HSV Handball

Nach Handball-Sensation: Kabinenparty mit Ballermann-Hits

| Lesedauer: 5 Minuten
Maximilian Bronner
Nach dem Spiel ließen sich die Spieler um Torwart Johannes Bitter (Mitte) von den rund 3000 frenetischen Fans feiern.

Nach dem Spiel ließen sich die Spieler um Torwart Johannes Bitter (Mitte) von den rund 3000 frenetischen Fans feiern.

Foto: LeonieHorky / WITTERS

HSV Hamburg schlägt die Rhein-Neckar Löwen 32:27. Erster Sieg in der Handball-Bundesliga seit fast sechs Jahren. Über das Spiel.

Hamburg. Dominik Axmann nahm Casper Mortensen Huckepack, als die Spieler des HSV Hamburg (HSVH) in die totale Ekstase verfielen. „Oh, wie ist das schön“, dröhnte durch die Lautsprecher der Barclays Arena, als die Spieler wild im Kreis umhersprangen. Noch Minuten nach dem sensationellen 32:27 (16:15)-Heimsieg gegen die Rhein-Neckar Löwen standen die Fans auf ihren Plätzen, feierten den ersten Sieg in der Handball-Bundesliga seit fast sechs Jahren mit einer Humba.

„Genau für solche Momente bin ich zurückgekommen“, strahlte der mit 17 Paraden überragende Torwart Johannes Bitter. Bester HSVH-Werfer war Rückraumschütze Finn Wullenweber mit sechs Toren. „Wer gegen die Rhein-Neckar Löwen zwei Punkte einplant, kann nicht ganz dicht sein“, sagte Trainer Torsten Jansen.

HSVH-Kapitän Weller durfte am Kreis beginnen

Erstmals in der Saison durfte Kapitän Niklas Weller am Kreis beginnen. Neuzugang Manuel Späth blieb nur die Zuschauerrolle. Bis auf den Rückraumlinken Azat Valiullin und Torwart Bitter standen anfangs ausschließlich Spieler aus der Aufstiegssaison auf der Platte.

In der Defensive bekam der HSVH sofort das Kampfgewicht von Löwen-Kreisläufer Jannik Kohlbacher zu spüren. Weller – der bekanntlich auch nicht unter Unterernährung leidet – hatte große Probleme, das Kraftpaket zu halten (0:2/3.). Danach kam der HSVH besser in die Partie, von der Seitenlinie gab Mortensen Weller Tipps zum besseren Stellungsspiel. Kurze Zeit später glich 2,05-Meter-Mann Valiullin erstmals aus, der HSVH war in der Partie angekommen (2:2/5.). „Wir wollten unterschiedliche Dinge in der Abwehr machen, um Andy Schmid vor verschiedene Aufgaben zu stellen. Die löst er sonst irgendwann im Schlaf“, sagte Weller nach der Partie.

HSVH-Keeper parierte Siebenmeter

Der Aufsteiger deckte nun in der offensiveren 5-1-Variante – und Keeper Bitter lief langsam heiß. Erst parierte der Weltmeister von 2007 einen Siebenmeter von Nationalmannschaftskollege Uwe Gensheimer, dann traf Jan Forstbauer unter dem Jubel der 3067 Zuschauer zur Führung (5:4/9.). Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, Löwen-Trainer Klaus Gärtner stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie.

Nachdem Bitter Mitte der ersten Halbzeit seinen zweiten Siebenmeter parierte, schwächten sich die Löwen mit zwei Zweiminutenstrafen gegen Mittelblockspieler Ilija Abutovic selbst. Einen Ballverlust der Mannheimer später traf Bitter tief aus der eigenen Hälfte ins leere Tor – 11:9-Führung (20.). Die Zuschauer johlten, der Torwart grinste schelmisch durch die Arena, der Favorit war zunehmend genervt. Supertalent Juri Knorr maulte beleidigt, nachdem ihn Tissiers Wurfarm ohne Absicht an der Nase traf. Als die Teams beim 16:15 in die Kabine liefen, feierte das Publikum die Leistung mit Ovationen.

„Wir haben mit super vielen Emotionen gedeckt“

Nach der Pause verpasste es der HSVH kurzzeitig, den Schwung aus dem ersten Durchgang mitzunehmen. Nach zwei Paraden von Löwen-Keeper An­dreas Palicka (insgesamt sieben) drehte Gensheimer das Spiel (17:19/35.). Innerlich kochte der Linksaußen jedoch. Bei einem Gegenstoß lief er erst in den Schiedsrichter hinein, dann schlug der Star den Ball nach einer weiteren Bitter-Parade frustriert zur Seite weg. Wenige Minuten später war es Finn Wullenweber, der den Mittelblock auswackelte und den Ball zum alten Zweitorevorsprung unter die Latte jagte (22:20/42.).

„Kommt Männer, arbeiten“, brüllte Thies Bergemann – und der HSVH arbeitete. „Wir haben überragend und mit super vielen Emotionen gedeckt“, sagte Weller. Nachdem Löwen-Verteidiger Abutovic Tissier im vollen Lauf an der Nase erwischte, sah er die Rote Karte (46.). Die Führung wechselte nun beinahe im Minutentakt. In den letzten vier Spielminuten erhoben sich die Zuschauer, die Stimmung kochte.

HSVH-Keeper Bitter feierte zu Ballermann-Hits

Nachdem Wullenweber den Ball erneut mit einem lauten Knall unter die Latte feuerte, war die Sensation greifbar (29:27/57.). „Wenn der mit voller Kraft kommt, schießt der das ganze Tor weg“, sagte Bitter über den 23-Jährigen. Die Fans sprangen auf, rissen die Arme in die Luft. „HSV, HSV“, schallte es durch die Arena, kurz vor Schluss traf Mortensen noch zum 32:27.

Noch eine Dreiviertelstunde nach Spielende kochte Gästetrainer Gärtner innerlich. „Ich bin sauer, dass wir uns am Ende so gehen lassen haben. Das war eine katastrophale Darstellung.“ Johannes Bitter feierte da längst zu lauten Ballermann-Hits eine Kabinenparty. „Wir hatten nichts zu verlieren und das Allergeilste daraus gemacht“, jubelte er.

Tore HSVH: Wullenweber 6, Weller 5, Forstbauer 5, Valiullin 4, Bergemann 4, Schimmelbauer 2, Mortensen 2, Bauer 2, Tissier 1, Bitter 1, Späth, Ossenkopp, Kleineidam, Gertges, Andersen.

Tore Rhein-Neckar Löwen: Gensheimer 6, Ahouansou 5, Groetzki 4, Kohlbacher 4, Kirkelokke 4, Schmid 2, Horzen 1, Nilsson 1, Abutovic, Diocou, Lagergren, Gislason, Knorr.

Schiedsrichter: Fedtke/Wienrich