Handball

Trotz starker Hinrunde: Euphorie beim HSV Hamburg verflogen

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HSVH-Trainer Torsten Jansen fand in der zweiten Halbzeit gegen den Bergischen HC kein Mittel.

HSVH-Trainer Torsten Jansen fand in der zweiten Halbzeit gegen den Bergischen HC kein Mittel.

Foto: Leonie Horky / WITTERS

Der Aufsteiger verabschiedet sich mit einer unnötigen Niederlage und gemischten Gefühlen in die Winterpause der Handball-Bundesliga.

Hamburg. Bevor sich Casper Mortensen am Dienstag mit seiner Frau Stine auf den Weg in den Silvesterurlaub nach Dänemark machte, missachtete der Linksaußen des HSV Hamburg (HSVH) die Maßgabe von Trainer Torsten Jansen. „Bis zum 13. Januar sollen die Jungs mental und trainingsmäßig abschalten. Die Bundesliga ist allerhöchstes Niveau, die Regeneration ist wichtig“, hatte Jansen nach der bitteren 26:27-Heimniederlage gegen den Bergischen HC am späten Montagabend betont. Und Mortensen? Der machte sich am Dienstagvormittag auf den Weg in den Kraftraum. Frust abbauen, sich auspowern, das schwache Ende eines starken ersten Halbjahres in der Handball-Bundesliga vergessen.

„Das war eine bittere Niederlage. Wir hatten alles im Griff, kassieren dann aber einen 1:8-Lauf. Wir haben technische Fehler gemacht, der BHC offensiver gedeckt“, sagte der für seine vorbildliche Arbeitsmoral bekannte Däne nach dem Spiel. Auch knapp vier Wochen zuvor, nachdem der HSVH gegen Rekordmeister THW Kiel eine 23:32-Lehrstunde erhalten hatte, quälte sich der frustrierte Mortensen direkt nach der Partie mit Intervallsprints auf dem Fahrrad-Ergometer. Regeneration hin und oder her.

Hamburgs Handballern fehlt noch die Konstanz

Gegen den zuvor in neun Spielen sieglosen BHC hatte der Aufsteiger über 45 Minuten dominiert, dann aber urplötzlich den Faden verloren. „Da kamen dann viele Sachen zusammen, ich kann nicht mal sagen, was es genau war. Wir verprellen einen Gegenstoß, bekommen zweimal dämliche Zweiminutenstrafen, vorne fällt uns nichts mehr ein. So nimmt man sich die Sicherheit, die man sich vorher aufgebaut hat“, sagte Trainer Jansen. „Für mich ging das so schnell und mit so vielen Facetten, die nicht gepasst haben, dass ich mir noch zwei, drei Auszeiten mehr gewünscht hätte. Aber auch die hätten wahrscheinlich nicht geholfen.“ Wie zuletzt gegen Kiel bekam der Aufsteiger mit der offensiven BHC-Deckung Probleme, verlor im Rückraum an Torgefahr und Kreativität.

Dass der HSVH mit 16:20 Punkten und Tabellenplatz zehn dennoch in einer für einen Aufsteiger äußerst komfortablen Lage in die anstehende EM-Pause (13. bis 30. Januar/Ungarn und Slowakei) geht, liegt daran, dass er die stärkste Bundesligahinrunde eines Aufsteigers seit der Saison 2015/16 gespielt hat. „Nach einem nicht so guten Start mit 0:4 Punkten hat uns der Heimsieg gegen die hoch gehandelten Rhein-Neckar Löwen Rückenwind gegeben. Danach waren wir bis auf einige Spiele immer auf Augenhöhe mit den Gegnern“, resümierte Jansen.

Euphoriewelle beim HSV ist verflogen

Die wenigen Ausnahmen – wie die Niederlagen gegen die Spitzenteams der Liga oder Mitaufsteiger TuS N-Lübbecke – zeigen, dass dem HSVH mitunter noch die nötige Konstanz fehlt. „Wir haben in vielen Spielen nicht an unserem Leistungsmaximum gespielt. Konstante Leistungen bescheren uns über lange Sicht die meisten Punkte. Es bringt nichts, wenn man ein überragendes Spiel und dann wieder drei Scheißspiele macht“, sagte Kapitän Niklas Weller. „Wir müssen auch daran arbeiten, dass wir manche Sachen noch mehr auf den Punkt spielen. Viele Mannschaften werden sich auf uns vorbereiten, kennen den einen oder anderen Spieler schon besser.“

Die Euphoriewelle des ersten Saisondrittels, als der HSVH zwischenzeitlich auf einem Europapokalplatz stand, ist angesichts der jüngsten Auftritte verflogen. Obwohl nur zwei Teams am Ende absteigen werden, sind die Hamburger noch nicht frei von Abstiegssorgen. „Das war eine gute Hinserie, aber nichts, worauf wir uns ausruhen können. Die Mannschaften unten punkten, es wird im nächsten Jahr ganz eng werden“, prophezeite Weller.

Wer den Co-Kapitän kennt, weiß ganz genau, dass auch er sich nicht bis zum Trainingsauftakt Mitte Januar auf die faule Haut legen wird. Es gibt genug zu tun. Auch Jansen ist sich dessen bewusst – und wird seinen Spielern ihren Arbeitseifer somit nicht verübeln.