Handball

HSVH-Gegner: „Sind motiviert, es den Kritikern zu zeigen“

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Silvio Heinevetter verlor in Melsungen seinen Platz im DHB-Team.

Silvio Heinevetter verlor in Melsungen seinen Platz im DHB-Team.

Foto: Eibner-Pressefoto- Roland Sippel via www.imago-images.de / imago images/Eibner

Die MT Melsungen, nächster Gegner des HSV Hamburg, verpflichtet viele Stars, hinkt den Ansprüchen aber hinterher. Die Hintergründe.

Hamburg. An das letzte Spiel der MT Melsungen in Hamburg kann sich Axel Geerken noch genau erinnern. Im Finale um den DHB-Pokal Anfang Juni unterlag der mit etlichen Stars gespickte Favorit dem Underdog TBV Lemgo-Lippe verdient mit 24:28. Der über weite Strecken blutleere Auftritt in der Barclays Arena war gleichzeitig Tiefpunkt und Ausdruck einer Saison, die man bei den hessischen Handballern schnell vergessen wollte. Auch das angepeilte europäische Geschäft wurde mit Platz acht klar verpasst.

„Natürlich waren wir mit der vergangenen Saison nicht zufrieden. Der Eskalationspunkt war das Final Four in Hamburg, was bei uns viel Unruhe verursacht hat“, sagt MT-Geschäftsführer Geer­ken. „Danach haben wir einen intensiven Analyseprozess eingeleitet und Dinge verändert. Wir wollten Guðmundur Guðmundsson als Trainer aber noch eine zweite Chance geben, weil er mit der Pandemie in einer sehr schwierigen Situation zu uns gekommen war.“

Handball: MT Melsungen in Hamburg zu Gast

An diesem Sonntag (16 Uhr/Sky) ist die MT erneut in Hamburg zu Gast. Nicht zum Final Four, sondern zum Bundesligaduell mit dem HSV Hamburg (HSVH). Auch die aktuelle Saison begann nicht wie geplant, nach drei Spieltagen und 1:5 Punkten wurde Trainer Guðmundsson entlassen.

„Seit dem Trainerwechsel zu Roberto García Parrondo erkennt man eine Weiterentwicklung“, betont Geerken. Mit 8:8 Punkten und einer möglichen Pleite in Hamburg droht das mittlerweile stabilisierte Team jedoch erneut den Anschluss an die europäischen Plätze zu verpassen.

Melsungen ist finanziell gut aufgestellt

An den finanziellen Möglichkeiten mangelt es in Melsungen nicht. Der deutsche Pharma- und Medizinkonzern B. Braun Melsungen AG verschafft dem Club aus dem 13.000-Einwohner-Städtchen finanzielle Potenz. Allein im Sommer 2017 holte der Club mit Finn Lemke (SC Magdeburg), Julius Kühn (VfL Gummersbach) und Tobias Reichmann (Vive Kielce) drei Nationalspieler.

2019 kam Kai Häfner (Hannover-Burgdorf), 2020 folgten Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) und Timo Kastening (Hannover-Burgdorf). Aktuell steht jedoch nur noch Kastening im DHB-Kader, alle anderen sind von Bundestrainer Alfred Gislason früher oder später aussortiert worden.

„Wir wollen uns anders präsentieren"

„Wir wollen uns anders präsentieren als in der vergangenen Saison. Man muss in jedem Spiel erkennen können, dass ein echtes Team auf dem Platz steht, das mit voller Leidenschaft spielt“, sagt Geschäftsführer Geerken und beschreibt damit indirekt das Melsunger Grundproblem: fehlende Einstellung. „Uns fehlt noch der entscheidende Schritt nach vorne. Das braucht aber Zeit und ist naturgemäß auch von Rückschlägen geprägt. Wir entwickeln uns aber weiter, sind motiviert, es unseren Kritikern zu zeigen“, sagt der 49-Jährige.

Einer dieser Kritiker ist Ex-DHB-Vizepräsident Bob Hanning, der die MT erst im vergangenen Sommer scharf anging. „Ich finde es erschreckend, dass Melsungen viele deutsche Nationalspieler für viel Geld gekauft hat, aber die Mentalität im Verein nicht mitgewachsen ist“, hatte er gesagt. „Es hat sich kein Spieler, seit er in Melsungen ist, verbessert. Im besten Fall haben sie stagniert.“

Handball: MT Melsungen spielt gegen HSVH

Geerken hält dagegen: „Wir haben den Eindruck, dass man uns oft und gerne kritisiert. Man benutzt uns gerne, um zu sagen, was im deutschen Handball schlecht läuft. Auch wenn man es sich anders wünscht, gab es zuletzt aber auch kritikwürdige Leistungen. Grundsätzlich kommen wir damit aber gut klar. Man muss uns auch die Chance geben, uns zu verbessern. Dann wird man auch positiver über uns sprechen.“ Die nächste Chance dazu hat das Starensemble am Sonntag in der Sporthalle Hamburg.

( bron )