden wird, ist defensiv noch agil und aggressiv, zudem mit einem exzellenten Blockverhalten ausgestattet. 14 Saisontore sind dennoch deutlich zu wenig, im Zusammenspiel mit dem Rückraum fehlt die Abstimmung.

Nicolai Theilinger: Einfach war es für den 29-Jährigen bisher nicht. Nachdem er sich im letzten Spiel vor seinem Wechsel schwer am Knie verletzte, verpasste er die gesamte Vorbereitung und die ersten sechs Saisonspiele. Seit Mitte Oktober kämpft er um seinen Platz im Team. Das Problem: Der Kampf dauert bis heute an. Im rechten Rückraum ist Jan Forstbauer gesetzt – und Theilingers Auftritte geben bislang keinen Anlass für Trainer Torsten Jansen, daran etwas zu ändern. Auch defensiv konnte der robuste Theilinger bisher nur selten überzeugen, ihm mangelt es vor allem noch an Abstimmung und Spritzigkeit.