Handball

Hamburgs Aufstiegsspieler weisen Klasse nach

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Finn Wullenweber war in der Schlussphase nicht zu stoppen.

Finn Wullenweber war in der Schlussphase nicht zu stoppen.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

Eigengewächse des HSV Hamburg können Bundesliga-Topteams vor Probleme stellen. Welche jungen Spieler großes Potential haben.

Hamburg. Es war fast ein kleines Déjà-vu-Erlebnis, als Klaus Gärtner am Sonntagabend auf dem Podium der Pressekonferenz in der Barclays Arena saß und sich über die mangelhafte Vertei­digung seines Teams beschwerte. „Heute Mittag hatten wir im Hotel das Thema Finn Wullenweber. Scheinbar haben wir das Falsche gesagt. Der trifft seine Würfe halt in den Giebel. Wir wussten das, haben es dann aber dumm verteidigt“, ärgerte sich der Trainer der Rhein-Neckar Löwen nach der 27:32-Pleite beim HSV Hamburg (HSVH). Zwölf Tage zuvor saß Hartmut Mayerhoffer, Trainer von Frisch Auf Göppingen, an exakt gleicher Stelle – und ließ fast die wortgleiche Ich-hatte-es-vorher-doch-gesagt-Kritik in Richtung seiner Mannschaft ab.

Während beim Auftaktspiel der Handball-Bundesliga noch der 21 Jahre alte Leif Tissier („Natürlich wussten wir, welche Qualität da auf uns zukommt.“) mit neun Toren als bester Werfer brillierte, war es beim ersten Saisonsieg mit dem 23 Jahre alten Wullenweber (sechs Tore) am Sonntag ein weiterer junger Spieler aus der Aufstiegssaison, der offensiv glänzte.

HSV Handball: Wullenweber ließ Palicka keine Chance

In der Schlussphase der Partie stieg der 1,96-Meter-Athlet reihenweise aus dem Rückraum hoch, ließ Löwen-Keeper Andreas Palicka dabei keine Chance. „Wenn wir mit dem nötigen Abstand spielen und er seine Dynamik mitbringt, kommen die Würfe so schnell, dass sich Palicka nur wundern kann“, sagte Trainer Torsten Jansen.

Auch Torwart Johannes Bitter, mit 17 (!) Paraden herausragender Rückhalt in der Defensive, lobte Wullenwebers Auftritt. „Wir wissen, was seine Stärke ist und versuchen, ihn in diese klaren Situationen zu bringen. Das hat er heute überragend gemacht“, sagte Bitter. „Wir haben ihm gesagt: Junge, wenn du in der zweiten Halbzeit nicht noch ein paar von hinten reinknallst, werden wir das Ding nicht gewinnen können.“ Gesagt, getan.

Bitter: „Das war ein außergewöhnlicher Tag"

Auch nach zwei Fehlwürfen habe der Rückraumschütze sein „Herz weiter in die Hand genommen“, befand Bitter. Im Alter von zwölf Jahren wechselte Wullenweber von der SG Luhdorf-Scharmbek in die HSVH-Jugend, stieg von der Dritten bis in die Erste Liga auf. „Wir haben junge Leute dabei, die sich von der vierten Liga bis jetzt entwickelt haben und nun den nächsten Schritt machen“, sagte Bitter am Abend im „NDR-Sportclub“. Mit den Außen Thies Bergemann und Tobias Schimmelbauer (für Frederik Bo Andersen und Casper Mortensen) und Kreisläufer Niklas Weller (für Manuel Späth) erhielten zu Spielbeginn weitere Spieler der Aufstiegssaison den Vorzug vor namhaften Neuzugängen.

Trotz der Sensation – denn das war der erste Bundesligasieg seit fast sechs Jahren gegen das Mannheimer Starensemble – dürfe man über nichts anderes als den Klassenerhalt reden, betonte Bitter. „Das war ein außergewöhnlicher Tag, die direkten Vergleiche gegen die direkten Abstiegskandidaten kommen jetzt aber erst. Das sind Vierpunktespiele, heute waren es zwei Bonuspunkte.“ Dennoch habe man mit dem starken Auftritt „ein Zeichen gesetzt“.

Löwen-Coach lobt Torhüter des HSV Hamburg

„Ich gehe fest davon aus, dass der HSVH nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird“, sagte Löwen-Coach Gärtner. „Dafür hat die Mannschaft zu viel Qualität und mit Jogi Bitter einen Torhüter, der mit Sicherheit für zehn Punkte gut ist. Zwei hat er jetzt schon geholt.“

( bron )